Rosenkrieg im rechten Finfluencer-Milieu: Podcast-Duo „Hoss & Hopf„ trennen sich
„Hoss & Hopf“ war einer der erfolgreichsten und umstrittensten Podcasts Deutschlands. Nach 305 Folgen trennten sich die Hosts im Streit. Die Reaktionen darauf zeigen, wie groß die rechtslibertäre Finfluencer-Bubble ist
Das Format Hoss & Hopf von Philip Hopf und Kiarash Hossainpour hat in der Vergangenheit schon für einige Schlagzeilen gesorgt
Foto: Panama Picture/Imago
Berichte über kriselnde Beziehungen sind ein mediales Genre, das man nicht unterschätzen sollte. Es bietet Ablenkung von der düsteren weltpolitischen Lage und befriedigt unser aller Neugier. Sind Bushido und Anna-Maria noch ein Paar? Wie kam es zur Trennung von Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanović? Und warum will der Beckham-Sohn nichts mehr mit seinen Eltern zu tun haben?
Auch in der Podcast-Welt gibt es in diesem noch jungen Jahr eine erste prominente Trennungsgeschichte. Sie betrifft nicht Bushido und Anna-Maria, die sind noch zusammen und podcasten weiterhin. Nein, es geht um Philip Hopf und Kiarash Hossainpour. Hoss & Hopf heißt ihr Format, das seit 2022 bestand. Und dass von Spiegel über Stern bis FAZ beinahe alle großen Medien über ihre Trennung berichten, ist so überraschend nicht. Denn Hoss & Hopf hat in der Vergangenheit schon für einige Schlagzeilen gesorgt hat.
In den 305 Folgen „Hoss & Hopf“ fand sich viel Geraune
Mit einer Mischung aus gesellschaftlichen, geopolitischen und ökonomischen Themen haben die beiden „Finfluencer“ Millionen erreicht. Es ging um Bitcoin, AfD, Ufos, Selbstoptimierung oder Zweifel am menschengemachten Klimawandel. Überhaupt wurde der Zweifel stets gern geschürt. An den „Mainstream“-Medien zum Beispiel oder an dem Label „Verschwörungstheorie“ selbst. Kein Wunder, dass ihnen der Ruf vorauseilt, „rechslibertär“ zu sein. Geht man durch die 305 Folgen Hoss & Hopf, ist da sehr viel Geraune und trübe Internet-Soße.
Gerade bei jungen Männern kam das gut an, eine Stern-Autorin berichtete 2024, ihr 14-jähriger Sohn vertrete AfD-Parolen – inspiriert vom Podcast der „Gurus“, die „krass Ahnung“ hätten. Dazu passt, dass das Duo auch Hallen mit Live-Formaten füllte und sein Buch auf den Bestsellerlisten landete.
Die Größe der libertären Funfluencer-Bubble
Umso erstaunlicher ist die Trennung. Immerhin sind Tech- und Finanz-Bros, die gegen alles „woke“ wettern, mit Donald Trump im Weißen Haus so mächtig wie nie. Super Zeiten für Formate wie Hoss & Hopf, könnte man meinen. Stattdessen gerät das Ende des Duos zu einem wahren Rosenkrieg. Die Ankündigung, in Zukunft getrennte Wege zu gehen, machte Philip Hopf in der rechten Zeitung Junge Freiheit – anscheinend, ohne das mit seinem Partner abzusprechen.
Der Anwalt von Hopf erklärte dem Spiegel, die persönlichen und weltanschaulichen Wege der beiden hätten sich „fundamental auseinanderentwickelt“. Kiarash Hossainpour schrieb auf X: „Vielleicht sind ihm meine Anti-Israel- und Zionismus-Tweets too much?“ Das wäre kein Wunder, denn mit „much“ sind seine Äußerungen noch sehr höflich umschrieben. Hossainpour drohte zudem mit Enthüllungen, die er über Hopf machen könne. Die beträchtliche Zuhörerschaft jedenfalls ist in Aufruhr, auf Youtube setzen sich zahllose Videos mit der Frage auseinander, was wohl vorgefallen ist. Sie liefern einen Einblick, wie groß die libertäre Finfluencer-Bubble ist.
Was Bushido Kiarash Hossainpour antwortete
Eine zweite Erkenntnis aus der Trennung ist, dass auch Formate, die einst als „Establishment“-kritisch gestartet sind, irgendwann etwas zu verlieren haben. So vermutete der Standard unter Berufung auf Branchenkenner, die Trennung könnte auch eine Reaktion von Hopf auf den Druck von Werbepartnern und Plattformen sein. Die Trennung erscheine auch als strategischer Rettungsversuch des eigenen Geschäftsmodells. Und noch etwas zeigt sich: Auch die Rechte im Netz ist keine Einheit, auch sie ist mitunter gespalten. Man kann das als Lichtblick betrachten.
Unter paardynamischen Gesichtspunkten hat sich inzwischen übrigens wieder etwas getan. Als Kiarash Hossainpour in einem seiner vielen X-Posts der vergangenen Tage fragte, ob er einen Podcast starten solle, in dem er unter anderem unzensiert darüber reden könne, warum die AfD die einzige Lösung für Deutschland sei, antwortet Bushido: „Bin dabei.“