Scherbaums Umschlagplatz: Coca-Cola entdeckt die Ballaststoffe

Das leckere, jedoch stark zuckerhaltige Getränk Coca-Cola ist nicht gerade ideal für Fitness- und Sportliebhaber. Trotzdem freut man sich auch bei Coca-Cola auf die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo. Zumal die Coca-Cola Company der älteste Partner der Olympischen Bewegung ist und seit 1928 jede Ausgabe der Olympischen Spiele unterstützt. Die aktuelle IOC-Partnerschaft läuft bis mindestens 2032. Es ist jedoch nicht in erster Linie diese Verbindung mit dem Sport, die das Coca-Cola-Management immer mehr dazu veranlasst, über gesündere Getränkealternativen nachzudenken.
Zucker unter Druck
In den vergangenen Jahren sorgte der verstärkte Fitness- und Gesundheitstrend dafür, dass das Thema Zucker deutlich kritischer gesehen wird. Zumal GLP-1-Abnehmmedikamente einen regelrechten Siegeszug erlebten. Menschen, die mit deren Hilfe enorme Erfolge im Kampf gegen zu viele Pfunde gefeiert haben, werden es sich möglicherweise zweimal überlegen, ob sie diese mit zuckerhaltigen Getränken wieder zunichtemachen wollen.
Daher müssen sich Coca-Cola und andere Branchenvertreter noch stärker als in der Vergangenheit auf die Fahnen schreiben, zuckerarme Diätalternativen anzubieten. Zu den Produktinnovationen gehört aber auch das Feld der Nahrungsmittelzusätze.
Ballaststoffe im Fokus
„Der Fokus liegt derzeit stark auf Erfrischung und Proteinen, und die Menschen achten definitiv mehr auf Proteine. Möglicherweise werden Ballaststoffe in diesem Jahr an Bedeutung gewinnen.“ Als Beispiel nannte er „Diet Coke Fiber+“ von Coca-Cola, das seit 2017 in Japan erhältlich ist. Das Getränk wird als zucker- und kalorienfrei beworben und enthält fünf Gramm Ballaststoffe pro Flasche.
Neben den sich ändernden Kundenpräferenzen hat es Coca-Cola derzeit infolge der US-Zölle, einer hohen Inflation, geopolitischer Unsicherheiten und der schwierigen Konjunktur auch mit einem herausfordernden Verbraucherumfeld zu tun. Allerdings schafft es Coke derzeit besser als die Konkurrenz, mit dieser schwierigen Situation fertigzuwerden, was auch an den Börsen honoriert wird.
Im dritten Quartal 2025 wuchsen die konzernweiten Umsatzerlöse um 6 Prozent auf rund 12,5 Milliarden Dollar. Die vergleichbare operative Marge wuchs im Vorjahresvergleich um 1,2 Prozentpunkte auf 30,7 Prozent. Am 10. Februar werden wiederum die Ergebnisse zum Schlussquartal 2025 veröffentlicht. Hier liegen die FactSet-Konsensschätzungen für den Umsatz und den bereinigten Gewinn je Aktie bei 12,04 Milliarden Dollar bzw. 56 Cents. Die entsprechenden Vorjahreswerte betrugen 11,40 Milliarden Dollar und 55 Cents.
Führungswechsel an der Konzernspitze
Es wird nun an Henrique Braun liegen, diesen Erfolgspfad weiter zu beschreiten und Coca-Cola auch im Bereich neuer Technologien wie KI gut aufzustellen. Braun wird mit Wirkung zum 31. März 2026 Konzernchef und damit Nachfolger von James Quincey, der weiterhin als Executive Chairman des Board of Directors tätig sein wird. Darüber hinaus wird zur Unterstreichung der Bedeutung neuer Technologien die neue Position des Chief Digital Officer geschaffen. Diese übernimmt Sedef Salingan Sahin, die bisher die Einheiten Eurasien und Naher Osten des Unternehmens verantwortet hatte.
Wenn es um die Spitzenposition geht, zeigt sich J.P.-Morgan-Analystin Andrea Teixeira zufrieden. Sie hat die Einstufung für Coca-Cola mit einem Kursziel von 79,00 Dollar auf „Overweight“ belassen. Der Wechsel an der Führungsspitze werde reibungslos verlaufen. Der neue Chef Henrique Braun habe im Management bereits an der „Allwetter-Strategie“ des US-Konzerns mitgewirkt. Damit winke weiterhin überdurchschnittliches Wachstum.
Wer als Aktionär schon länger bei dem amerikanischen Konzern aktiv ist, kann entspannt sein und sich auf Sicht von zehn Jahren über eine solide Wertentwicklung freuen: Aus 10.000 Euro wurden in einer Dekade rund 16.000 Euro – ein Plus von 60 Prozent. Auch charttechnisch zeigt sich der Klassiker in guter Verfassung: kurz-, mittel- und langfristig bleibt der Trend nach oben gerichtet.
Coca-Cola steht wieder einmal vor der Herausforderung auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren zu müssen. Wer etwa an die Light- und Zero-Produkte denkt, merkt schnell, wie gut das dem Coke-Konzern in der Vergangenheit bereits regelmäßig gelungen ist. Von daher dürfte dem neuen Konzernchef Braun eine anspruchsvolle, aber durchaus auch leistbare Aufgabe gestellt werden. Die globale Bekanntheit von Coca-Cola ist dabei eines der größten Pfunde, mit denen der Konzern wuchern kann. Nicht ohne Grund ist Coca-Cola bei den internationalen Studien zu Markenbekanntheit und Markenwert immer vorne mit dabei. Alles in allem sind das gute Aussichten für Anleger und Aktionäre.
Source: faz.net