Russland und welcher Irankrieg: Putin will von den hohen Energiepreisen profitieren
Erstmals seit Ende Dezember hat der amerikanische Präsident Donald Trump am Montagabend wieder mit dem russischen Herrscher Wladimir Putin telefoniert. Zwar hob dessen außenpolitischer Berater, Jurij Uschakow, danach hervor, dass Trump Putin angerufen habe. Doch benutzte Letzterer die Gelegenheit, sich im Irankrieg wieder ins Gespräch zu bringen. Das gelang wohl nicht recht, folgt man Trump. Putin habe den Wunsch geäußert, im Nahen Osten „hilfreich“ sein zu wollen, sagte der US-Präsident bei einem Auftritt in seinem Golfklub in Florida. Er habe Putin geantwortet, dieser könne „hilfreicher sein, indem er den Ukrainekrieg zu Ende bringt“.
Uschakow zufolge schilderte Trump seine „Interessiertheit“ an einer „Waffenruhe“ in der Ukraine, um eine „langfristige Beilegung zu erreichen“. Das wäre für Trump eine neuerliche Volte: Im vergangenen Jahr hatte der US-Präsident zunächst eine Waffenruhe im Ukrainekrieg erreichen wollen, aber nach dem Treffen mit Putin in Alaska im August dessen Forderung nach einem „langfristigen Frieden“ übernommen.
Putin musste zuletzt viele Rückschläge hinnehmen
Die Verhandlungen darüber sind nun wegen des Irankriegs ausgesetzt, kommen aber ohnehin nicht voran. Die Ukrainer weigern sich, den Besatzern Gebiete kampflos zu überlassen, die diese trotz horrender Opfer bisher nicht erobern konnten. Nach Uschakows Darstellung behauptete Putin gegenüber Trump zum wiederholten Male, dass die russischen Streitkräfte „sehr erfolgreich“ vorrückten. Dabei hatten die Verteidiger jüngst mehr Gebiete zurückerobern können, als die Russen besetzen konnten, unter anderem, weil diese den satellitengestützten US-Internetanbieter Starlink nicht mehr nutzen können.
Seit dem vorangegangenen Telefonat mit Trump hatte Putin viel hinnehmen müssen. Anfang Januar nahmen die USA den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro im Handstreich gefangen und setzen nun auf Maduros Stellvertreterin Delcy Rodríguez, um Russlands „strategischen Partner“ zum Teil einer von Washington dominierten „westlichen Hemisphäre“ zu machen.

Moskau betont die Vorteile durch die gestiegenen Preise
Auch im Telefonat vom Montagabend war Putin weiter bemüht, Trump für sich einzunehmen. Uschakow zufolge gab er den Bemühungen von Trump und dessen Leuten, den „Konflikt in der Ukraine“ zu beenden, eine „positive Beurteilung“. Der Berater sprach von einem „sachlichen, offenen und konstruktiven“ Austausch und bezeichnete den Irankrieg nicht, wie der Kreml sonst, als „Aggression“ der USA und Israels, sondern wertfrei als „Konflikt“. Zu diesem habe Putin „eine Reihe von Erwägungen geäußert, die auf eine baldige politisch-diplomatische Lösung abzielen“. Welche, ließ Uschakow offen.
Auch Trump sagte nichts zu möglichen Vorschlägen Putins. Schon im Zwölftagekrieg im Juni 2025 hatte Putin Trump angeboten, gegenüber Iran zu vermitteln. Der US-Präsident hatte damals berichtet, Putin habe ihn angerufen und gefragt, ob er „mit Iran helfen“ könne. „Ich sagte: ‚Nein, ich brauche keine Hilfe mit Iran. Ich brauche Hilfe mit dir.‘“
Trump und Putin sprachen Uschakow zufolge jetzt „auch das Thema Venezuela an, vor allem im Zusammenhang mit der Lage auf dem Weltölmarkt“. Auch jetzt ließ Uschakow keine Kritik am Vorgehen gegen Maduro erkennen. Putin wirkt vielmehr bemüht darum, die Vorteile hervorzuheben, die Russland als Rohstoffexporteur daraus zieht, dass die Weltmarktpreise für Öl und Gas im Irankrieg deutlich gestiegen sind. Vor dem Telefonat mit Trump ließ Putin eine Sondersitzung zur Lage auf den Öl- und Gasmärkten abhalten, auf der er behauptete, Russlands Energieunternehmen hätten sich stets durch „stabile“ Öl- und Gaslieferungen hervorgetan. In Wirklichkeit benutzt Moskau diese als Druckmittel, um unbotmäßige Partner zu maßregeln.
Suche nach neuen Gaskäufern
Aber auch wenn Washington solche Schritte ergriffe, dürfte Russland kaum in der Lage sein, seine Ölförderung rasch in weltmarktrelevantem Umfang auszuweiten: Fachleute sehen einen hohen Investitionsbedarf, doch dafür benötigen die Unternehmen, die im vergangenen Jahr unter niedrigen Preisen und einem starken Rubel gelitten haben, Planungssicherheit, die es derzeit nicht gibt.
Putin erneuerte gegenüber seinen Funktionären auch seine Forderung, schon jetzt neue Käufer für russisches Pipelinegas und Flüssiggas zu finden, ehe die EU, wie im 19. Sanktionspaket vorgesehen, in mehreren Schritten die Einfuhr beschränkt und 2027 ganz verbietet. Doch dabei stören langfristige Lieferverträge und ein (ebenfalls sanktionsbedingter) Mangel an Tankern mit Eisbrecherqualität. Auch die Pipeline Sila Sibiri 1 nach China ist schon heute ausgelastet. Putin sieht die Krise zugleich als Chance, europäische Gaskunden zurückzugewinnen, ohne den Angriffskrieg zu beenden: Sollten die Europäer auf „politische Konjunkturen“ verzichten, sagte er, sei man bereit, auch mit diesen „zu arbeiten“, warte aber auf „Signale von ihnen“.
Source: faz.net