Rückkehr nachdem Syrien: „Jeder, einfach jeder muss zurückkommen“
Die Bundesregierung hält am Ziel einer Rückkehr vieler syrischer Kriegsflüchtlinge in ihr Heimatland fest. Aus Deutschland sind bislang eher wenige zurückgekehrt, wohl aber aus anderen Ländern. Was berichten sie?
Eine Seifenmanufaktur in der Altstadt von Aleppo. Während im Hof noch renoviert und gehämmert wird, stapeln sich in den historischen Gewölben bereits die Blöcke jener milden Kernseife, die nach der Stadt im Nordwesten Syriens benannt ist. Seit bald 400 Jahren kocht die Familie Jebeili hier Seife.
Heute wird die Manufaktur von Aisha Zain Jbeili geführt. Sie war während des Bürgerkriegs in die Türkei geflohen – und gehörte damit zu den 3,7 Millionen Syrerinnen und Syrern, die das Nachbarland aufnahm.
Nach dem Machtwechsel kam Aisha nach Syrien zurück. Für sie war das eine Selbstverständlichkeit. „Jeder – jeder Unternehmer, jeder Ingenieur – einfach jeder muss zurückkommen“, sagt sie. Es sei die Pflicht eines jeden gegenüber diesem Land.
Syrien braucht Fachkräfte
Die Bedingungen für Unternehmer in Syrien sind allerdings weiterhin schwierig, sagt Aisha. Nicht nur wegen ausufernder Bürokratie und grassierender Korruption.
„Erstens: die Stromversorgung, die ständigen Ausfälle – sie verteuern unser Produkt. Zweitens haben die Bombardierungen die Infrastruktur massiv beschädigt.“ Und drittens, erklärt die Firmenchefin, gebe es kaum noch Facharbeiter.
Gut ausgebildete Arbeitskräfte syrischer Herkunft gibt es beispielsweise in Deutschland. Doch von den mehr als 900.000 Syrern dort nahmen bis Ende des vergangenen Jahres nur 3.700 das Rückkehrprogramm der Bundesregierung in Anspruch.
Aisha Zain Jbaily (rechts) mit Mitarbeitern in ihrer Seifenmanufaktur in Aleppo.
„Große Möglichkeiten für einen Neuanfang“
Aus den direkten Nachbarländern Syriens dagegen kamen nach dem Machtwechsel wesentlich mehr Menschen zurück: insgesamt 850.000 zählten die UN bis August 2025, rund 400.000 allein aus der Türkei.
Und das trotz der Probleme, die auf sie warten. Die Zerstörungen infolge des Bürgerkriegs seien gigantisch, sagte Regierungschef Ahmed al Sharaa neulich beim Besuch in Berlin. Zugleich böten sie aber große Möglichkeiten für einen Neuanfang.
„Der stark schwankende Devisenkurs und die geringe Kaufkraft der Syrer sind Herausforderungen für Investoren“, betont der Wirtschaftswissenschaftler Ali Ahmed in Damaskus. Andererseits dürften die Aufhebung der Sanktionen, die Wiederaufnahme der Produktion und die anlaufende Rehabilitation der Infrastruktur die Bedingungen für Investitionen im Land verbessern.
„Je mehr zurückkehren, desto besser wird das Land“
Die Weltbank schätzt die Kosten des Wiederaufbaus in Syrien auf 185 Milliarden Euro. Vor allem die USA, die Türkei und die Golfstaaten wollen sich engagieren. Doch der neue Nahostkrieg schadet deren Volkswirtschaften. Deshalb sorgt man sich in Damaskus, dass die Investitionen und Finanzhilfen spärlicher ausfallen als zugesagt.
Zahira Tasabehj beirrt das nicht. Die junge Frau ist aus Kanada nach Damaskus zurückgekehrt und hat dort ein Boulder-Studio eröffnet. Das Klettern ohne Gurt und Seil an künstlichen Kletterwänden kommt offenbar gut an.
Tasabeji ist jedenfalls davon überzeugt, dass ihre Rückkehr nach Syrien richtig war: „Je mehr Menschen zurückkehren und Projekte starten, desto besser wird das Land.“ Es gebe zwar immer noch Unsicherheit und Skepsis, gibt sie zu. „Aber ich glaube, je stabiler Syrien wird, desto mehr Menschen können zurückkommen.“
Source: tagesschau.de
