Rohstoffe und Sicherheit: Trumps neues Interesse an Afrika

Paul Kagame, Donald Trump und Felix-Antoine Tshisekedi (Archivbild: 04.12.2025)

Stand: 01.03.2026 • 16:10 Uhr

In einer ersten Amtszeit hatte sich Trump noch unflätig über afrikanische Staaten geäußert. Nun umwirbt er sie – und das hat viel mit den Rohstoffen des Kontinents zu tun. Auch die umworbenen Staaten wittern neue Chancen.

In einem dunklen, schmalen Schacht zieht ein junger Mann einen Sack mit rohem Coltanerz nach oben. Andere Minenarbeiter schleppen schwere Säcke weg – ein Knochenjob zum Hungerlohn.

Die Männer schuften in Rubaya, der größten Coltanmine im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Aus dem seltenen Erz wird Tantal hergestellt, ein kostbares Metall, das für Mobiltelefone und Computer gebraucht wird, für Gasturbinen und Teile für die Luft- und Raumfahrt.

Die Arbeit im Tagebau von Rubaya ist schwer und schlecht bezahlt. Doch das hier abgebaute Coltanerz ist weltweit begehrt.

An genau diesen Rohstoffen ist die US-Regierung interessiert. Im vergangenen Dezember teilte Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit dem Präsidenten der DR Kongo, Félix Tshisekedi, und Ruandas Staatschef Paul Kagame mit, man habe mit der DR Kongo vereinbart, ein Mineralienabkommen zu schließen und habe eine Prioritätenliste für US-Investoren festgelegt. Erstmals war ein solches Abkommen im vergangenen Juni angekündigt worden.

Die DR Kongo hofft auf mehr Investitionen durch die strategische Partnerschaft mit den USA. Sie schätzt, dass es bis zu 150 Millionen US-Dollar kosten wird, um den kommerziellen Betrieb in der Rubaya-Mine auszuweiten.

Hoffnung auf militärische Unterstützung

Doch es geht offenbar auch um militärische Interessen, um den Versuch, von der USA Unterstützung bei den Kämpfen im Osten des Landes zu erhalten. Dort hat die Rebellenbewegung AFC/M23 seit 2022 große Teile der Provinzen Nord- und Süd-Kivu erobert und kontrolliert auch die wertvollen Minen in der Region.

M23 wird vom Nachbarland Ruanda unterstützt und sorgt laut einem Bericht der Vereinten Nationen dafür, dass die begehrten Mineralien nach Ruanda gelangen.

Die Rebellenmiliz M23 steht unter US-Sanktionen und ist nicht Teil eines Friedensabkommens zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda, das im vergangenen Jahr von Trump vermittelt wurde.

Frieden hat dieses Abkommen bislang nicht gebracht. Erst in dieser Woche wurde bei einem Drohnenangriff der kongolesischen Armee ein ranghoher M23-Vertreter getötet. Das könnte die Kämpfe neu anfachen.

Umdenken in Washington

Trump schlägt damit einen neuen Kurs ein, nachdem er in seiner ersten Amtszeit 2018 afrikanische Länder noch als „shithole countries“ herabgewürdigt hatte, als Drecksloch-Länder. Es geht den USA darum, sich einen Zugang zu wertvollen Rohstoffen auf dem afrikanischen Kontinent zu sichern, wie zum Beispiel Gold, Lithium, Kupfer und Kobalt.

Das Ziel der USA ist auch, vor allem Chinas Dominanz in Afrika entgegenzuwirken. China ist seit Jahren der größte Handelspartner vieler afrikanischer Länder, die vor allem Rohstoffe nach China verkaufen.

Für einige afrikanische Länder bricht damit nun eine neue Ära an, so die Einschätzung der kenianischen Entwicklungsökonomin Sheila Olang aus. Die USA befänden sich an einem Punkt, an dem sie ihre Strategie ändern müsse, um nicht bei wichtigen Rohstoffen von China abhängig zu bleiben. Das eröffne den afrikanischen Staaten neue Optionen.

