So teuer ist dies Leben in jener Rente
Viele unterschätzen, wie teuer das Leben im Ruhestand wird. Die gesetzliche Rente allein wird für die meisten nicht reichen – das zeigen einfache Rechenbeispiele. Wie viel muss man wirklich ansparen?
Reisen, gutes Essen und entspannt die Seele baumeln lassen: In der Rente hat man endlich Zeit für all das, was im Arbeitsleben zu kurz kommt. Doch dieses schöne Leben kostet, und wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, muss im Alter sparen statt genießen. Denn vielen könnten im Alter mehrere Hunderttausend Euro fehlen.
„Wie viel Einkommen ich im Alter brauche, das hängt natürlich von meinen persönlichen Präferenzen ab“, betont Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance and Management im ARD-Finanzformat 50k auf YouTube. Wer viel reise, brauche vielleicht sogar mehr Geld als früher; wer dagegen eher Zeit im eigenen Garten verbringe, der brauche wahrscheinlich weniger.
Es gibt Faustregeln, an denen man sich orientieren kann: Laut Stiftung Warentest braucht man im Ruhestand ungefähr 80 Prozent des letzten Nettogehalts, um den Lebensstandard zu halten. Das liegt laut Stotz vor allem daran, dass Rentenbeiträge und private Altersvorsorge nicht mehr gezahlt werden müssen, wenn man selbst in Rente ist. So fallen rund 20 Prozent der Ausgaben des Berufslebens weg.
Rentenlücke kennen
Um nun ermitteln zu können, wie viel Geld man tatsächlich angespart haben muss, um in der Rente 80 Prozent des letzten Nettogehalts zur Verfügung zu haben, muss man seine persönliche Rentenlücke kennen. Dafür hilft ein Blick in die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung: Dort findet sich die prognostizierte Bruttorente. Davon gehen dann noch Kranken- und Pflegeversicherung und eventuell Steuern ab. Was übrig bleibt, ist die Nettorente.
Wer von einem Bedarf von 80 Prozent ausgeht, muss von diesem Bedarf die Nettorente abziehen, um die Rentenlücke zu ermitteln. Zusätzliche Einnahmen wie private Rente, Betriebsrente oder Mieteinnahmen müssen dabei ebenfalls berücksichtigt werden, ebenso wie die Inflation.
Inflation frisst Rentensteigerung
Ganz konkret lässt sich dies an einer Beispielrechnung zeigen, wie das aktuelle 50k-Video zeigt. Dabei wird von einem Durchschnittsgehalt von 4.500 Euro brutto im Monat ausgegangenen, ungefähr 3.000 Euro netto. Nutzt man nun die Faustregel der Stiftung Warentest und geht von 80 Prozent Bedarf aus, braucht man 2.400 Euro Bedarf im Alter. Noch nicht berücksichtigt ist die Inflation.
Wer heute 30 Jahre alt ist, bräuchte in der Rente – bei einer angenommen Inflationsrate von zwei Prozent pro Jahr – 4.347 Euro netto, um sich im Alter genauso viel leisten zu können wie heute. Diese Hochrechnung lässt sich auch für die gesetzliche Rente machen: Nach mindestens 35 Beitragsjahren läge die – unter Berücksichtigung einer jährlichen Rentensteigerung von 1,7 Prozent – bei 2.026 Euro netto.
Die Beispielrechnung zeigt: Von dem angenommen Bedarf von 4.347 Euro kann die gesetzliche Rente nur 2.026 Euro decken – es bleibt also eine Rentenlücke von mindestens 2.321 Euro netto pro Monat. Und die Rechnung zeigt auch: Bei einer Inflation von zwei Prozent wird die Lücke bei einer durchschnittlichen jährlichen Rentensteigerung von 1,7 Prozent mit jedem Jahr in Rente tendenziell noch größer. „Diesen Kaufkraftverlust durch die Inflation muss man natürlich durch ein zusätzliches Vermögen ausgleichen“, betont Experte Stotz.
