Retterin zum Besten von Stahlriesen: Marie Jaroni führt jetzt Thyssenkrupps Krisen-Sparte

Die kriselnde Stahl-Tochtergesellschaft des Industriekonzerns Thyssenkrupp hat von November an eine neue Chefin: Marie Jaroni, die derzeit im Stahl-Vorstand für Handels- und Transformationsthemen verantwortlich ist, rückt zur Vorstandsvorsitzenden auf, wie Thyssenkrupp Steel am Freitag mitteilte.
Jaroni ist 40 Jahre alt und hatte sich zuletzt in den Augen von Vertretern des Mutterkonzerns wie von Arbeitnehmerseite sehr verdient gemacht, weil sie federführend einen Sanierungstarifvertrag für die notleidende Sparte mit der Gewerkschaftsseite ausgehandelt hatte. Sogar die kampfeslustige IG Metall hatte den teilweise harten Einschnitten nach langen, zähen Gesprächen zugestimmt.
Zum ersten Mal steht nun eine Frau an der Spitze von Deutschlands größtem Stahlhersteller, wobei mit Martina Merz auch die Konzernmuttergesellschaft in der Vergangenheit schon einmal von einer Frau geleitet worden war. Jaroni ist studierte Werkstofftechnikerin, arbeitet seit 2017 bei Thyssenkrupp und war zuvor bei der Unternehmensberatung McKinsey beschäftigt.
„Mir ging es immer um die Zukunft des Stahls“
Schon lange will die Konzernmuttergesellschaft ihre notorisch defizitäre Stahlsparte loswerden, was bislang aber immer gescheitert war. Eine große Hürde sind hohe Pensionsverpflichtungen in der Bilanz von Thyssenkrupp Steel und hohe bevorstehende Investitionen in klimafreundlichere Produktionswege.
In einer internen Mitteilung an die Beschäftigten, die der F.A.Z. vorliegt, schrieb Grimm am Freitag: „Mir ging es immer um die Zukunft des Stahls. Wir haben mit unserem industriellen Konzept einen klaren Plan vorgelegt, mit dem Stahl auch in Zukunft noch in Duisburg hergestellt werden kann. Dafür braucht es harte Einschnitte und eine Perspektive, für die wir den Grundstein gelegt haben. Für die erfolgreiche Umsetzung müssen nun alle Beteiligten an einem Strang ziehen.“
Stahlbereich personell im Umbau
Der kriselnde Stahlbereich wird aktuell über den Vorstandsvorsitzenden-Wechsel hinaus personell durchgeschüttelt, weil auch der Personalvorstand Dirk Schulte überraschend aus persönlichen Gründen ausscheidet. Seine Aufgaben übernimmt nun Konzern-Personalvorstand Wilfried von Rath zusätzlich zu seiner derzeitigen Tätigkeit mit.
Darüber hinaus wurden die anderen Vorstandsressorts neu zugeschnitten. Vakant ist nun die Position des Produktionsvorstands, die „möglichst zeitnah“ besetzt werden solle, wie das Unternehmen schreibt. Der Vertrag des Finanzvorstands des Stahl-Bereichs, Philipp Conze, wurde um fünf Jahre verlängert.