Satellitenprojekt: Bezos verstärkt Rivalität mit Musk

Jeff Bezos hat in seinem langjährigen Wettbewerb mit Elon Musk im Raumfahrtgeschäft eine weitere Offensive gestartet: Sein Unternehmen Blue Origin hat angekündigt, ein Netzwerk von Satelliten im Weltall aufzubauen, das die Erde mit Internetzugängen versorgen soll. Das Projekt ist vergleichbar mit Starlink, der Satellitensparte von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, mit dem Blue Origin auch auf anderen Gebieten konkurriert.

Im Imperium von Bezos ist dies das zweite große Satellitenprojekt. Auch der von ihm gegründete Onlinehändler Amazon, dessen Verwaltungsrat er bis heute führt, arbeitet an einem Netzwerk von Satelliten, die Internetzugänge bereitstellen. Amazons Projekt wurde vor wenigen Monaten in Leo umbenannt, vorher hieß es Kuiper.

Das geplante Satellitennetz von Blue Origin soll Terawave heißen. Einer Mitteilung zufolge soll es aus insgesamt mehr als 5400 Satelliten bestehen, die ersten von ihnen sollen im Schlussquartal 2027 ins All gebracht werden. Terawave unterscheidet sich in einem maßgeblichen Punkt von anderen Projekten: Starlink und Leo zielen auf ein breites Spektrum von Kunden ab, dazu gehören neben Unternehmen und Regierungen auch Privathaushalte.

Terawave ist dagegen Blue Origin zufolge ausschließlich für Unternehmen und Regierungen konzipiert, und das Unternehmen will maximal 100.000 Kunden bedienen. Die von Blue Origin in Aussicht gestellte Datenübertragungsrate von sechs Terabit je Sekunde liegt weit über dem, was in Privathaushalten üblich ist.

Mehr als 9000 Starlink-Satelliten

Musk hat mit SpaceX bislang einen großen Vorsprung. Das Unternehmen hat mehr als 9000 Satelliten im Weltall und weitet seinen Kundenkreis rasant aus. Vor wenigen Wochen teilte es mit, neun Millionen Starlink-Abonnenten zu haben, im vergangenen Juni waren es noch sechs Millionen. SpaceX arbeitet auch verstärkt daran, mit Starlink direkte Internetverbindungen für Handys anzubieten, was Musk zufolge den potentiellen Markt für sein Unternehmen erheblich ausweitet. Starlink gilt heute als das Kronjuwel von SpaceX, und das Unternehmen bereitet seinen Börsengang in diesem Jahr vor. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat berichtet, dass es dabei eine Bewertung von 1,5 Billionen Dollar anstrebt.

Amazon hat erst im vergangenen Jahr damit angefangen, Satelliten für sein Leo-Netzwerk ins All zu bringen. Derzeit sind es 180 Satelliten, im Februar sollen weitere 32 hinzukommen. Amazon stellt bislang noch keine Internetzugänge zur Verfügung und will damit erst beginnen, wenn das Netzwerk größer ist. Insgesamt will das Unternehmen mehr als 3200 Leo-Satelliten im All haben.

Bezos hat Blue Origin schon im Jahr 2000 gegründet. SpaceX entstand erst 2002, hat sich aber deutlich schneller einen Namen gemacht und absolviert seit Jahren Missionen für die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA. 2020 gelang es dem Unternehmen, zum ersten Mal seit dem Ende des Spaceshuttle-Programms wieder Astronauten von amerikanischem Boden ins All zu befördern. Seither gab es eine ganze Reihe solcher bemannter Missionen.

Größer als Amazon?

Blue Origin war in den vergangenen Jahren vor allem für kürzere Flüge mit Weltraumtouristen bis zur Kármán-Linie bekannt, die hundert Kilometer über dem Meeresspiegel liegt und oft als Grenze zwischen der Erdatmosphäre und dem Weltraum beschrieben wird. Im vergangenen November hat das Unternehmen aber auch erstmals eine erfolgreiche Mission für die NASA absolviert. Bezos hat vor etwas mehr als einem Jahr auf einer Konferenz gesagt, Blue Origin könnte einmal ein größeres Unternehmen als Amazon werden.

Sowohl SpaceX als auch Blue Origin sind auch in das „Artemis“-Programm eingebunden, mit dem die NASA zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren wieder Astronauten zum Mond bringen will. Beide Unternehmen haben von der NASA Aufträge im Wert von jeweils mehreren Milliarden Dollar für die Entwicklung einer Landefähre bekommen. Für den 6. Februar ist die erste Artemis-Mission mit Astronauten angesetzt, wobei dies nur eine Mondumrundung ohne Landung sein soll.

Bei der darauffolgenden Mission ist auch eine Landung geplant, und dabei soll eine Landefähre von SpaceX verwendet werden. Blue Origin soll bei späteren Missionen zum Einsatz kommen. Die Mondlandung wird nicht vor 2028 erwartet, wobei die NASA sich hier unter Zeitdruck sieht. Donald Trump würde gerne noch vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit als US-Präsident eine Mondlandung sehen.