Satellitenanbieter: OHB strebt volle Rückkehr an die Handelszentrum an

Zwei Jahre nach dem Minderheitseinstieg durch KKR bereitet der Raumfahrtkonzern OHB eine volle Rückkehr an die Börse vor. Die Familie Fuchs als Mehrheitseignerin und der US-Investor arbeiten an Plänen zum Verkauf sowohl neuer Aktien über eine Kapitalerhöhung als auch bestehender Aktien. Nach Informationen der F.A.Z. fungieren als übergeordnete Berater die Investmentbank Rothschild unter Leitung der hiesigen Kapitalmarktchefin Eva Wiecko und KKR mit seiner Spezialeinheit KKR Capital Markets.
Da OHB noch einen kleinen Streubesitz von etwa sechs Prozent vorweist, wäre das Vorhaben zwar formal kein echter Börsengang, aber die Rückkehr zu einem gelisteten Unternehmen mit nennenswerter Liquidität. Es trage daher Züge eines „Re-IPO“, also eines neuerlichen IPO (Initial Public Offering), heißt es in der Frankfurter Kapitalmarktszene. Drei Banken sollen als globale Koordinatoren das Vorhaben begleiten, wie in Finanzkreisen bestätigt wird: Deutsche Bank, JP Morgan, Goldman Sachs.
OHB will so weiteres Wachstum finanzieren, das durch öffentliche Aufträge anstehen dürfte. Das Unternehmen ist vor allem als Satellitenhersteller bekannt, zum Beispiel für das europäische Navigationssystem Galileo. Es bietet auch andere Produkte und Dienstleistungen in der Luft- und Raumfahrt an, etwa Komponenten für Trägerraketenprogramme. Zusammen mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall plant OHB ein Gemeinschaftsunternehmen, mit dem sich beide Parteien um einen milliardenschweren Auftrag der Bundeswehr für den Aufbau eines militärischen Satellitennetzwerks bewerben wollen. OHB soll dabei etwa Satelliten produzieren und Bodenstationen errichten, Rheinmetall die Netze und die Endnutzergeräte bereitstellen. Das Bundeskartellamt gab diese Woche die Zustimmung für das Gemeinschaftsunternehmen.
Von 44 auf 300 Euro je Aktie
OHB erzielte im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro Umsatz mit 3800 Mitarbeitern. Sitz ist Bremen, ein großer Standort wird in Oberpfaffenhofen bei München betrieben. Knapp zwei Drittel der Anteile liegen in der Hand der Familie Fuchs, knapp 29 Prozent bei KKR. Das amerikanische Private-Equity-Haus hatte 2023 ein öffentliches Angebot an Minderheitsaktionäre abgegeben und das Paket im Jahr darauf für 44 Euro je Aktie erworben. Ursprünglich sollte OHB im Anschluss von der Börse genommen werden, was aber nicht passierte.
Der nun anstehende Plan – über dessen Kern zuerst der Finanzinformationsdienst Bloomberg berichtete – besteht aus zwei bis drei Strängen. Zum einen entstehen neue Aktien über die Kapitalerhöhung, wie drei Kenner der Materie sagen. Zum anderen plant KKR, einen Teil seines Pakets an den Markt zu geben, es sei denn, das Umfeld für rüstungsrelevante Aktien verschlechterte sich in der Zwischenzeit erheblich. Bei inzwischen 300 Euro je Anteilsschein wäre das ein lukratives Geschäft gegenüber dem Einstiegsniveau. Die Amerikaner wollen dem Vernehmen nach mit einem bedeutenden Anteil an OHB beteiligt bleiben – wohl als Signal an Neuinvestoren, dass man an weiteres Wachstum glaube und daran partizipieren wolle. Denn ebenjenes Wachstum soll die „Börsenstory“ für den Schritt darstellen.
Drittens könnte die Familie Fuchs einen Teil aus ihrem Paket verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit dafür wird von den Insidern unterschiedlich hoch eingeschätzt. Alle sind sich aber einig: Sollte sich die Familie dafür entscheiden, dann käme aus ihrer Hand voraussichtlich die kleinste der drei Anteilsportionen. Insgesamt könnte am Ende ein Fünftel bis ein Viertel der Papiere im Streubesitz liegen – was ein typischer Anteil nach einem klassischen IPO ist.
Prozess läuft in Kürze an
Gespräche mit Investoren haben noch nicht stattgefunden, sollen aber bald beginnen, wie zwei mit der Lage vertraute Personen sagten. Am Prospekt werde schon gearbeitet. Deutsche Bank, Goldman Sachs und JP Morgan betreuen dem Vernehmen nach als Trio das gesamte Vorhaben und nicht einzelne Parteien. Die drei Großbanken, der Berater Rothschild und KKR lehnten eine Stellungnahme ab. OHB-Vorstandsvorsitzender Marco Fuchs aus der Gründerfamilie sagte zu Bloomberg nur: „Wir loten Finanzierungsoptionen aus, um der wachsenden Nachfrage zu begegnen und mit Industrietrends Schritt zu halten.“ Er verwies auf das nötige Kapital zur Satellitenproduktion im großen Maßstab in Europa.
Mit fünf bis sechs Milliarden Euro Marktkapitalisierung wäre OHB bei ausreichend hohem Streubesitz auf längere Sicht Kandidat für den M-Dax. Der Wert würde nach Vollzug der Pläne wieder relevant für institutionelle Investoren, die beim jetzigen kleinen Streubesitz kaum eine Rolle spielen. Jetzt ist der tägliche Handel gering. Am Donnerstag beispielsweise liefen Anteilsscheine im Gesamtvolumen von 6,4 Millionen Euro um, wie der OHB-Website zu entnehmen ist.