Regierungsbildung: Sondierungsgespräche zwischen Union und SPD nach sich ziehen begonnen



Annika Benzing
Annika Benzing

Union und SPD treffen sich zu ersten Sondierungsgesprächen

Fünf Tage nach der Bundestagswahl beginnen Union und SPD damit, die Möglichkeiten für die Bildung einer schwarz-roten Bundesregierung auszuloten. Führende Vertreter der drei Parteien wie die Vorsitzenden Friedrich Merz (CDU), Markus Söder (CSU) und Lars Klingbeil (SPD) trafen dazu am Morgen in Berlin in einem Gebäude des Bundestags ein. 
Bei dem Treffen dürfte es vor allem darum gehen, erste grobe Linien und einen Zeitplan für die Koalitionsverhandlungen abzustecken. 
Lars Klingbeil (SPD), Partei- und Fraktionschef, kommt zu einem ersten Sondierungsgespräch für eine schwarz-rote Bundesregierung ins Jakob-Kaiser-Haus in Berlin.
Lars Klingbeil (SPD), Partei- und Fraktionschef, kommt zu einem ersten Sondierungsgespräch für eine schwarz-rote Bundesregierung ins Jakob-Kaiser-Haus in Berlin. Kay Nietfeld/dpa

Konstantin Zimmermann
Konstantin Zimmermann

Anke Rehlinger wünscht sich neue SPD-Spitze

Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat nach der SPD-Wahlniederlage eine personelle Neuaufstellung ihrer Partei gefordert. „Wir müssen nach unserem Wahlergebnis die Dinge neu, anders und besser machen“, sagte Rehlinger dem Tagesspiegel.

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Sophia Boddenberg
Sophia Boddenberg

Ukrainischer Botschafter hofft auf schnelle Regierungsbildung

Der ukrainische Botschafter Oleksii Makeiev setzt auf eine schnelle Koalitionsbildung zwischen CDU und SPD nach der Bundestagswahl. „Friedrich Merz ist ein Verbündeter„, sagte Makeiev der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). Er hoffe deshalb, „dass in den Koalitionsverhandlungen, wie von Friedrich Merz angedeutet, das Thema Außen- und Sicherheitspolitik eine führende Rolle spielt„, sagte Makeiev der Zeitung.
„Wir in der Ukraine hoffen auf eine zeitnah handlungsfähige Regierung in Deutschland.“

Oleksii Makeiev, ukrainischer Botschafter in Deutschland

Leider hätten die demokratischen Parteien dem Krieg in der Ukraine „im Wahlkampf nur sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet“, kritisierte Makeiev. „Ich glaube, das Thema wurde gezielt vermieden.“

Zwar habe die Ukraine „auch Olaf Scholz viel zu verdanken“, unter dessen Kanzlerschaft Deutschland bei Waffenlieferungen „einen sehr weiten Weg zurückgelegt“ habe. Zu zögerlich sei der Kanzler nicht gewesen, der sich gesellschaftlicher Mehrheiten habe vergewissern müssen. „Aber natürlich ist dann auch eine Führungsrolle gefragt, um notwendige und schnelle Entscheidungen zu treffen“, sagte Makeiev. 

Oleksii Makeiev, ukrainischer Botschafter in Deutschland
Oleksii Makeiev, ukrainischer Botschafter in Deutschland. Annette Riedl/dpa
Eine solche Rolle attestiert der Botschafter Verteidigungsminister Boris Pistorius, unter dessen Führung das Verteidigungsministerium „sehr weitreichende Unterstützung der Ukraine geliefert“ habe. „Welche Rolle er in Zukunft übernimmt, ist natürlich Gegenstand der Koalitionsverhandlungen“, sagte Makeiev gegenüber der NOZ. Aber „Boris Pistorius ist und bleibt ein guter Freund der Ukraine.“

Eric Voigt
Eric Voigt

Sondierungen sollen noch in dieser Woche beginnen

Union und SPD wollen am Freitag die Sondierungen für eine gemeinsame Bundesregierung beginnen. Das berichteten mehrere Medien und Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Parteivertreter von CDU/CSU und SPD übereinstimmend.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa schicken sowohl SPD als auch CDU/CSU je neun Spitzenpolitiker in die Verhandlungen. Über die Inhalte des geplanten Gesprächs sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

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Alena Kammer
Alena Kammer

Menschen mit Migrationsgeschichte im neuen Bundestag unterrepräsentiert

29,7 Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte, bei den Wahlberechtigten beträgt der Anteil 14,4 Prozent. Laut einer Recherche von Mediendienst Integration sind sie im neuen Bundestag jedoch unterrepräsentiert. Demnach haben 11,6 Prozent der Abgeordneten eine Migrationsgeschichte.

Einen Migrationshintergrund hat, wer selbst bei Geburt keine deutsche Staatsbürgerschaft hatte oder mindestens einen Elternteil, auf den das zutrifft. Seit 2013 war der Anteil der Menschen mit Migrationsgeschichte im Bundestag stetig gewachsen, verglichen mit dem scheidenden Bundestag stagniert er nun. Zum Zeitpunkt nach der Wahl 2021 waren es 11,3 Prozent.

