Salzgitter: Der Irankrieg macht Stahl teurer

Salzgitter braucht für die Stahlherstellung riesige Mengen Gas und ist daher unmittelbar von den steigenden Gaspreisen durch den Irankrieg betroffen. Im Aktienkurs des zweitgrößten deutschen Stahlherstellers lässt sich das unmittelbar ablesen. Seit Ende Februar verlor die Aktie rund 40 Prozent an Wert, und auch die von positiven Erwartungen geprägte Veröffentlichung zu den Jahreszahlen für 2025 ließ den Kurs am Montag weiter absacken, obwohl sogar eine Dividende geplant ist.

Kaum aber signalisierten ein paar Worte von US-Präsident Donald Trump, dass die Eskalation erst einmal gestoppt ist, schnellte der Salzgitter-Kurs in die Höhe, von 32 auf zeitweise fast 38 Euro.

Für gut die Hälfte des Gasbedarfs sind die Preise gesichert

Die gestiegenen Gaspreise werden die Kunden von Salzgitter so oder so zu spüren bekommen, je länger der Krieg dauert, desto mehr, erklärte Gunnar Groebler, Vorstandschef der Salzgitter AG gegenüber Journalisten. Für gut die Hälfte des Gasbedarfs in diesem Jahr habe man sich Gaspreise auf einem Niveau von vor der Golfkrise gesichert. Sobald es aber notwendig wäre, am Spotmarkt teuer zuzukaufen, würde sich der höhere Preis bemerkbar machen. Wegen der höheren Belastungen habe Salzgitter schon Gespräche mit Kunden aufgenommen. Zudem wirke der Krieg indirekt negativ, weil Unsicherheiten generell schlecht für die Investitionsbereitschaft seien.

„Angesichts anhaltender Konjunkturschwäche, hoher Energiepreise und zunehmender handelspolitischer Unsicherheiten konzentrieren wir uns auf unsere eigene Handlungsfähigkeit“, sagte Groebler und zählte Kostensenkungen, Restrukturierungen und aktive Portfoliomaßnahmen auf. Damit ist der Verkauf von Unternehmensteilen gemeint, die nicht dem Kerngeschäft dienen. Eine Schuhmaschinenfirma war das beispielsweise im vergangenen Jahr. Gleichzeitig gibt es auch Zukäufe wie etwa das Unternehmen Thyrolf & Uhle zur Stärkung des Bereichs Sicherheitsstahl.

HKM-Übernahme soll bis Frühsommer erledigt sein

Dem neu entstehenden, lukrativen Geschäft mit Sicherheitsstahl dient auch die Übernahme der Duisburger Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM), an denen bisher noch Thyssenkrupp sowie Vallourec beteiligt sind. Bis Frühsommer soll alles unter Dach und Fach sein. Die Förderung für den Bau des Elektrolichtbogenofens sei schon bestätigt, sagte Groebler. HKM ist nach seinen Worten europaweit ein wichtiger Lieferant für Brammen, die als Vormaterial in der Metallindustrie dienen. Das sei wichtig, wenn Russland („endlich“) als Brammenlieferant durch weitere Sanktionen aus dem Markt gedrängt werde, sagte Groebler, der auch Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl ist.

„Back to black“ hat Groebler als Devise für dieses Jahr ausgegeben: zurück zu einem positiven Ergebnis. Nachdem im Jahr 2025 deutlich mehr nachhaltige Kostensenkungen realisiert wurden als die zunächst geplanten 100 Millionen Euro, will Finanzvorständin Birgit Potrafki das Momentum nutzen und weitere Potentiale heben.

Ungeachtet des eigenen Wirtschaftens profitierte Salzgitter vom guten Erfolg der Aurubis AG, deren anteiliges Ergebnis von 180 Millionen Euro letztlich eine positive Ergebnisentwicklung ermöglicht: Im vergangenen Jahr schrumpfte der Verlust vor Steuern von 296 Millionen Euro auf 28 Millionen Euro, obwohl der Umsatz von gut zehn Milliarden Euro auf knapp neun Milliarden Euro zurückging. In diesem Jahr soll der Umsatz wieder auf rund 9,5 Milliarden Euro steigen und ein Vorsteuerergebnis zwischen 75 und 175 Millionen Euro erwirtschaftet werden.