SKiUrlaub: „Es muss nicht immer dies Schnitzel sein“
Was also tun, um die Gesamtkosten eines Skiurlaubs zu drücken? Grundsätzlich gilt: Wer flexibel reisen kann, reist am günstigsten. Die beste Reisezeit sei vor Weihnachten, sagen Nathalie und Patrick Aron. Das Ehepaar ist Anfang dreißig und veröffentlicht auf dem Instagram-Account „Voyagefox“ perfekt inszenierte Reisevideos für etwa 630.000 Follower. „Alles, was vor dem 20. Dezember ist, ist immer extrem billig“, sagt Patrick Aron. Denn danach beginne die Saison.
Miriam Ax vom Wintersportportal „Snowplaza“ sieht das ähnlich: Am günstigsten sei „alles vor Weihnachten“. Die meisten Skigebiete öffnen Ende November, spätestens Anfang Dezember. Wer seinen Urlaub in die Vorweihnachtszeit legen kann, kommt also oft günstiger weg – und hat relativ leere Pisten.
Nach Weihnachten hat immer irgendwer Ferien
Nach Weihnachten, in den Monaten Januar bis März, gebe es allerdings inzwischen keine richtige Nebensaison mehr, sagt Ax. Irgendwer hat einfach immer Ferien: Egal ob es nun die Niederländer, die Franzosen oder eben die Deutschen sind. Viele Skiresorts würden zudem inzwischen auf dynamische Preise setzen, die nicht nur vom Datum, sondern auch vom Wetter und den Pistenbedingungen abhingen, sagt Ax. „Man muss Glück haben, die richtige Woche zu erwischen.“
Frühzeitig zu buchen, sei sinnvoll – mit dem Nebeneffekt, dass man dann Pech mit dem Wetter haben könne, sagt Ax. So sei der Dezember diese Saison in vielen Skigebieten viel zu warm gewesen. „Last minute“ zu buchen, funktioniere aber auch nicht mehr so gut.
Osteuropa ist deutlich günstiger
Sparpotential bietet hingegen die Ortswahl: Gerade Skigebiete in Osteuropa, beispielsweise in Bulgarien, Tschechien oder Polen, sind oft deutlich günstiger als in den Alpen. Das Influencer-Ehepaar Aron aus Dresden hat genau das gemacht: Sie sind für einen Tagesskiausflug nach Tschechien, ins Skigebiet Klínovec gefahren. Dort kostet der Skipass auf der Website umgerechnet weniger als 45 Euro.
Auch Unterkünfte, Speisen und Ausrüstung sind günstiger. „Da redet man nur von einem Drittel des Preises, den man in Österreich bezahlt“, sagt Patrick Aron. Osteuropa ist also vor allem für Wintersportfans in Ostdeutschland oder Bayern attraktiv – wer von weiter her anreist, muss entsprechend höhere Reisekosten gegenrechnen.
Frankreich als Alternative zu Schweiz und Österreich
Wer unbedingt in die Alpen will, aber trotzdem sparen möchte, für den könnten die französischen Alpen eine Option sein. Das Reiseportal „Holidu“ führt drei französische Skiresorts in seinem europäischen Ski-Preis-Index auf den ersten drei Plätzen: Artouste, Lans en Vercors und Réallon. Das Portal bezieht sich dabei auf die Tagespreise für Skipässe sowie die Median-Unterkunftskosten für Skiresorts mit über 20 Pistenkilometern. Die drei französischen Skigebiete landen demnach bei unter 45 Euro pro Tag für Unterkunft und Skipass.
In die französischen Alpen ist auch Content-Creatorin Maria Stepanova gereist. Die Zweiundzwanzigjährige veröffentlicht seit zwei Jahren auf Tiktok und Youtube Reisevideos und hat über Bekannte von dem Skiort Val-Cenis erfahren. Weihnachten 2024 war sie das erste Mal da. Sie war so begeistert, dass sie nun zum dritten Mal hingefahren ist. Im Oktober postete sie ein Tiktok über ihren Geheimtipp, der gut ankam: 320.000 Aufrufe, über 30.000 Likes.
Für Stepanova bietet das auf 2800 Metern gelegene Skigebiet in Val-Cenis ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als viele Skigebiete in Österreich oder der Schweiz: Mit über 125 Pistenkilometern sei das Skigebiet relativ groß, „man kann problemlos mehrere Tage dort fahren, ohne dass es langweilig wird“, sagt sie.
Die Pisten seien abwechslungsreich, es gebe sowohl breite Abfahrten als auch schmalere Strecken. „Besonders gefallen haben mir die grünen Pisten, die ich so in Österreich noch nicht gesehen habe“, sagt die Creatorin. Diese seien sehr flach, führten gemütlich durch den Wald und seien ideal für Anfänger geeignet.
