Sexualstraftäter: Tech-Milliardäre geraten ins Netz von Jeffrey Epstein
Kimbal Musk ist der Bruder von Elon Musk. Er hat einen Sitz im Verwaltungsrat des von Elon geführten Elektroautoherstellers Tesla, und er ist auch selbst Unternehmer. Und wie sein Bruder taucht auch er jetzt wiederholt in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumenten auf, die sich um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein drehen. Ein E-Mail-Austausch, datiert auf das Jahr 2012. Kimbal Musk schreibt darin an Epstein und einen Freund, Boris Nikolic, und bedankt sich dafür, ihn mit einer bestimmten Frau „verbunden“ zu haben. Nikolic mahnt Musk in seiner Antwort, er solle „nett“ zu der Frau sein, und fügt hinzu: „Jeffrey macht es verrückt, wenn jemand seine Mädchen/Freunde schlecht behandelt.“ Musk erwidert, er habe die Botschaft „klar“ gehört, und lässt ein augenzwinkerndes Smiley-Gesicht folgen. Weiter sagt er, er sei bisher „sehr glücklich“ mit der Frau. „Sie ist großartig.“
Die veröffentlichten Nachrichten sorgten für einigen Wirbel, unter anderen bei Anhängern von „Burning Man“, einem jährlichen Festival in der Wüste von Nevada, das für sein Hippieflair bekannt ist und zu dessen Besuchern auch immer viele Vertreter der Techszene im Silicon Valley gehören. Kimbal Musk saß bislang im Aufsichtsrat der Organisation, die das Festival veranstaltet.

Mitglieder der „Burning Man Community“ veröffentlichten auf einer eigens eingerichteten Internetseite mit der Adresse removekimbal.org einen offenen Brief an das Gremium, in dem sie fragten, ob es sich mit den „Werten“ der Organisation vertrage, wenn Musk weiter eine Rolle spiele. Weiter schrieben sie, sie wollten Musk zwar kein kriminelles Verhalten unterstellen, aber die Dokumente ließen an seinem „Urteilsvermögen“ zweifeln. In dieser Woche wurde bekannt, dass Musk seinen Posten im Aufsichtsrat tatsächlich niedergelegt hat. Wobei die Organisatoren zur Begründung nicht auf die Epstein-Dokumente verwiesen, sondern auf „andere Verpflichtungen und Prioritäten“ Musks.
„Ich habe viele Freunde im Silicon Valley“
Die neuen Epstein-Dokumente haben in den vergangenen Tagen eine ganze Reihe prominenter Vertreter aus Politik und Wirtschaft in Erklärungsnot gebracht. Darunter sind viele bekannte Namen aus der Technologiebranche, und einige von ihnen sind Multimilliardäre. Auch Kimbal Musks Bruder Elon taucht in den Dokumenten wiederholt auf, ebenso wie Microsoft-Mitgründer Bill Gates, der Investor Peter Thiel oder Linkedin-Mitgründer Reid Hoffman. In vielen Fällen waren Verbindungen zu Epstein schon bekannt, allerdings lieferten die Dokumente neue Einblicke, wie eng die Kontakte teils waren.
Und viele der nun genannten Personen aus der Technologiewelt pflegten auch nach Epsteins Verurteilung 2008 einen intensiven Austausch mit ihm. „Ich habe viele Freunde im Silicon Valley“, schrieb Epstein in einer E-Mail aus dem Jahr 2016. Das Spektrum der Nachrichten ist breit. Es geht um Partys und Besuche auf Epsteins Karibikinsel, es werden Treffen zum Lunch arrangiert, und es wird über Investitionen gesprochen. Beispielsweise steht in den Dokumenten, dass Epstein 2014 drei Millionen Dollar in die Krypto-Plattform Coinbase investiert und die Hälfte dieser Beteiligung vier Jahre später mit großem Gewinn wieder verkauft hat.
Elon Musk hat in der Vergangenheit versucht, seine Verbindung zu Epstein herunterzuspielen. Vor einigen Monaten schrieb er auf seiner Plattform X: „Epstein hat versucht, mich zu einem Besuch auf seiner Insel zu bewegen, aber ich habe das abgelehnt.“ Die Dokumente suggerieren nun aber, dass Musk durchaus Interesse hatte, Epstein auf der Insel zu treffen. In einer E-Mail aus dem Jahr 2012 fragt er, an welchem Tag „die wildeste Party auf deiner Insel“ stattfinde. Im Jahr danach spricht Epstein in einer E-Mail an Musk über eine Party in seinem Haus in New York, auf der „niemand über 25“ und „alle sehr süß“ seien.