Deutliche Unterschiede gibt es zwischen den Parteien: Demnach haben die Grünen mit 20 Prozent den höchsten Anteil, gefolgt von der Linkspartei mit 18,8 Prozent und der SPD mit 17,5 Prozent, die wiederum in absoluten Zahlen vorn liegt. Deutlich dahinter liegen die Union mit einem Anteil von 6,3 Prozent und die AfD mit 5,9 Prozent.

Sarah Kohler
Sarah Kohler

Ministerpräsidenten dringen auf Verhandlungen

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer hat eine Regierungsbildung von Union und SPD als  „zum Gelingen verdammt“ bezeichnet. „Es muss gelingen, dass eine vernünftige Regierung zusammenkommt“, sagte der SPD-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Das könne aber nur erfolgreich sein, wenn die Parteien nicht versuchten, sich „gegenseitig über den Tisch zu ziehen“.

Für eine schwarz-rote Koalition gebe es zwar keinen Automatismus, doch mathematisch kaum andere Möglichkeiten. Ob das Bündnis politisch eine Grundlage habe, werde sich in den Gesprächen zeigen. „Damit diese Gespräche erfolgreich sind, ist es klug, wenn man sie nicht öffentlich führt“, sagte er.

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther fordert eine schnelle Regierungsbildung zwischen Union und SPD. „Ich finde die Verhandlungen jetzt gar nicht so kompliziert, weil ja eigentlich alle wissen, worauf es jetzt ankommt“, sagte der CDU-Politiker den TV-Sendern RTL/n-tv. Union und SPD müssten beweisen, dass demokratische Parteien in der Lage seien, Probleme zu lösen und an einem Strang zu ziehen.

Simon Sales Prado
Simon Sales Prado

Union offen für neues Bundeswehr-Sondervermögen 

CDU und CSU können sich vorstellen, mehr Geld für Verteidigung auszugeben. „In der Unionsfraktion gibt es grundsätzlich die Bereitschaft für ein neues oder ein deutlich höheres Bundeswehr-Sondervermögen“, sagte Christian Haase, der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, der Rheinischen Post. Anders als etwa Stimmen aus der SPD will die Union allerdings demnach eine Reform der Schuldenbremse nicht mit dem Verteidigungsetat verknüpfen.

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Katharina James
Katharina James

Juso-Vorsitzender rechnet mit „harten Gesprächen“ zur Koalition

Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer hält es nicht für zwangsläufig, dass Union und SPD zu einer Koalition zusammenfinden. Türmer kritisierte in den ARD-Tagesthemen die jüngste parlamentarische Anfrage der Union zur politischen Neutralität von Nichtregierungsorganisationen. „Ich hoffe, so geht’s nicht weiter, denn dann wird’s verdammt schwer. Und es zeigt sich, diese Verhandlungen – die sind alles andere als vorherbestimmt. Das werden sehr harte Gespräche – mit offenem Ausgang“, sagte Türmer.

Als zentral bezeichnete er für Koalitionsverhandlungen Änderungen der Schuldenbremse. Sie stehe Handlungsfähigkeit entgegen. Genauso wichtig seien Entlastungen vor allem für kleine und mittlere Einkommen. Die Verhandlungen müssten „hart und ehrlich“ miteinander geführt werden. Auch brauche man „tatsächliche Einigungen“ in einem Koalitionsvertrag. Bei den Koalitionsverhandlungen der Ampelkoalition seien viele Formelkompromisse gemacht worden, die den Partnern später auf die Füße gefallen seien, sagte der Juso-Chef.

Ivana Sokola
Ivana Sokola

Robert Habeck will im Bundestag bleiben

Grünenkanzlerkandidat Robert Habeck will im Bundestag bleiben – allerdings weiterhin kein Spitzenamt bei seiner Partei übernehmen. Das hatte er nach der Wahl bereits mitgeteilt. Daraufhin hatten Hunderttausende Menschen eine Petition unterzeichnet, die seinen Verbleib in der Politik fordert.

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Sarah Vojta
Sarah Vojta

Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion will Deutschland verlassen

Die Präsidentin der jüdischen Studierendenunion Deutschland, Hanna Veiler
Die Präsidentin der jüdischen Studierendenunion Deutschland, Hanna Veiler. Hannes P Albert/dpa
Wegen der hohen Zustimmungswerte für die AfD bei der Bundestagswahl wird die Präsidentin der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), Hanna Veiler, die Bundesrepublik verlassen. „Für mich ist mit dieser Bundestagswahl eine rote Linie überschritten„, sagte Veiler in einem Interview der Jüdischen Allgemeinen. „Ich werde Deutschland verlassen.“ In den vergangenen zwei Jahren habe Veiler sich sehr von diesem Land entfremdet.

