Reiseziele dieser Deutschen ändern sich durch Iran-Krieg – sogar langfristig?
Die Golfstaaten fallen als Pauschalreiseziel derzeit weg. Aber der Iran-Krieg hat auch in weit entfernten Regionen Folgen für den Tourismus: Viele Ziele werden teurer – außer, man hat rechtzeitig gebucht.
Urlauber, die dem Charme deutscher Influencer auf Instagram und der Werbung arabischer Fremdenverkehrsbüros erlegen sind, haben sich schlechte Karten geben lassen: Wegen der Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes haben deutsche Veranstalter sämtliche Pauschalreisen in die arabischen Länder am Persischen Golf abgesagt. Das betrifft eine kleine, aber konsumfreudige und zahlungskräftige Gruppe deutscher Touristinnen und Touristen.
Wer seinen Jahresurlaub nicht in einem dieser Ländern verbringen will und frühzeitig gebucht hat, leidet nicht unter dem Iran-Krieg. Es ist völlig egal, ob sich die Preise für Flüge ändern, ob Mietwagenanbieter feststellen, für ihre Autos viel mehr kassieren zu können, oder ob es plötzlich große Nachfrage fürs gebuchte Hotel gibt: Wer einen gültigen Vertrag hat und seine Anzahlung ordentlich überwiesen hat, muss sich keine Sorgen machen.
„Besonders beliebt sind die klassischen Mittelmeerregionen“
Flüge ins beliebte Thailand sind seit Beginn des Iran-Krieges schwieriger geworden. Üblich waren Umstiege an einem der großen arabischen Flughäfen. Weil die nicht mehr angeflogen werden können, müssen Fluggesellschaften Umsteigezentren ansteuern, die weit weniger günstig liegen: Istanbul und Singapur. „Im Fernreisebereich steigen die Preise spürbar an,“ sagt Aage Dünhaupt, Sprecher von Europas größtem Reisekonzern TUI. Bei Vorausbuchungen müssen die Reiseveranstalter die höheren Kosten zahlen, bei neuen Buchungen steigen die Endkundenpreise.
Europäische Reiseziele waren schon immer am beliebtesten und gewinnen aktuell weiter an Attraktivität. TUI berichtet, drei Viertel der Sommerbuchungen seien auf Europa gerichtet. „Besonders beliebt sind die klassischen Mittelmeerregionen wie Mallorca, Antalya, Kreta, Rhodos und Kos sowie die Kanarischen Inseln“, sagt Unternehmenssprecher Dünhaupt.
Imagewandel von Mallorca
Mallorca versucht, vom Billigtourismus weg zu kommen und lockt mittlerweile auch amerikanische Kundinnen und Kunden. Schon vergangenes Jahr wurde über um fünf Prozent gestiegene Preise berichtet.
Unterkunft, Verpflegung, Touristensteuer und Strandservice sollen dieses Jahr teurer werden – die Rede ist von 10 Euro pro Tag für simple Liegestühle und weitere 10 Euro für einen Sonnenschirm. Das heißt: Ein Paar muss fürs bloße Liegen am Strand täglich 30 Euro zahlen.
Nicht nur ein „kurzfristiger Schock“?
Amtliche Daten belegen die viel zitierte deutsche Reiselust. Die Zahl der Inlandsreisen hat 2024 laut Statistischem Bundesamt das Vor-Corona-Niveau von 160 Millionen erreicht. Ins Ausland führten 115 Millionen Reisen. Zehn Jahre zuvor gab es nur 83 Millionen Auslandsreisen. Naheliegenderweise wuchs die Zahl der Reisen ins europäische Ausland besonders stark. Auffallend ist aber, dass die Zahl der Asienreisen weit stärker zulegte als die ins lang vertraute Amerika.
„Geopolitische Konflikte können den Tourismus kurzfristig abbremsen“, sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband, „langfristig ändern sie aber nichts an der großen Reiselust der Deutschen.“
Dem stimmt Tourismusforscher Julian Reif von der Fachhochschule in Heide grundsätzlich zu, aber: „Die aktuelle Lage gestaltet sich jedoch etwas anders,“ sagt Reif. Es gehe nicht nur um kurzfristigen Schock durch den Krieg, sondern um die Erkenntnis, dass sich „strukturelle Bedingungen des Reisens selbst“ geändert haben.
Tourismus statt Ölgeschäft
Durch die Fußballweltmeisterschaft in den arabischen Staaten vor vier Jahren sind die Golfstaaten erstmals unter die fünf gefragtesten Reiseziele der Welt gekommen. Mit Blick auf das kommende Ende des Öl- und Gasgeschäfts sind auf der arabischen Halbinsel industrialisierte Unterhaltungs- und Freizeitangebote massiv ausgebaut worden.
Jahrelang wurden Influencer subventioniert, damit sie den Reiz des Orients verkaufen. Dubai versucht, den schönen Schein zu retten. Der Polizeistaat setzt seine Zensur gegen Bilder iranischer Raketeneinschläge mit harten Strafen durch.
Source: tagesschau.de