Somaliland sieht eine Chance

Auch kleine, aufstrebende Gebiete wie Somaliland, sehen nun ihre Chance. Ihm geht es vor allem um internationale Anerkennung und militärischen Schutz.

Somaliland ist offiziell eine Region des ostafrikanischen Landes Somalia, hat sich aber vor fast 35 Jahren im Zuge des Bürgerkriegs in Somalia für unabhängig erklärt. Somaliland verfügt über ein eigenes Parlament, hält Wahlen ab. Es gilt als politisch relativ stabil. Es gibt ein eigenes Militär, eine eigene Polizei und eigene Pässe.

Im Dezember vergangenen Jahres wurde Somaliland von Israel als souveräner Staat anerkannt. Eine Sensation für das kleine Gebiet, das bis dahin nur von Taiwan anerkannt worden war.

Mineralien und Stützpunkte

Somaliland sei nun bereit, den Vereinigten Staaten Zugang zu Mineralien zu gewähren, erklärte Khadar Hussein Abdi, Minister für Präsidialangelegenheiten, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

„Unsere Freunde, egal ob es Israel oder die Vereinigten Staaten sind, erkunden das Potenzial der Mineralien, die wir haben, insbesondere die Seltenen Erden, von denen wir wissen, dass sie für die USA immer wichtiger werden. Wir sind bereit, den Vereinigten Staaten Exklusivität zu gewähren“, sagte er.

Darüber hinaus bietet Somaliland Israel und den Vereinigten Staaten an, Militärbasen bei sich zu errichten. Somaliland hat eine geostrategisch bedeutsame Lage. Es liegt am Golf von Aden gegenüber von Jemen.

Dort werden weite Teile des Landes von den Huthi-Milizen kontrolliert, die von Iran unterstützt werden. In der Vergangenheit haben sie wiederholt Israel mit Raketen angegriffen, um Solidarität mit den Palästinensern zu zeigen. Auch haben sie im Roten Meer mehrere Male Frachtschiffe attackiert.

Neue Partner im Westen Afrikas

Das Interesse der USA beschränkt sich jedoch nicht nur auf Rohstoffe in Ostafrika. Auch Länder im Westen des Kontinents stehen wegen ihrer Ressourcen im Fokus der US-Regierung stehen. Dazu gehört zum Beispiel Mali.

Vor kurzem schickte das US-Außenministerium den Leiter seines Afrika-Büros, Nick Checker, in die malische Hauptstadt Bamako. Dieses Treffen sollte ein Symbol für einen Neustart der Beziehungen sein. Mali verfügt über Bodenschätze wie Gold und Lithium.

Militärjuntas denken um

Parallel plant die US-Regierung auch mit zwei weiteren westafrikanischen Ländern, Burkina Faso und Niger, zusammenzuarbeiten. Burkina Faso ist ein wichtiger Goldproduzent in Afrika. Aber auch Zink und Kupfer sowie Phosphate für die Industrie und Landwirtschaft sind dort vorhanden.

Niger dagegen ist ein bedeutender Akteur beim Abbau von Uran und war damit lange ein bedeutender Partner für Frankreich und die französische Atomwirtschaft. Doch die nigrische Militärregierung hat 2023 die militärische Zusammenarbeit mit Frankreich beendet und Frankreich auch aus zentralen Uran-Projekten verdrängt.

Nun ist das Regime auf der Suche nach neuen Geschäftspartnern. China und Russland haben bereits Interesse signalisiert.

Von islamistischen Gruppen bedroht

Zugleich stehen auch die westafrikanischen Staaten vor großen militärischen Herausforderungen. In der Sahelzone kämpfen islamistische Terrorgruppen und haben in mehreren Ländern weite Landstriche erobert.

So decken sich die Sicherheitsinteressen afrikanischer Staaten und Regime und ihr ökonomisches Potential mit den strategischen Interessen der USA – und deren Ziel, den großen Rohstoff-Hunger nun auch in Afrika zu stillen.

Source: tagesschau.de