Seit Kriegsbeginn: UN melden solange bis zu 3,2 Millionen Vertriebene in Iran

Eine Frau begutachtet die Schäden in ihrer Wohnung.

Stand: 12.03.2026 • 15:09 Uhr

Seit Ausbruch des Krieges sind laut UN bis zu 3,2 Millionen Menschen innerhalb Irans geflüchtet. In Deutschland wächst die Sorge vor grenzüberschreitenden Fluchtbewegungen – vor allem wegen möglicher Sicherheitsrisiken.

Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels und dem Ausbruch des Iran-Krieges sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bislang bis zu 3,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes geflüchtet. In Iran leben gut 90 Millionen Menschen.

Der jüngsten Einschätzung der Organisation zufolge sind zwischen 600.000 und einer Million Haushalte zeitweise vertrieben worden. Die meisten seien aus der Hauptstadt Teheran und anderen Städten nach Norden und in ländliche Gegenden geflüchtet. Wenn der Konflikt andauere, werde die Zahl der Binnenflüchtlinge voraussichtlich noch steigen.

Die UNHCR äußerte zudem Sorge über den zu erwartenden Anstieg des humanitären Bedarfs. Ebenfalls betroffen seien schutzbedürftige Gruppen wie afghanische Flüchtlinge, die schon vorher in prekären Umständen gelebt hätten.

Bundesregierung stockt humanitäre Hilfe auf

Auch in Deutschland sind mögliche Fluchtbewegungen aus der Region ein Thema. Die Bundesregierung stockt ihre humanitäre Hilfe vor dem Hintergrund des Iran-Krieges weiter auf. Außenminister Johann Wadephul (CDU) teilte bei einem Besuch im Golf-Emirat Katar mit, das Auswärtige Amt stelle weitere Mittel in Höhe von 93 Millionen Euro für den Nahen und Mittleren Osten zur Verfügung. Die Summe der vergangenen Monate belaufe sich damit auf bis zu 188 Millionen Euro.

Mit dem Geld sollen das UNHCR, das Welternährungsprogramm (WFP), das Kinderhilfswerk UNICEF, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sowie weitere Nichtregierungsorganisationen unterstützt werden. Zielländer der Nothilfe seien demnach der Libanon, Jordanien, Syrien und die palästinensischen Gebiete.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte, die Bundesregierung verfolge die aktuellen Entwicklungen in der Region genau. „Ob sich daraus Fluchtbewegungen in der Region oder aus der Region hinaus ergeben, ist zur Zeit noch nicht vorhersehbar.“

Gefahr durch Regime-Unterstützer?

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Fiedler, sagte dem Handelsblatt, Europa müsse auf „unterschiedliche Szenarien“ vorbereitet sein. Er hoffe, dass die Prognosen von EU-Migrationskommissar Magnus Brunner „verlässlich und belastbar“ seien, wonach derzeit keine massenhafte Fluchtbewegung zu erwarten sei.

Der CSU-Innenpolitiker Siegfried Walch drang im Gespräch mit der Zeitung auf einen strikten Schutz der deutschen Grenzen und auf lückenlose Kontrollen. „Die Sicherheit in Deutschland muss zu jeder Zeit oberste Priorität haben“, sagte Walch. Er forderte eine Abwicklung von Asylverfahren direkt an den EU-Außengrenzen – um zu verhindern, dass Unterstützer der iranischen Führung unter dem Deckmantel des Asylrechts einreisen.

Auch die Bundespolizeigewerkschaft warnte vor möglichen Sicherheitsrisiken in Deutschland infolge des Krieges. „Möglicherweise befinden sich bereits Unterstützer des Terrorregimes unter den in Europa und Deutschland lebenden Menschen“, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Heiko Teggatz dem Handelsblatt.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, mahnte ein abgestimmtes europäisches Vorgehen ohne „nationalstaatliche Alleingänge“ an.

Jeder vierte Iraner erhält Asyl

Von den Asylbewerbern aus Iran erhielt zuletzt nur etwa jeder vierte die Erlaubnis, in Deutschland zu bleiben. Das ergibt sich laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) aus aktuellen Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Ein Sprecher der Behörde sagte dem RND, im Januar und Februar habe das Bundesamt über 891 Asylverfahren iranischer Staatsangehöriger entschieden. „Die Gesamtschutzquote betrug 27,6 Prozent.“ Im gesamten Jahr 2025 betrug die Gesamtschutzquote demnach 22,8 Prozent. Auch das BAMF betonte, dass sich etwaige Auswirkungen des Krieges auf Fluchtbewegungen noch nicht absehbar seien.

Source: tagesschau.de