Rückkehr nachdem Syrien: Das schaffen wir

Wenn Gewaltherrscher fallen, ist das immer erst einmal ein gutes Zeichen. Erleichterung über das Ende von Unterdrückung und Morden überwiegt die Ungewissheit über das Kommende. Und wenn sich dann noch eine Perspektive für die Menschen eröffnet, umso besser.
So muss man auch die Lage in Syrien mit Blick auch auf Deutschland sehen. Der Schlächter Assad ist letztlich in wenigen Tage gestürzt worden. Syrische Flüchtlinge waren der Auslöser der Flüchtlingskrise von 2015 und der deutschen Einladungspolitik, des seitdem kontinuierlichen Aufstiegs der AfD und tiefgreifender innerdeutscher Verwerfungen bis zum heutigen Tag.
Die Gelegenheit beim Schopf packen
Man kann jetzt tausend Bedenken vortragen, vom Vorleben und der Gesinnung des derzeitigen Machthabers bis zu den nicht lupenreinen Zuständen dort. Richtiger wäre es, mit Blick auf Syrien wie auf Deutschland, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen – und den Menschen zu dienen. Endlich sind Asyl- und Schutzgründe grundsätzlich weggefallen. Flüchtlinge können in ihre Heimat zurück. Dabei brauchen sie Hilfe, die Deutschland im eigenen Interesse großzügig gewähren sollte.
Je stabiler und (rechts)sicherer das Land, desto besser. Natürlich kann es Streit darüber geben, wen Syrien im Einzelfall zurücknimmt; das Interesse an der Aufnahme von Gewalttätern dürfte überschaubar sein. Deutschland wiederum will gar nicht jeden zurückschicken. Aber das Signal, das Bundeskanzler Merz offenbar in Übereinstimmung mit dem syrischen Präsidenten al-Scharaa ausgesendet hat, ist richtig.
Denn wer soll das Land sonst wiederaufbauen? Wer sind wir, dass wir Syrien oder einem anderen Land, in dem die Fluchtgründe entfallen sind, die Menschen entziehen und entlocken, die in ihrer Heimat bitter nötig sind?
Es gibt auch keinen allgemeinen Anspruch darauf, nach Deutschland einzuwandern. Nun geht es darum, gemeinsam mit Syrien einen tragfähigen Modus zu finden, der allen hilft. Im Bewusstsein von Frieden und Freiheit. Das schaffen wir.
Source: faz.net