In anderen E-Mails wird ein Besuch Epsteins bei Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX diskutiert, und Epstein bedankt sich in einer Nachricht für die „Tour“. Musk hat in der Vergangenheit bestritten, dass Epstein bei SpaceX war. Musk hat sich nach der Veröffentlichung der Dokumente verteidigt und gesagt, ihm sei bewusst, sie könnten „falsch interpretiert“ und dazu genutzt werden, ihn zu „verleumden“. Er sagte auch, wenn er wirklich mit jungen Frauen Partys feiern wolle, brauche er dazu nicht die Hilfe eines „Verlierers“ wie Epstein.
Hoffman schickt Eiscreme „für die Mädchen“
Musk lieferte sich auf X auch Wortgefechte mit Reid Hoffman, der selbst wiederholt in den Dokumenten auftaucht. Musk versuchte, Hoffmans Verbindung zu Epstein als besonders verwerflich darzustellen, umgekehrt tat dies auch Hoffman mit Musk. Hoffman gab zu, er habe nach der Prüfung seiner „Kalendereinträge“ festgestellt, er habe Epstein öfters getroffen, als er bislang gesagt habe, und er sei auch auf Epsteins Insel gewesen. Alle Treffen hätten aber den alleinigen Zweck gehabt, Geld für das Massachusetts Institute of Technology zu sammeln. Hoffman hat auch gesagt, er bedaure es, nach Epsteins Verurteilung Kontakt zu ihm gehabt zu haben. In einer der jetzt aufgetauchten E-Mails schreibt Hoffman an Epstein, er habe Geschenke an seine New Yorker Adresse geschickt, darunter Eiscreme, die entweder für ihn oder „für die Mädchen“ sei.

Besonders explosiv sind einige der Dokumente, die sich um Bill Gates drehen. In mehreren E-Mails wird über Treffen gesprochen, bei denen es um die wohltätige Stiftung von Gates gehen soll. Daneben gibt es aber auch zwei E-Mails aus dem Jahr 2013, die Epstein an sich selbst geschickt hat. In einer E-Mail behauptet er, er habe Gates bei der Beschaffung von Medikamenten geholfen, „um mit den Konsequenzen von Sex mit russischen Mädchen umzugehen“, und er habe für Gates „verbotene Liebestreffen mit verheirateten Frauen“ arrangiert.
Epstein beschuldigte Gates, ihre Freundschaft „wegzuwerfen“
In der zweiten E-Mail, die er direkt an Gates richtet, sagt er, Gates habe ihn unter Tränen bedrängt, E-Mails zu löschen, die sich um seine Geschlechtskrankheit gedreht hätten. Er habe ihn auch um Antibiotika gebeten, die er heimlich seiner damaligen Frau Melinda geben könnte. Epstein beschuldigt Gates, die seit mehr als sechs Jahren bestehende „Freundschaft“ zwischen den beiden „wegzuwerfen“. Es ist unklar, ob Epstein die E-Mail jemals an Gates oder an eine andere Person geschickt hat. Gates ließ nach Veröffentlichung der E-Mails mitteilen, die enthaltenen Behauptungen seien „absolut absurd und völlig falsch“. Sie zeigten lediglich, wie frustriert Epstein gewesen sei, dass Gates den Kontakt nicht aufrechterhalten habe.

In einem Interview mit dem australischen Fernsehsender 9 News in dieser Woche wiederholte Gates frühere Aussagen, wonach er nur deshalb eine Verbindung zu Epstein gehabt habe, weil er sich von ihm Hilfe beim Sammeln von Spenden für seine Stiftung versprochen habe. Er habe Epstein nur zu Abendessen getroffen und sei nie auf seiner Insel gewesen. Gates gab zu, es sei „dumm“ von ihm gewesen, Zeit mit Epstein zu verbringen.
Ein anderer Name mit Verbindung zu Microsoft, der in den Epstein-Dokumenten vorkommt, ist Steven Sinofsky. In seiner Zeit bei Microsoft war Sinofsky unter anderem für das Betriebssystem Windows verantwortlich, er trat mehrfach bei Produktvorstellungen auf. Ende 2012 schied er abrupt aus dem Unternehmen aus. In den neuen Dokumenten sind einige interne Microsoft-E-Mails, die er an Epstein weiterleitet, unter anderem eine, in der er schreibt, der neue Microsoft-Computer Surface werde „katastrophal scheitern“.

Sinofsky besprach mit Epstein auch das Aushandeln seines Abfindungspakets. Er leitet eine interne Microsoft-Nachricht weiter, in der ihm fünf Millionen Dollar geboten werden, Epstein rät ihm wiederholt, zwanzig Millionen Dollar zu fordern. Am Ende wurde ein Abfindungspaket von 14 Millionen Dollar vereinbart. Einige Monate später schreibt Sinofsky an Epstein: „Ich bin bezahlt worden. Und du wirst es auch.“

Die Verbindung zwischen Epstein und Peter Thiel ist schon länger bekannt. Die „New York Times“ schrieb im vergangenen Jahr, Epstein habe 40 Millionen Dollar in Beteiligungsgesellschaften von Thiel investiert. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ hat Thiel Epstein erstmals 2014 getroffen und wurde ihm von Hoffman vorgestellt. In den neuen Dokumenten sind nun einige E-Mails, in denen Thiel und Epstein Treffen vereinbaren. In einer E-Mail aus dem Jahr 2014 fragt Epstein Thiel auch um Rat, ob er in die Musikplattform Spotify und in das von Thiel mitgegründete Softwareunternehmen Palantir investieren solle. Thiel rät von Spotify ab und sagt, bei Palantir sehe er mehr Potential. Aber auch für eine Investition in Palantir gebe es nach seiner Ansicht keinen Grund zur Eile.