Sänger und Dschungelkönig : Gil Ofarims wilde Jahre: Chronik einer Zeit voller Höhe- und Tiefpunkte
Die letzten Jahre waren turbulent für Gil Ofarim. Seit dem Antisemitismus-Eklat durchlebte er private wie berufliche Höhe- wie Tiefpunkte. Chronik einer extremen Zeit.
4. Oktober 2021
Auf Instagram veröffentlicht der Sänger Gil Ofarim ein Video, in dem er behauptet, ein Mitarbeiter des Westin-Hotels in Leipzig, den er „Herrn W.“ nennt, habe ihn wegen einer Davidstern-Kette antisemitisch beleidigt. Der habe ihn aufgefordert: „Pack deinen Stern ein.“ In dem Video fragt Ofarim: „Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt?“ Und abschließend: „Deutschland 2021.“
5. Oktober 2021
Als Reaktion auf das Video kommt es zu Solidaritätsbekundungen in Leipzig. 400 Menschen demonstrieren vor dem Hotel. Die „betreffenden Mitarbeiter“ werden vom Hotelmanagement beurlaubt. Entrüstet von den Antisemitismus-Vorwürfen schrieb Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei Twitter: „Wir haben noch viel zu tun in Sachsen!“
7. Oktober 2021
Der beschuldigte Mitarbeiter stellt eine Anzeige wegen Verleumdung und eine zweite wegen Bedrohung durch Menschen, die sich völlig entfesselt bei Social Media äußerten. Die Staatsanwaltschaft Leipzig und die Kriminalpolizei nehmen Ermittlungen auf.
12. Oktober 2021
Gil Ofarim stellt eine Strafanzeige gegen den Hotelmitarbeiter. Er gibt außerdem an, als Zeuge aussagen zu wollen.
Herbst 2021
Medien nehmen die Überwachungsvideos des Hotels und Zeugenaussagen in den Blick. Dabei tauchen erste Fragen auf: Wie vertrauenswürdig sind die Schilderungen Ofarims? Auf den Videos ist keine Davidstern-Kette zu erkennen.
März 2022
Die Staatsanwaltschaft Leipzig erhebt Anklage gegen Ofarim wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung.
Gil Ofarim musste sich vor dem Landgericht in Leipzig wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung verantworten. Der Sänger gestand die Schuld, das Verfahren wurde gegen eine Geldauflage von 20.000 Euro eingestellt. © Hendrik Schmidt
28. November 2023
Vor dem Landgericht Leipzig gesteht Gil Ofarim, dass die Anschuldigungen, die er gegen den Hotelmitarbeiter erhoben hat, nicht wahr seien – er habe ihn nicht antisemitisch beleidigt. Er entschuldigt sich bei dem Mitarbeiter. „Die Vorwürfe treffen zu“, sagt er. „Es tut mir leid.“ Das Verfahren wird gegen eine Geldauflage von 20.000 Euro eingestellt.
August 2025
Ofarim, seit 2021 von seiner früheren Ehefrau Verena Ofarim geschieden, heiratet seine Freundin Patricia. Die Hochzeit findet im kleinen Rahmen statt. Nach dem Skandal findet er in öffentlichen Diskussionen kaum noch als Musiker statt, sein Image scheint nachhaltig beschädigt.
23. Januar 2026
Gil Ofarim zieht als Kandidat in das Dschungelcamp ein. Auch hier ist der Davidstern-Skandal Thema. Aber Ofarim behauptet, er könne nicht öffentlich darüber sprechen, wegen einer „Verschwiegenheitserklärung“. Andere Teilnehmer reagieren mit wenig Verständnis. „Gil – das G steht für gelogen“, sagt Ariel.
Im Dschungelcamp schwieg sich Ofarim zu den erfundenen Antisemitismus-Vorwürfen aus – und verwies auf eine angebliche „Verschwiegenheitserklärung“ © RTL
5. Februar
Dann bricht er im Dschungelcamp doch sein Schweigen: Ofarim entschuldigt sich zur großen Verwunderung vieler Kommentatoren bei der Stadt Leipzig für seinen Skandal.
7. Februar
In gemütlicher Lagerfeuerstimmung kommt Ofarim ins Reden: „Das Video, das im Umlauf ist, ist nicht das Original“, behauptet er. Ausschnitte würden fehlen. Er behauptet auch: „Ich bin freigesprochen“ – eine Falschaussage.
9. Februar
Gil Ofarim wird zum Dschungelkönig 2026 gekürt. Was sich schon angedeutet hatte, der Sänger stand durchgehend auf Platz eins der Votingliste. Am ersten Tag der Votings stimmten 45,34 Prozent der Zuschauer für Ofarim, dann 39,421 Prozent, am dritten Tag waren es 55,66 Prozent, tags drauf 59,75 Prozent, am sechsten Tag 56,62 Prozent, daraufhin 55,21 Prozent. Dann 66,98 Prozent, 58,85 Prozent, 58,98 Prozent und im Finale 66,93 Prozent.
Sein Schweigen hat die Zuschauer offenbar nicht gestört: Gil Ofarim wurde von einer großen Mehrheit der Anrufer zum Dschungelkönig 2026 gekürt © RTL
10. Februar
Der zu Unrecht beschuldigte Hotelmitarbeiter gibt sein bislang einziges Interview. Gegenüber der Zeit sagt er: „Es wirkt für mich sehr befremdlich.“ Ofarims Verhalten ärgere ihn massiv. „Er inszeniert sich wie ein Opfer, obwohl ich das bin.“ Für erneute Ermittlungen sieht die Staatsanwaltschaft Leipzig keinen Anlass.
Source: stern.de