Rekordgewinn DZ Bank: Spitzeninstitut dieser Volksbanken legt eine Milliarde drauf

Das Spitzeninstitut der Volksbanken und Raiffeisenbanken eilt von Rekordgewinn zu Rekordgewinn. Doch der Vorstandsvorsitzende Cornelius Riese gab sich auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag vorsichtig, selbstbewusst und selbstkritisch. Tatsächlich läuft bei Weitem nicht alles rund im DZ-Bank-Konzern, zu dem unter anderem die Bausparkasse Schwäbisch Hall, die Fondsgesellschaft Union Investment und der Versicherer R+V gehören. Letzterer war der große Star im Jahr 2025: R+V steigerte seinen schon sehr guten Vorjahresbruttogewinn um satte 73 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Damit trug der Versicherer beinahe die Hälfte zum Konzerngewinn vor Steuern bei.

Cornelius Riese.
Cornelius Riese.Ilkay Karakurt

Erst vor einem Jahr hatte Riese, der dem Vorstand seit 2013 angehört und die DZ Bank seit 2019 zunächst gemeinsam mit Uwe Fröhlich als Vorstandsvorsitzender führt, die für sein Haus realistische Jahresgewinnzielspanne um 0,5 Milliarden Euro auf 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro angehoben. Für das laufende Jahr 2026 plant der Vorstandschef nun mit rund drei Milliarden Euro Vorsteuergewinn. 2025 landete der DZ-Bank-Konzern mit 4,3 Milliarden Euro indes deutlich oberhalb der selbst gesteckten Gewinnspanne, überbot den bisherigen Rekordwert aus dem Vorjahr um eine glatte Milliarde und bewegt sich auf Augenhöhe mit der ebenfalls verbesserten Commerzbank.

Immobilienfonds von Union bereiten Schmerzen

Der Rekordwert des DZ-Bank-Konzerns lag auch an der Fondsgesellschaft Union Investment, die nur einen leichten Gewinnrückgang um 4,5 Prozent hinnehmen musste, aber nach R+V der zweitgrößte Gewinnbringer des DZ-Bank-Konzerns blieb. Gleichwohl beginnen mit Union für Riese die unangenehmeren Themen. Wie Ende Februar berichtet, haben Anleger aus offenen Immobilienfonds allein der Union Investment im Jahr 2025 mehr als drei Milliarden Euro abgezogen. „Es schmerzt“, sagte Riese auf die Frage, ob er sich als Aufsichtsratsvorsitzender der DZ-Tochtergesellschaft Union Investment Fehler vorwerfen müsse.

Er sei natürlich nicht zufrieden damit, dass einige Union-Fonds die Renditebranchenranglisten „von unten anführen“. Größere Immobilieninvestitionen seien ausgerechnet kurz vor der Zinswende im Jahr 2022 eingegangen worden, diese Immobilienwerte lägen ähnlich wie Bundesanleihen noch tief im Minus. Und die Expansion von Union in das Segment „Wohnen“ sei zwar nicht falsch gewesen, aber zu groß dimensioniert und zu stark weg von den Ballungsräumen angelegt worden. Riese gab sich selbstkritisch und versprach, Konsequenzen zu ziehen oder schon gezogen zu haben. Dies erwartet er auch vom Fondsverband BVI: Auch dieser solle Lehren daraus ziehen, dass inzwischen mehrere offene Immobilienfonds geschlossen werden mussten.

Die Brokerage-App gegen Trade Republic und Scalable Capital

Die genossenschaftliche Finanzgruppe versucht, im Wettbewerb mit Neobanken und Neobrokern besser standzuhalten. Wie die F.A.Z. Mitte Februar berichtete, sind DZ Bank und Union Investment damit beauftragt, eine zen­trale Brokerage-App zu entwickeln. Wie Riese bestätigte, soll sich diese an digitalaffine Wertpapierkunden wenden, die von den Volks- und Raiffeisenbanken nicht auf herkömmlichem Vertriebsweg erreicht werden. Die Idee sei aber schon, diese Kunden dann von der zentralen Brokerage-App später „umzuleiten“ zu einer Volks- oder Raiffeisenbank, etwa dann, wenn sie eine Baufinanzierung benötigen.

Damit schnitt Riese Machtfragen an, die dieses Projekt „Zuwachs“ auch berühren. Denn viele in der von ihrer DNA überaus dezentralen genossenschaftlichen Bankengruppe sehen es mit Unbehagen, dass immer mehr Erlöse von den Ortsbanken weg zum Zentralbankkonzern DZ Bank wandern; und auch Union Investment und DZ Bank AG rivalisieren im Wertpapiergeschäft. Riese lobte Union für ihre Vertriebsstärke und die Fondsdepots, reklamierte aber für die DZ Bank AG die Kompetenz in der Depotführung für Aktien, Investmentzertifikate und Kryptowerte, die gerade für junge Kunden wichtig seien. Verteilungsfragen innerhalb der genossenschaftlichen Bankengruppe sollten im Kampf gegen „starke Wettbewerber“ nachrangig sein, mahnte Riese. Damit meinte er wohl in erster Linie die bei jungen Leuten beliebten günstigen Neobroker Trade Republic und Scalable Capital. Auch die DZ Bank führe schon für Volksbanken und Raiffeisenbanken 70.000 Depots für Kunden unter 30 Jahren, bei denen oft keine Gebühren anfallen.

Wackelige Kredite an Baywa und Konsumenten

Die Kreditrisiken in der DZ Bank blieben 2025 unauffällig, während sie den Konsumentenfinanzierer Teambank (Easycredit) und den Gewerbefinanzierer VR Smart in die Verlustzone drückten. Die DZ Bank ist auch einer der größten Gläubiger des schlingernden Agrarkonzerns Baywa, für den dem Vernehmen nach ein Schuldenschnitt diskutiert wird. Für ihren Baywa-Kredit habe die DZ Bank so viel Risikovorsorge getroffen, „wie man kann, nicht wie man muss“, sagte Riese. Damit sei man auf alle Eventualitäten vorbereitet. Auf die Frage, ob die DZ Bank bereit sei, mit einem „Debt-to-Equity-Swap“ Kredite in einen Eigentümeranteil auszuweichen, sagte Riese, diese Gedanken kämen mindestens zwei Schritte zu früh, damit beschäftige er sich nicht.

Im Auslandsgeschäft spürt die DZ Bank Rückenwind, große Unternehmen fragten mehr Exportfinanzierungen und Währungsabsicherungen nach. Deshalb will die DZ Bank an ihren Auslandsstützpunkten die Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren deutlich um 25 Prozent aufstocken. VR Smart und Teambank dagegen spüren die Konjunkturkrise im Inland, schließlich träfen die Insolvenzen zu 80 Prozent Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern, und die Arbeitslosigkeit steige, was Easycredit-Kunden treffe. „Der Konsumentenkreditmarkt hat 25 Jahre Sonne hinter sich“, sagte Riese. „Und jetzt kommen nicht nur zwei, drei Jahre Regen, sondern vier, fünf Jahre Regen.“  Trotz einer wahrscheinlich leichten Ergebnisverbesserung werde die Teambank auch 2026 voraussichtlich einen Verlust zum Konzernergebnis liefern. Easycredit bringe den Ortsbanken aber Bonifikationen in dreistelliger Millionenhöhe jährlich.

Source: faz.net