Report welcher Art Basel: Wie steht welcher Kunstmarkt da

Während alle Welt mit Bangen auf die Straße von Hormus schaut, Menschen sterben und Graphen in zittrigen Linien die aktuelle Ölpreisentwicklung zeichnen, werfen das Kunstmesseunternehmen Art Basel und die Schweizer Großbank UBS einen Blick zurück auf das vergangene Jahr. Wirtschaftsprognosen für die Zukunft, das zeigt die unberechenbar gewordene Entwicklung der Weltlage täglich aufs Neue, lassen sich daraus kaum mehr ableiten.

2025 war ein Jahr der Konsolidierung

Ein solides Umsatzplus von vier Prozent im weltweiten Handel mit Kunst, das die Kulturökonomin Clare McAndrew in ihrem aktuellen, 247 Seiten starken „The Art Basel and UBS Art Market Report 2026 by Arts Economics“ für 2025 konstatiert, dürfte allenfalls teilweise ermutigend für eine Branche wirken, die sich nach der Post-Covid-Baisse zuletzt wieder konsolidiert hat.

Die Datengrundlage für den Report lieferten wieder Befragungen Hunderter Kunst- und Antiquitätenhändler, Auktionshäuser, Sammler, Messeunternehmen und Kunstmarktexperten weltweit sowie die Analyse von Preisdatenbanken. Davon ausgehend ergibt sich ein Bild mit Licht- und Schattenpartien. Der Anstieg des globalen Kunsthandelsumsatzes auf schätzungsweise 59,6 Milliarden Dollar gegenüber 2024 markiert zwar eine Trendwende nach zwei vorausgegangenen Jahren mit sinkenden Umsätzen, konzentriert sich aber auf die oberste Spitze des Marktes – und bleibt unterm Strich weiterhin deutlich unterhalb des Rekordwerts von 67,8 Milliarden Dollar 2022.

Bei den Auktionshäusern lief es bestens: Versteigerung bei Sotheby's in New York
Bei den Auktionshäusern lief es bestens: Versteigerung bei Sotheby’s in New YorkAFP

Für die Auktionshäuser lief es 2025 glänzend. Neun Prozent mehr Umsatz als 2024 machten sie mit Versteigerungen (20,7 Milliarden Dollar), während Privatverkäufe um fünf Prozent nachgaben (auf knapp 4,2 Milliarden). Das konterkariert die Dynamik des Vorjahres, in dem private sales sich, relativ gesehen, besser entwickelten als Auktionen. Je weiter es in der Preisskala nach oben ging, desto besser wurden zuletzt die Geschäfte: Der Gesamtwert von Kunstwerken, die für mehr als zehn Millionen Dollar versteigert wurden, schoss um 40 Prozent in die Höhe.

Von diesem Auktionsboom profitierten vor allem die großen Häuser in den USA. Nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen stieg der Umsatz aus Auktionen dort insgesamt um 20 Prozent auf knapp über sieben Milliarden Dollar. Treiber der Entwicklung waren extrem hochpreisige Lose, die in der zweiten Jahreshälfte in New York unter den Hammer kamen, als Sotheby’s seine neue Firmenzentrale im Breuer Building einweihte und auch die Konkurrenten Christie’s und Phillips groß auffuhren. Gemeinsam festigten sie die Dominanz der USA im High-End-Bereich des Versteigerungswesens. Sämtliche der zehn teuersten Auktionslose des Jahres 2025 wurden in New York vermittelt, zudem 39 der 50 teuersten Lose und 78 Prozent (2024 noch 73 Prozent) der weltweit vermittelten Kunstwerke im Wert von mehr als zehn Millionen Dollar in den USA.

Verlagerung der Gewichte nach oben

In den Gesamtzahlen spiegelt sich das weniger klar: Auf die Vereinigten Staaten entfielen 2025 insgesamt 44 des Umsatzes mit Kunst weltweit, ein Plus von nur einem Prozent gegenüber 2024. Die Anzahl der Transaktionen blieb beinahe stabil; bei Kunstversteigerungen sank sie sogar um zwei Prozent. Die Tendenz, dass der mittlere und untere Bereich des Marktes durch ein Mehr an Verkäufen im preiswerteren Segment die gesamte Branche stützten, schwächte sich ab.

Das zunächst Schockwellen aussendende Zollhickhack der Trump-Regierung schlug dagegen nur insofern direkt ins Kunsthandelskontor, als Importe von Kunst und Antiquitäten in die USA sogar anzogen. Das Plus von 13 Prozent war wohl motiviert von Ausnahmen in der Zollgesetzgebung für Kunstwerke und dem Wunsch, noch rasch möglichst viel Ware ins Land zu holen – sicher ist sicher.

Sammler setzen auf Bewährtes

Auf Nummer sicher gingen auch die Sammler, deren Appetit auf Onlineauktionen im übrigen inzwischen gesättigt zu sein scheint. Zeitgenössische Kunst, die besonders mit einem spekulativen Risiko verbunden ist, stand dem Report zufolge nicht mehr so hoch im Kurs wie unmittelbar nach der Corona-Krise. Werke etablierter Künstler, der klassischen Moderne und auch Alter Meister gewannen dagegen entschieden an Attraktivität. Entsprechend schrumpften die Auktionsumsätze mit Gegenwartskunst – immer noch das größte Segment des Marktes – um zwei Prozent, wuchsen die mit moderner Kunst um neun Prozent und die mit Alten Meister sogar um erstaunliche 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Diesen Zug hin zum Bewährten beobachteten auch die befragten Kunsthändler und Galeristen. Für sie verzeichnet der Report ein weltweites Umsatzplus von zwei Prozent, das auf Wachstum vor allem in unteren und oberen Segment zurückgeht, weniger auf die Entwicklung in der Mitte. 42 Prozent der befragten Händler gaben ein Verkaufsplus an, 33 Prozent ein Minus, 25 Prozent Stagnation. Am stärksten leiden sie alle den Angaben zufolge unter steigenden Kosten: für Messen, Reisen und den Transport von Kunstwerken. Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Doch es gab auch Erfreuliches: Kunst von Frauen und Männern war in Galerien 2025 fast paritätisch vertreten – allerdings nahm der weibliche Anteil mit steigendem Umsatz der Galerien sukzessive ab. Darüber kann auch der Auktionsrekord für Frida Kahlo nicht hinweghelfen.

Im Wettbewerb der Kunsthandelsnationen behauptete sich Großbritannien mit kleinem Plus und stabilen 18 Prozent Anteil am weltweiten Kunstumsatz, China verteidigte gleichfalls mit minimalem Zuwachs den dritten Platz mit 14 Prozent. Aufholen konnte dagegen Frankreich: Der Umsatz aus Kunstverkäufen stieg dort um neun Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar, über den vorpandemischen Referenzwert von 2019. Weltweit entspricht das Platz vier. In anderen europäischen Ländern, die allesamt von innerkontinentalem Handel dominiert werden, fiel die Bilanz unterschiedlich aus: Die Schweiz, Österreich und Spanien verzeichneten Wachstumsraten zwischen sechs und 13 Prozent, der deutsche Kunsthandel dagegen muste einen Umsatzrückgang von zehn Prozent hinnehmen.

Source: faz.net