Zinseszinseffekt hilft Sparern
Das heißt: Wer im Alter seinen Lebensstandard halten will, kommt an einer eigenen privaten Altersvorsorge nicht vorbei. Die gute Nachricht daran: Je früher man seine Rentenlücke kennt, desto früher kann man anfangen, sie zu schließen. Und das ist durchaus machbar.
Denn beim langfristigen Sparen wirkt der sogenannte Zinseszinseffekt: Erträge erzeugen neue Erträge, und das Vermögen wächst immer schneller. „Das ist eine sehr wichtige Größe, die von vielen Menschen unterschätzt wird. Die meisten können den exponentiellen Anstieg eines Vermögens durch den Zinseszinseffekt schwer einschätzen“, so Experte Olaf Stotz im aktuellen 50k-Video.
Je länger der Anlagehorizont, desto eher kann man in Anlagen mit höheren Renditechancen investieren, wie zum Beispiel Aktien oder ETFs, und Schwankungen durch den langen Anlagezeitraum trotzen. Auch Investments in Dividenden-Titel können ein Baustein für die langfristige Altersvorsorge sein.
Bedarf mit Rentenfaktor berechnen
Wer jetzt die konkrete Frage beantworten will, wie viel Vermögen er oder sie zum Renteneintritt auf der hohen Kante haben sollte, um die Rentenlücke schließen zu können, kann das mit einer Faustregel berechnen. Wichtig dafür ist der sogenannte Rentenfaktor aus der privaten Altersvorsorge, der sich bei allen Arten von privaten Rentenversicherungen findet – etwa in Rürup- und Riester-Verträgen, der betrieblichen Altersvorsorge und auch in nicht geförderten privaten Rentenversicherungen.
Der Rentenfaktor legt fest, wie viel Rente der Versicherer später für das Erspartes auszahlt – aktuell liegt er in vielen Verträgen bei 25. Das bedeutet, dass man für je 10.000 Euro angespartes Kapital 25 Euro Rente pro Monat bekommt, also 300 Euro im Jahr.
Wie hoch dieser Rentenfaktor ist, hänge von unterschiedlichen Einflüssen ab, so Experte Stotz: „Ganz wichtiger Einflussfaktor ist die Lebenserwartung: Je länger die Lebenserwartung, desto geringer sind die Rentenfaktoren, weil die Renten natürlich länger ausgezahlt werden müssen.“ Der zweite wichtiger Einflussfaktor sei das Zinsniveau: „Je niedriger das Zinsniveau ist, desto niedriger sind auch die Rentenfaktoren, weil letztendlich das Geld, was ich der Versicherung gebe, weniger rentabel arbeiten kann“, erklärt Stotz. Entsprechend kann es auch Verträge mit anderen Rentenfaktoren geben – etwa 30.
Rund 700.000 Euro ansparen
Um ausgehend von Rentenlücke und Rentenfaktor berechnen zu können, wie viel Kapital man für die Rente angespart haben sollte, kann man die sogenannte 25x-Faustregel nutzen, erklärt Olaf Stotz von der Frankfurt School of Finance. Dabei ergibt die monatliche Rentenlücke multipliziert mit 12, multipliziert mit dem Rentenfaktor 25, den Kapitalbedarf.
Für das konkrete Rechenbeispiel heißt das: Rentenlücke 2.321 Euro pro Monat mal 12 macht 27.852 Euro pro Jahr. 27.852 Euro mal 25 ergibt einen Kapitalbedarf von 696.300 Euro. Wer also heute 30 Jahre alt ist und ein Durchschnittsgehalt von 4.500 Euro brutto im Monat hat, muss rund 700.000 Euro ansparen, um im Alter 80 Prozent des letzten Nettogehalts zur Verfügung haben zu können.
Wichtig dabei ist, dass diese Rechnung Inflation nicht berücksichtigt, weil Inflation, Rentenanpassungen und Kapitalanlage in der Realität gleichzeitig wirken. Je nachdem, ob man zusätzlich eine betriebliche Altersvorsorge hat oder erbt, kann sich die Gesamtsumme zudem reduzieren. Und auch der tatsächliche Bedarf ist individuell.
Source: tagesschau.de

