Sorge um den Buchmarkt aufwärts dieser Leipziger Buchmesse
Sebastian Fitzek, Sophie Passmann oder Judith Holofernes sind die Stars der Leipziger Buchmesse. Diskutiert wird dort aber auch über die Krise der Branche – und den Streit über den Buchhandlungspreis und Kulturstaatsminister Weimer.
Zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2026 (19. bis 22. März) steht die Branche unter starkem Druck. Buchmessen seien daher gerade besonders wichtig, betont der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Sebastian Guggolz, im Gespräch mit dem MDR. Parallel zur Messe starten auch die Manga Comic Con und das Lesefestival „Leipzig liest“.
Nach Angaben des Börsenvereins ist die Zahl der Buchhandlungen in den vergangenen zehn Jahren um etwa 15 Prozent zurückgegangen. In Sachsen-Anhalt habe in diesem Zeitraum sogar ein Viertel der Buchhandlungen geschlossen.
Entwicklung „in höchstem Maße alarmierend“
Verlage kämpfen mit deutlich gestiegenen Kosten. Die Zahl der Neuerscheinungen pro Jahr sei im selben Zeitraum von über 90.000 auf 70.000 zurückgegangen. Als Grund dafür sieht Sebastian Guggolz die schlechte Wirtschaftslage.
Sorgen bereiten dem Börsenverein außerdem schwindende Leserzahlen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen gehe sie mit einer sinkenden Lesekompetenz einher. „Das ist in höchstem Maße alarmierend“, sagte Guggolz dem MDR.
Auswirkungen habe das nicht nur auf die Buchbranche, sondern auf die ganze Gesellschaft. Lesen sei besonders wichtig für das Verstehen von komplexen Zusammenhängen und für die politische Willensbildung. Hier gebe es dringenden Handlungsbedarf.
Reizfigur in Leipzig: Wolfram Weimer
Nicht stattfinden wird die ursprünglich für den 19.03. geplante Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte drei linke Buchhandlungen von der Preisverleihung ausgeschlossen und die Preisverleihung nach Kritik an seiner Entscheidung komplett abgesagt.
Zur Eröffnung der Leipziger Buchmesse sollen daher Protestaktionen gegen den Kulturstaatsminister stattfinden. Vor dem Leipziger Gewandhaus werden rote Karten verteilt, welche die Gäste während der Rede Weimers hochhalten sollen. Der Börsenverein und der Hanser-Verlag planen außerdem Solidaritätsveranstaltungen auf dem Messegelände.
Zuletzt hatte Weimer angekündigt, den dringend benötigten Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zu stoppen. Auch deshalb ist die Buchbranche auf den Kulturstaatsminister nicht gut zu sprechen. Nach Angaben der Buchmesse hat Weimer den traditionellen Rundgang des Kulturstaatsministers über die Messe abgesagt.
Prominente Namen schmücken Veranstaltung
ARD-Literaturexperte Denis Scheck kommentierte bei MDR Kultur, Weimer tue alles dafür, um Buchhandel und Bibliothekswesen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, aus seiner Sicht allerdings „mit den Mitteln eines Clowns, eines Narren und – offen gestanden – auch eines Simpels.“
Judith Holoferness stellt auf der Leipziger Buchmesse ihr neues Buch „Hummelhirn“ vor, Sophie Passmann ihr Buch über weibliche Selbstdarstellung in den sozialen Medien. Alice Schwarzer fasst Feminismus in 99 Begriffen zusammen.
Zu Gast sind außerdem die beiden Buchpreisträger Martina Hefter und Robert Menasse. Bridgerton-Autorin Julia Quinn wird ebenfalls in Leipzig erwartet, ebenso wie Bestsellerautorin Caroline Wahl und New-Adult-Star Ayla Dade.
Ergreifend: „Ghost Stories“ von Siri Hustvedt
Für Besucherandrang wird voraussichtlich Krimi-Bestsellerautor Sebastian Fitzek sorgen. Darauf hoffen auch Comedian Lutz van der Horst und Sams-Erfinder Paul Maar. Letzterer stellt in Leipzig ein Kinderbuch über Demenz vor. Jana Hensel präsentiert ihr neues Buch über den Osten und Bernhard Schlink einen Essay über Gerechtigkeit.
Literaturexperte und „Druckfrisch“-Moderator Denis Scheck empfiehlt den neuen Roman von Judith Hermann über ihre Familiengeschichte während der NS-Zeit und Thomas Hettches neues Buch „Liebe“.
Berührend findet Scheck die Erinnerungen von Siri Hustvedt an ihren verstorbenen Mann Paul Auster in „Ghost Stories“. Weltweit würden Menschen bei der Lektüre dieses Buches derzeit zu Taschentüchern greifen.
Leipzig präsentiert Regionen der Donau
Erstmals präsentiert die Leipziger Buchmesse kein Gastland mit dessen Literatur, sondern ein Fokusthema: „Next Generation Donau: Welche Zukunft?“. Vorgestellt werden darin Bücher aus Regionen entlang der Donau. Man wolle außerdem über die Situation der Menschen vor Ort diskutieren. Zwei Autorinnen beschäftigen sich mit den Nachwehen der Jugoslawien-Kriege.
Zum Thema Meinungsfreiheit sind mehrere Panels geplant, unter anderem mit dem Journalisten Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung auf der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3Sat.
Dort will am Donnerstag auch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer diskutieren, zu seiner umstrittenen Entscheidung, den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig zu stoppen. Eine Veranstaltung, die in Leipzig mit besonderer Spannung erwartet wird.
Source: tagesschau.de