Russischer Oligarch: Wo sind Roman Abramowitschs Milliarden geblieben?
In Großbritannien schwelt seitdem der Streit um die Milliarden von Abramowitsch, die beim Verkauf seines Fußballklubs FC Chelsea erlöst wurden. Abramowitsch hatte jahrelang ein Luxusleben in der Hauptstadt London zelebriert – inklusive seiner Villa in Kensington. Angeblich besaßen er und seine Familie insgesamt 70 Häuser, Gebäude und Grundstücke auf der britischen Insel in einem Gesamtwert von mehr als 250 Millionen Pfund. Mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine änderte sich für ihn alles.
Milliarden auf einem Sperrkonto
Nachdem er unter westliche Sanktionen gestellt wurde, übte die britische Regierung Druck aus, dass er Chelsea im Sommer 2022 verkaufen musste. Abramowitsch sagte damals zu, der Erlös von 2,5 Milliarden Pfund (etwa 2,9 Milliarden Euro) solle an „Opfer des Kriegs in der Ukraine“ fließen. Doch dort ist bislang noch immer kein Geld angekommen.
Die Milliarden liegen auf einem Sperrkonto einer britischen Bank. Die Londoner Regierung und Abramowitsch streiten darüber, für welchen Zweck genau das Geld gespendet werden soll. Abramowitsch will die Milliarden nämlich „allen“ Opfern in der Ukraine zukommen lassen – und versteht darunter auch Ukrainer oder Russen in den russisch besetzten Teilen des Landes. London will, dass das Geld in humanitäre Hilfe in jenen Teilen der Ukraine fließt, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen.
Kurz vor Weihnachten drohte Premierminister Keir Starmer in einer Parlamentsfragestunde. „Meine Botschaft an Abramowitsch ist klar: Die Uhr tickt.“ Abramowitsch solle jetzt „voll zahlen“. Allerdings tickt die Uhr schon lange, seit dreieinhalb Jahren. Der Oligarch ist weiter formell juristischer Eigentümer der Chelsea-Milliarden – und er legt sich juristisch quer gegen die Pläne der Londoner Regierung. Starmer drängte ihn: „Halten Sie Ihre Verpflichtung ein, und zahlen Sie jetzt. Wenn Sie dies nicht tun, sind wir bereit, vor Gericht zu gehen und dafür zu sorgen, dass jeder Cent diejenigen erreicht, deren Leben durch Putins illegalen Krieg zerstört wurde.“
Lange Zeit in London gern gesehen
Außenministerin Yvette Cooper sagte wenig später in einer BBC-Sendung: „Ich fordere ihn dringend auf, keine weiteren gerichtlichen Schritte einzuleiten.“ Die Regierung hatte indes schon Mitte 2025 und früher Abramowitsch Klagen angedroht – und bewegt hat sich nichts.
Abramowitsch, der mit Geschäften in der Öl- und Gasbranche seit den Neunzigerjahren zu einem der reichsten Männer Russlands aufstieg, ging bislang nicht auf Londons Drohungen ein. Laut Informationen aus Regierungskreisen soll er nun bis etwa Ende März Zeit haben, das Geld zu transferieren. Andernfalls will die Starmer-Regierung klagen.
Ob vom Chelsea-Verkauf tatsächlich noch 2,5 Milliarden Pfund verfügbar sind, ist unklar. Die Gesellschaft Fordstam, über die Abramowitsch den Fußballklub hielt, ist Teil eines komplizierten Unternehmensgeflechts und hat separate Schulden bei anderen Abramowitsch-Gesellschaften.

Nachdem er im Jahr 2003 den FC Chelsea gekauft hatte, war Abramowitsch nahezu zwei Jahrzehnte Teil der Londoner High Society. Das Eigentum am beliebten Fußballklub aus der Premier League sicherte ihm freundliche Aufmerksamkeit und Berichterstattung in westlichen Medien – und es öffnete ihm auch politische Türen. Ihm gehörte eine prächtige Villa, die er für 120 Millionen Pfund gekauft hatte, nahe dem Kensington Palace, dem Londoner Wohnsitz der jüngeren Mitglieder der Königsfamilie.
Das Vermögen ist auf neun Milliarden Dollar geschrumpft
Gleichzeitig war er all die Jahre auch in der russischen Politik aktiv, und es war klar, dass er Kreml- und Putin-nah ist. Schon im Jahr 1999 wurde er in die Duma gewählt. In den Jahren 2000 bis 2008 amtierte er als Gouverneur von Tschukotka, einer Region im äußersten Nordosten der Russischen Föderation.
Sein persönliches Vermögen wuchs in diesen Jahren immer weiter, auch getrieben vom hohen Ölpreis. Im Jahr 2005 verkaufte er seinen 73-prozentigen Anteil am Ölunternehmen Sibneft an den Staatskonzern Gazprom – zum stolzen Preis von 13 Milliarden Dollar. Er hält bis heute große Anteile am Stahlkonzern Evraz und am Nickelförderer Norilsk Nickel.
Auf dem Höhepunkt wurde sein Familienvermögen auf bis zu 14,5 Milliarden Dollar geschätzt – so das „Forbes“-Magazin. In der Frühphase der russischen Vollinvasion in der Ukraine betätigte sich Abramowitsch als Vermittler zwischen Moskau und Kiew, dabei half er, einen Gefangenenaustausch zu vereinbaren, bei dem Hunderte Kriegsgefangene freikamen.
Die Sanktionsverhängung gegen ihn hat ihn finanziell schwer getroffen. Sein Privatvermögen schrumpfte deutlich. „Forbes“ taxiert ihn aktuell noch auf 9,2 Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro). Er steht damit noch auf dem 311. Platz der globalen Milliardärsliste von 2025.