Die AfD hat bei der Wahl 20,8 Prozent erreicht. „Jeder Fünfte in Deutschland hat die AfD gewählt“, sagte die Studentin. „So viele Menschen, mit denen ich im Supermarkt an der Kasse stehe, mit denen ich zusammen zur Uni gehe, die meine Nachbarn sind, haben wissentlich einer in großen Teilen gesichert rechtsextremen Partei ihre Stimme gegeben.“ Sie mache sich Sorgen um ihre Eltern, die nicht deutsch aussähen und einen Akzent hätten, und um ihre Großmutter, die abgeschoben werden könnte, falls ihr Aufenthaltstitel nicht verlängert werde.

Ivana Sokola
Ivana Sokola

Merz trifft Macron in Paris

Wahlsieger Friedrich Merz will am Abend nach Paris reisen, um den französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu treffen. Die beiden seien zu politischen Gesprächen verabredet, berichteten das Magazin Politico und Bild.

Eine CDU-Sprecherin wollte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa weder bestätigen noch dementieren. Bei der ersten Auslandsreise von Merz nach der Wahl dürfte es im Rahmen eines Abendessens angesichts des US-Kurswechsels in der Ukrainepolitik auch um europäische Verteidigung gehen. 

Ivana Sokola
Ivana Sokola

Grüne bestätigen Fraktionsspitze im Amt

Die Grünen-Bundestagsfraktion hat ihren Vorstand bestätigt. Damit bleiben Britta Haßelmann und Katharina Dröge bis auf Weiteres kommissarisch Fraktionsvorsitzende. Auch ihre Stellvertreter und die parlamentarischen Geschäftsführer behalten ihre Posten. Die Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink, die dem neuen Bundestag nicht angehören wird, wird als Fraktionsvize vorerst nicht ersetzt.

Die tatsächliche Neubesetzung wichtiger Posten solle sich am Zeitpunkt der Regierungsbildung orientieren, hatten die Fraktionsvorsitzenden am Vortag erklärt. Wenn es nach dem wahrscheinlich nächsten Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU geht, ist das bis Ostern der Fall. 

Katharina Dröge (links) und Britta Haßelmann verlassen das Fraktionsbüro des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag.
Katharina Dröge (links) und Britta Haßelmann verlassen das Fraktionsbüro des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Kay Nietfeld/dpa
Möglicherweise wird sich die noch amtierende Außenministerin Annalena Baerbock um den Co-Fraktionsvorsitz an der Seite von Dröge bewerben. Allerdings will Haßelmann das Amt gerne behalten. Auch für das Amt des Parlamentsvizepräsidenten, das die Grünen besetzen können, gibt es mehrere Anwärter.

Eric Voigt
Eric Voigt

Bundesregierung will bis zu Machtübergabe Staatsgäste ohne Wahlsieger Friedrich Merz treffen

Die Bundesregierung wird sich mit ausländischen Staatsoberhäuptern und Würdenträgern ohne den Wahlsieger Friedrich Merz treffen, der den Auftrag zur Regierungsbildung hat. Das hat ein Regierungssprecher mitgeteilt. Er fügte hinzu, dass die scheidende Regierung jedoch die wahrscheinliche neue politische Führung Deutschlands bis zur offiziellen Machtübergabe informieren und konsultieren werde

Vor der Übergabe von Angela Merkel an Olaf Scholz im Jahr 2021 hatte die ehemalige Bundeskanzlerin den Wahlsieger Scholz zu einigen internationalen Treffen mitgenommen. Er war damals als Bundesfinanzminister aber auch Teil der Regierung.

Ivana Sokola
Ivana Sokola

Klingbeil warnt Union vor Indiskretion

SPD-Chef Lars Klingbeil hat die Union gebeten, während möglicher Verhandlungen über eine neue Regierung diskret zu bleiben. Die SPD sei bereit zu ernsthaften Unterredungen, antwortete Klingbeil auf eine Frage nach Vorab-Gesprächen etwa über die Finanzierung der Bundeswehr. „Aber dann sollten wir Vorschläge nicht in der Öffentlichkeit diskutieren, sondern so, wie das bei anderen Verhandlungen stattgefunden hat, vertraulich.“ Klingbeil betonte: „Vorschläge, von denen ich öffentlich aus der Zeitung erfahre, die sind automatisch vom Tisch.“

Sarah Kohler
Sarah Kohler

Union hat SPD laut Esken noch keine Sondierungsgespräche angeboten

Nach Angaben der SPD hat die Union der Partei noch kein Gesprächsangebot gemacht. „Wir stehen für Gespräche bereit“, sagte die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken der Nachrichtenagentur Reuters. „Bisher hat sich Herr Merz bei mir noch nicht gemeldet.“ 
SPD-Chefin Saskia Esken
SPD-Chefin Saskia Esken. Michael Kappeler/dpa
CDU und CSU hatten nach ihrem Wahlsieg mehrfach öffentlich angekündigt, dass sie schnelle Verhandlungen und einen Abschluss von Koalitionsgesprächen bis Ostern anstreben. Um mögliche Sondierungsgespräche zu planen, müssten aber zunächst die Parteichefs miteinander in Kontakt stehen – was sie laut SPD offenbar noch nicht tun.