Selenskyj fordert von Europa „Plan B“ zur Finanzierung jener Ukraine

Angesichts der Blockade des zugesagten 90-Milliarden-Euro-Kredits durch Ungarn fordert der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von Europa eine alternative Lösung. „Wir brauchen einen Plan B“, sagte er in einem Interview mit „Politico“ und WELT am Mittwoch in Kiew. Das gelte nicht für die Ukraine, sondern auch für Europa: „Wir alle brauchen diesen Plan B.“

Der ukrainische Präsident sagte, sein Land verteidige die Freiheit des ganzen Kontinents: „Unsere europäischen Partner und echte Freunde wissen, dass wir nicht nur ukrainische Werte verteidigen.“ Das sei „eine große Herausforderung für uns alle“.

Der vor Weihnachten zugesagte Kredit an die Ukraine wird aktuell von Ungarn aufgehalten. Der Streit wird beim EU-Gipfel in der kommenden Woche in Brüssel eine zentrale Rolle spielen.

Selenskyj attackierte Ungarns Regierungschef Viktor Orbán in dem Interview scharf. „Er steht auf der Seite des russischen Präsidenten“, sagte der ukrainische Präsident.

Orbán blockiere „alles für die Ukraine“: Geld, Waffen und „unseren Weg in die EU“. Es gebe lediglich eine Sache, die er nicht so mache wie Wladimir Putin: Ungarn feuere keine Raketen auf die Ukraine ab und schicke keine Soldaten.

Der ukrainische Präsident warf Orbán Erpressung vor. Die Europäische Kommission habe ihm – Selenskyj – gesagt: „Sie wollen russisches Öl, und wenn die Ukraine das russische Öl nicht durchleitet, dann blockieren sie das Geld.“

„Ich glaube, wir hassen einander“, so Selenskyj über Putin

In dem Interview forderte Selenskyj von US-Präsident Donald Trump mehr Druck auf Russland statt auf ihn. „Ich hoffe, dass sie uns helfen werden. Aber wir brauchen mehr Druck auf Russland — nicht auf mich“, sagte der ukrainische Präsident.

„Ich denke, die Ukraine hat schon viele Kompromisse gezeigt“, so Selenskyj weiter. Russland habe viele Menschen getötet: „Sie haben diesen Krieg begonnen. Präsident Trump hat die Frage nach der Verantwortung nicht gestellt.“

Kiew werde „alles tun, um diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden“, so Selenskyj. „Aber nicht alles hängt von uns ab.“ Man müsse erkennen, dass es am Willen der Russen hänge: „Sie sind aggressiv, sie sind groß und zeigen keinerlei Willen, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden.“

Abgesehen vom Krieg selbst, so Selenskyj, seien Sicherheitsgarantien für die Ukraine das größte Problem: „Du kannst Russland nicht vertrauen.“ Vertrauen könne man nur auf tatsächliche Sicherheitsgarantien stützen.

„Wir haben um Truppen gebeten, die einen Waffenstillstand kontrollieren und nach einem Waffenstillstand kommen und bleiben“, so der ukrainische Präsident weiter. „Natürlich werden sie bleiben, aber was werden sie tun, wenn Russland wieder mit Aggression beginnt?“ Die Frage werde also sein, wie das Mandat konkret aussehe.

Über sein Verhältnis zu Wladimir Putin sagte Selenskyj: „Ich glaube, wir hassen einander.“ Putin habe versucht, die Ukrainer zu besiegen und viele Menschen zu töten: „Er ist ein Mörder.“ Inzwischen habe Putin selbst viele Soldaten verloren.

Das Interview von Gordon Repinski mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wird auch in einer Sonderfolge des POLITICO PODCASTS ausgestrahlt und ist auch auf politico.eu zu sehen.

Source: welt.de