Die lange Anreise kann ein Problem sein
Einziger Nachteil bei Val-Cenis: Der Weg dahin ist weit, vor allem für die sonst mit nahe gelegenen Skiresorts verwöhnten Münchner. „Nur 1000 Kilometer von München entfernt … dann doch lieber Österreich“, schreibt jemand unter Stepanovas Tiktok (tatsächlich sind es nur etwa 730 Kilometer von München). Stepanova und ihre Freunde kommen aus Hamburg, sie sind die 1250 Kilometer im VW-Bus gefahren. Dass das nicht für alle eine Option ist, ist Stepanova bewusst. Die Alternative: Einen Flug nach Turin buchen und von dort aus die letzten Kilometer mit dem Mietwagen zurücklegen.
Der Tagesskipass in Val-Cenis kostet 49,50 Euro – deutlich günstiger als in vielen Gegenden Österreichs, sagt Stepanova. Wer online vorab bucht, der bekommt auf der Website sogar noch extra Rabatt. Vorab buchen und dabei sparen – das trifft laut Wintersport-Redakteurin Ax auch auf viele andere Skigebiete zu.
Skiausrüstung: Kaufen oder leihen?
Vorsicht sei allerdings beim Wochenskipass geboten, sagt das Content-Creator-Paar Aron: Kaum jemand fahre wirklich sieben Tage hintereinander. „Nach drei Tagen tun mir die Beine so dermaßen weh, dass ich dann mal einen Tag aussetze“, sagt Patrick Aron. Manchmal wolle man auch einen Tag Wellness machen oder habe beim Après-Ski am Vorabend zu viel getrunken. In einigen Skigebieten gebe es Tickets, „wo man fünf Tage vor Ort ist, aber nur drei Tage fährt und auch nur diese drei Tage bezahlt“, sagt Patrick Aron. Das lohne sich mehr.
Beim Leihen der Skiausrüstung empfiehlt Wintersport-Redakteurin Ax online im Voraus zu buchen. Damit ist man vor Ort schneller und spart oft zehn Prozent. Nathalie und Patrick Aron – die von ihrem Influencer-Job leben können und schon in einigen Skigebieten waren – stimmen dem grundsätzlich zu. Aber: Wer öfter fahre, der solle lieber kaufen. Gerade vor Ort auszuleihen sei inzwischen sehr teuer geworden, sagt Nathalie Aron. Lieber solle man sich die Ausrüstung im Winterschlussverkauf einmal kaufen, „dann hat man die Kosten von drei-, viermal Ausleihen drin“.
Selbst kochen in der Ferienwohnung
Die Hamburger Studentin Stepanova hat in Val-Cenis auch bei der Unterkunft gespart. Zusammen mit ihren Mitreisenden hat sie im Nachbarort Les Champs eine Ferienwohnung mit eigener Küche gemietet – 1300 Euro für fünf Personen und sechs Nächte. Sie hätten selbst gekocht und dabei Geld gespart. Wer dazu die An- und Abreise auf die Wochentage lege, könne zusätzlich sparen, sagt Ehepaar Aron.
Skipässe für Kinder oft kostenlos
Auch Familien mit Kindern können sparen: Ein Kinderskipass ist in vielen Skiresorts kostenlos. Allerdings nur bis zu einer gewissen Altersgrenze, die je nach Skigebiet mal bei sechs Jahren liegt, mal bei bis zu 14 Jahren. Und: Wer ohnehin einen Skikurs für die Kinder bucht, der spare oft den Skipass für die Kinder, der sei dann inklusive, sagt Ax.
Ansonsten empfehlen Natalie und Patrick Aron gerade für Familien und Anfänger die Reise in osteuropäische Skiorte. Dort gibt es zwar deutlich weniger Abfahrtspisten als in Österreich, aber wer ein begrenztes Budget habe, wenn „die Kinder noch in die Skischule wollen und Après-Ski auch nicht so wichtig ist, dann ist das die bessere Wahl“, sagt Nathalie Aron.
Vergünstigt oder manchmal sogar kostenlos kommen auch Saisonarbeiter etwa als Skilehrer oder als Kellner in der Gastronomie an Skipässe. Doch oftmals ist in der Hochsaison eine Sechstagewoche Standard. Zeit zum Skifahren bleibt entsprechend wenig.
„Ischgl ist wie eine Autobahn“
Einen spezifischen Tipp hat Wintersport-Expertin Ax noch: Man solle sich frühzeitig eine Unterkunft in einem Tal mit mehreren Skigebieten mieten. Diese Unterkunft soll in der Nähe eines günstigeren, tiefer gelegenen Skigebiets liegen. Falls das Wetter nicht mitspielt, kann man dann immer noch ins höher gelegene, teurere Skigebiet fahren. Und zum Hang hinauf könne man auch den Skibus nehmen. Dieser sei in aller Regel im Skipass enthalten, gibt Nathalie Aron noch als Tipp.
Ax nennt als Beispiel das Paznauntal, das nicht nur Ischgl, sondern auch kleinere, weniger stark frequentierte Skigebiete in der Nähe der Orte Kappl oder See beherbergt. „Ischgl ist wie eine Autobahn, so viele Leute sind da. Man kann auch Landstraße fahren, mit weniger Leuten“, sagt Ax. Bekanntlich gilt: Wer Landstraße fährt, der spart – sowohl Sprit beim Autofahren als auch bares Geld beim Skifahren.