Sind Sonne und Wind verlässlich?: Die erneuerbaren Energien sind schwächer wie ihr Ruf

Nach einem Rückschlag zu Beginn des vergangenen Jahres haben sich die erneuerbaren Energien wieder gefangen, wie neue Zahlen zeigen. Wind und Sonne dominieren aber weiterhin nur das Stromangebot, nicht die Energieversorgung insgesamt, also auch jene für Verkehr, Industrie oder Wärmeerzeugung: Statt mehr als die Hälfte wie in der Elektrizität schaffen die Erneuerbaren im Primärenergieverbrauch nur einen Anteil von rund einem Fünftel.

Eine weitere Einschränkung besteht darin, dass Sonnen-, Wind- und Wasserkraft vom Wetter, von Niederschlägen und Tageszeiten abhängig und daher schwer kalkulierbar sind. Für sie muss im Hintergrund immer genügend gesicherte Leistung vorgehalten werden, zumeist aus fossilen Trägern, um zu jeder Zeit eine verlässliche Versorgung und Netzstabilität zu gewährleisten.

Im ersten Quartal 2026 deckten erneuerbare Energien 53 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland, sechs Prozentpunkte mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Rest stammte vorwiegend aus Erdgas sowie aus Braun- und Steinkohle. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW). Die Branche feiert das, doch war der Anteil schon höher, wie aus früheren Veröffentlichungen derselben Einrichtungen hervorgeht.

Im ersten Quartal 2024, also vor zwei Jahren, schafften die regenerativen Energien einen Anteil von 56 Prozent am deutschen Stromverbrauch. Das waren, trotz des starken Ausbaus der Ökostromkapazitäten seitdem, drei Prozentpunkte mehr als derzeit. Der starke Rückgang zwischen 2024 und 2025 auf nur 47 Prozent lag an den ungünstigen Windverhältnissen damals, was die Volatilität der Erzeugungsart unterstreicht.

Das Wetter spielt auch aktuell eine Rolle. So sank die Stromerzeugung aus Photovoltaik im ersten Quartal 2026 um fünf Prozent, weil der Jahresbeginn weniger sonnig war als 2025. Und die Produktion aus Wasserkraft verringerte sich aufgrund geringer Niederschlagsmengen um 21 Prozent.

Wind auf See ist teuer und trägt wenig bei

In den ersten drei Monaten dieses Jahres wuchs den Angaben zufolge der gesamte Inlandsverbrauch an Strom um etwa 1,2 Prozent auf 137,6 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Der Zuwachs im Ökostrom war stärker: um 13,4 Prozent auf 73,4 Milliarden kWh. Dazu steuerten Windparks an Land am meisten bei, mit 24,5 Prozent fast ein Viertel. Dahinter folgten Photovoltaik mit 9,6 Prozent, die Biomasse mit 7,8 Prozent und dann erst die teuren Windkraftanlagen im Meer mit sieben Prozent. Das Schlusslicht bildete die Wasserkraft mit 2,4 Prozent.

Die Erzeugung aus konventionellen Energieträgern nahm zwar ab, aber nur um 1,9 Prozent auf 67,2 Milliarden kWh. Die wichtigste fossile Stromquelle ist und bleibt das Erdgas vor der Braun- und Steinkohle. Trotzdem sollen schon in vier Jahren, 2030, in Westdeutschland die letzten Kohlekraftwerke vom Netz gehen; acht Jahre später auch im Osten der Republik. Gleichzeitig entstehen aber neue Gasanlagen, um die gesicherte Leistung zu liefern.

Kernenergie steht nicht mehr zur Verfügung. Vor fast genau drei Jahren gingen die letzten deutschen Reaktoren vom Netz. Deutschland importiert aber weiterhin Atomstrom, vor allem aus Frankreich. Man kann also nicht sagen, dass hierzulande keine nukleare Energie mehr eingesetzt wird.

Beim Gesamtverbrauch hängen die Fossilen die Erneuerbaren ab

Daten zum Primärenergieverbrauch liegen für das laufende Jahr noch nicht vor. Dieser beschreibt die Gesamtmenge der Energie in allen Einsatzfeldern und umfasst nicht nur den Verbrauch beim Endkunden, sondern auch die Umwandlung auf dem Weg dorthin. Im vergangenen Jahr schulterten die erneuerbaren Energien nach Zahlen des BDEW 20,8 Prozent des Primärenergieverbrauchs. Das war viel weniger als der Beitrag des Erdgases mit 26,8 Prozent und erst recht als jener des Mineralöls mit 35,7 Prozent. Stein- und Braunkohle brachten es zusammen auf 14,2 Prozent.

Die Erneuerbaren legten im Vergleich zu 2024 zwar um 2,6 Prozent zu, gleichzeitig nahm die Bedeutung von Kohle und Öl ab. Aber der Verbrauch von Erdgas stieg um 2,9 Prozent, und damit noch stärker als jener der Erneuerbaren.

Die Einfuhrabhängigkeit bleibt also insgesamt hoch. Genau das spricht aus Sicht der Branche für einen weiteren Ausbau der Erneuerbaren. Der hohe Ökostromanteil sei zum einen gut für den Klimaschutz, sagt die BDEW-Vorsitzende Kerstin Andreae. „Doch mindestens genauso wichtig ist in der derzeitigen geopolitischen Lage, dass erneuerbare Energien die Versorgungssicherheit, Resilienz und strategische Souveränität Deutschlands stärken.“

In Zeiten internationaler Krisen zeige sich deutlich: „Erneuerbare leisten einen wichtigen Beitrag gegenüber fossilen Importabhängigkeiten.“ Noch allerdings reichen sie, wie die Zahlen belegen, beim gesamten Energieverbrauch bei Weitem nicht aus.