Seltene Erden: Trumps Plan zu Gunsten von wichtige Rohstoffe nimmt  Gestalt an

Die Strategie der US-Regierung für kritische Rohstoffe bekommt immer klarere Konturen: Nach staatlichen Minderheitsbeteiligungen an Bergbauunternehmen, die in den USA Seltene Erden und andere Rohstoffe fördern, kündigte Präsident Donald Trump zu Beginn der Woche die Einrichtung einer strategischen Reserve an, die der amerikanischen Industrie zur Verfügung stehen soll. Die staatliche Export-Import-Bank stützt das Vorhaben mit dem Namen „Project Vault“ mit einem Kredit über zehn Milliarden Dollar; private Investoren steuern 1,67 Milliarden Dollar bei.

Noch in dieser Woche kommen zudem Regierungsvertreter aus den USA, aus Deutschland, anderen Ländern der EU, Großbritannien, Japan, Australien und Neuseeland in Washington zusammen, um eine Allianz für kritische Rohstoffe auszuhandeln. Es ist bereits der zweite Gipfel zu diesem Thema innerhalb eines Monats. Zur Debatte stehen Mindestpreisgarantien, die private Produzenten vor hohen Preisschwankungen und Dumping chinesischer Anbieter schützen sollen. Ziel der Initiativen ist es, die Abhängigkeit von China zu verringern. China hatte im vergangenen Herbst die Ausfuhr kritischer Rohstoffe begrenzt – und damit dem Rest der Welt die Risiken der Abhängigkeit von einem dominanten Lieferanten vor Augen geführt.

Schutz vor Preisschocks

Die Mineralien sind zu einigen der wichtigsten Rohstoffe der modernen Industrie geworden. Sie kommen in Smartphones zum Einsatz und in Kampfjets, in Windturbinen und Lautsprechern. Europas Versorgung mit Permanentmagneten – sie bestehen aus Seltenen Erden mit besonders starken magnetischen Eigenschaften – kommt fast vollständig aus China. Nach Angaben ranghoher EU-Kommissionsbeamter vom Dezember verbraucht die EU jährlich 20.000 Tonnen Permanentmagnete. Davon stammen 17.000 bis 18.000 Tonnen aus China, nur rund 1.000 Tonnen aus der EU.

Die strategische Rohstoffreserve soll Unternehmen vor Preisschocks schützen, die durch plötzliche Lieferstopps ausgelöst werden können. Unternehmen verpflichten sich, Seltene Erden schon jetzt zu kaufen – mithilfe der bereitgestellten günstigen Finanzierung. Die Gesellschaft „Project Vault“ lagert die Rohstoffe; Unternehmen können sie in Notsituationen abrufen. Zugleich sind sie verpflichtet, die Bestände später wieder aufzufüllen.

Wichtiger Bestandteil der US-Außenpolitik

„Project Vault“ unterscheidet sich mit seiner Ausrichtung auf die Privatwirtschaft von der vom Pentagon verwalteten Rohstoffreserve, die die Produktion militärisch relevanter Güter sicherstellen sollte. Diese Reserve wurde nach dem Ende des Kalten Krieges drastisch reduziert. Bis 1997 galten mehr als 99 Prozent dieses staatlichen Rohstofflagers als überschüssig im Sinne der Anforderungen des Pentagons, zeigt eine Analyse von Gracelin Baskaran, Rohstoffexpertin beim Center for Strategic & International Studies. Die Folge: Aus dem nationalen Vorratslager, einst Rückgrat der kriegswichtigen industriellen Stärke, wurde eine Randinstitution, die sich überwiegend mit Abbau und Verkauf befasste, so Baskaran.

Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit haben sich kritische Rohstoffe jedoch zu einem prominenten Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik entwickelt. Die US-Regierung verfolgt eine Reihe bilateraler Abkommen, die darauf zielen, den Zugang zu mineralischen Ressourcen zu sichern und Lieferketten mit wichtigen Partnern zu stärken – darunter die Ukraine, Saudi-Arabien, Thailand, Malaysia, Japan und die Demokratische Republik Kongo. Im Mittelpunkt dieser Vereinbarungen stehen Investitionen sowie Kooperation bei Verarbeitung und Raffinierung und langfristige Abnahmeverträge.

Staatsbeteiligungen sind ebenfalls Teil der Strategie: Das amerikanische Wirtschaftsministerium kündigte kürzlich einen Kredit über 1,3 Milliarden Dollar und direkte Fördermittel in Höhe von 277 Millionen Dollar für USA Rare Earth an – im Gegenzug für eine Beteiligung und Optionsscheine, die zusammen etwa zehn Prozent des Unternehmens wert sein sollen. USA Rare Earth entwickelt eine Mine in Texas, die 15 der 17 Elemente der Seltenen Erden enthält, sowie eine Magnetfabrik im Bundesstaat Oklahoma.

Politisch unumstritten sind die Staatsbeteiligungen nicht. Sie stehen im Verdacht, nicht nur geostrategischen Interessen zu dienen, sondern auch die Trump-Familie und deren Umfeld zu begünstigen. So beauftragte USA Rare Earth die Investmentbank Cantor Fitzgerald damit, privates Kapital einzuwerben. Vorsitzender von Cantor Fitzgerald ist Brandon Lutnick, der Sohn des Handelsministers. Die Regierung erwarb zudem Anteile an weiteren Rohstoffgesellschaften, darunter MP Materials , Lithium Americas , Trilogy Metals und zuletzt Vulcan Elements. Der Venture-Fonds 1789 Capital von Donald Trump Jr. hatte sich bereits Monate vor der Ankündigung der Regierung über eine Finanzierung und eine Beteiligung an Vulcan engagiert.