Revolutionsgarden: Straße von Hormus „praktisch geschlossen“

Nach dem abermaligen Angriff der USA und Israels auf Iran hat Teheran den Schiffsverkehr in der wichtigen Meerenge Straße von Hormus vorerst eingestellt. Die Route ist eine der bedeutendsten für den weltweiten Ölexport. Verschiedene Schiffe seien gewarnt worden, dass es wegen der „militärischen Aggression der USA und Israels“ derzeit „nicht sicher“ sei, die Meerenge zu passieren, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die iranischen Revolutionsgarden. „Mit der Einstellung des Schiffs- und Tankerverkehrs durch die Straße von Hormus ist die Meerenge praktisch geschlossen.“
Auch einem Vertreter der EU-Marinemission Aspides zufolge verbieten die iranischen Revolutionsgarden Schiffen seit Samstagnachmittag deutscher Zeit die Fahrt durch die Meerenge.
Die für Schifffahrt zuständige US-Behörde erklärte derweil, Schiffe sollten die Golfregion auf Grund „bedeutender militärischer Aktivität“ meiden. Schiffe, die unter US-Flagge fahren, einer US-Reederei gehören oder US-Besatzung haben, sollen sich zudem mindestens 30 Seemeilen von US-Kriegsschiffen fernhalten. Damit solle vermieden werden, dass sie als Bedrohung wahrgenommen würden.
Meerenge liegt zwischen Oman und Iran
Eine Beeinträchtigung der Schifffahrt durch die Meerenge dürfte sich auch auf den Ölpreis auswirken. Unlängst wurde sie teilweise und für kurze Zeit für Manöver der iranischen Revolutionsgarden geschlossen. Die Meerenge liegt zwischen Oman und Iran. Sie verbindet den Persischen Golf im Norden mit dem Golf von Oman im Süden und dem Arabischen Meer.
An ihrer engsten Stelle ist sie 33 Kilometer breit. Die schiffbaren Passagen in beide Richtungen sind nur drei Kilometer breit. Die zentrale Fahrrinne gilt als internationale Schifffahrtsstraße.
Opec will Ölproduktion erhöhen
Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs wird durch die Meerenge transportiert. Im vergangenen Jahr passierten den Daten der Analysefirma Vortexa zufolge täglich durchschnittlich mehr als 20 Millionen Barrel Rohöl, Kondensat und Kraftstoffe die Meerenge.
Die Opec-Mitglieder Saudi-Arabien, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Kuwait und der Irak exportieren den größten Teil ihres Rohöls über die Straße von Hormus. Hauptabnehmer ist Asien. Katar, einer der weltgrößten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG), verschifft fast sein gesamtes LNG auf diesem Weg.
Die führenden Opec+-Produzenten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben im Rahmen von Notfallplänen ihre Ölexporte in den vergangenen Tagen erhöht. Beide Länder haben zudem versucht, alternative Routen zu finden, um die Meerenge zu umgehen.
USA mittlerweile selbst Öl-Exporteur
Nach Angaben der US-Energieinformationsbehörde (EIA) vom Juni des vergangenen Jahres könnten ungenutzte Kapazitäten bestehender Pipelines der beiden Länder in Höhe von etwa 2,6 Millionen Barrel pro Tag zur Verfügung stehen. Die in Bahrain stationierte Fünfte Flotte der US-Marine hat den Auftrag, die kommerzielle Schifffahrt in der Region zu schützen.
Im Jahr 1973 verhängten arabische Ölförderländer unter der Führung Saudi-Arabiens ein Ölembargo gegen westliche Unterstützer Israels im Krieg gegen Ägypten.
Waren damals westliche Länder die Hauptabnehmer von Rohöl aus dem Nahen Osten, so ist es heute vor allem Asien. Die USA sind mittlerweile selbst ein bedeutender Produzent und Exporteur.
Während des Iran-Irak-Kriegs von 1980 bis 1988 versuchten beide Seiten, die Exporte des jeweils anderen Landes zu stören. Dies wurde als „Tankerkrieg“ bekannt.
Schließung der Meerenge stand 2025 im Raum
Im Januar 2012 drohte Iran als Vergeltung für Sanktionen der USA und Europas mit einer Blockade der Meerenge. Im Mai 2019 wurden vier Schiffe, darunter zwei saudi-arabische Öltanker, vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate außerhalb der Straße von Hormus angegriffen.
Drei Schiffe, zwei im Jahr 2023 und eines im Jahr 2024, wurden von Iran in oder in der Nähe der Meerenge beschlagnahmt. Einigen dieser Aktionen waren Beschlagnahmungen von mit dem Iran in Verbindung stehenden Tankern durch die USA vorausgegangen.
Im vergangenen Jahr erwog Iran eine Schließung der Meerenge nach Angriffen der USA und Israels auf seine Atomanlagen.