Rakete trifft Wohngebiet in Israel, doch wie durch ein Wunder überleben die Gesamtheit
Eine iranische Rakete schlägt mitten in ein israelisches Wohnviertel in Beer Sheva ein. Dass niemand stirbt, scheint fast unglaublich. Anwohner erzählen von Angst, Zerstörung und der neuen Realität eines Krieges, der Israels
Süden mit voller Wucht trifft.
Ein Arbeiterviertel in Beer Sheva, einer Stadt im Süden Israels. Hier schlug vergangenen Montag gegen 12 Uhr eine ballistische Rakete aus dem Iran ein. Auf einem Handyvideo ist zu sehen, wie Abwehrraketen vergeblich aufstiegen. Und mit was für einer unfassbaren Geschwindigkeit der Gefechtskopf mitten in das Wohngebiet schoss. Todesfälle wurden nicht gemeldet.
Die Menschen in dem Viertel hatten enormes Glück: Die iranische Waffe landete auf dem Sportplatz einer Grundschule – und verfehlte die Wohnhäuser, die nur 60 Meter entfernt liegen, damit knapp. Zudem waren am Montag keine Kinder in der Grundschule – aufgrund des jüdischen Purim-Fests hatten sie schulfrei.
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Allein die Splitter der Rakete reichten aus, um die Häuser in der Umgebung auf lange Zeit unbewohnbar zu machen. Teils wurden ganze Wände herausgerissen, der Blick in viele Wohnzimmer liegt frei.
„Wenn uns jemand angreift, müssen wir uns verteidigen“
Die Attacke zeigt, wie ernst die Bedrohung durch ballistische Raketen aus dem Iran ist. Mosche, der seine Wohnung durch diesen Angriff verlort, erzählt, dass er die selbstgebauten Raketen, die früher oft aus Gaza geflogen kamen, irgendwann nicht mehr ernst genommen habe.
Diese Raketen wurden aus Wasserrohren gebaut, verfügten meist über keinen Gefechtskopf, richteten Schaden durch Gewicht und Geschwindigkeit an. „Ich sage die Wahrheit, bei deren Raketen aus Gaza kann man draußen herumlaufen. Man denkt, die sind wie Knallerchen, als würde einen das nicht mehr berühren“, sagt Mosche.
„Wenn uns jemand angreift, müssen wir uns verteidigen. Das ist unsere Verteidigung, aber sie hat einen Preis, einen sehr schmerzhaften. Und das ist es, was ihr hier seht. Eine ist hier eingeschlagen, und das hat gereicht, damit wir verstehen, was dieser Krieg bedeutet“, ergänzt der 58-Jährige.
Mosches Mutter Nina lebt ebenfalls in einem Haus in Beer Sheva, das durch die iranische Rakete beschädigt wurde, dort flogen die Scheiben raus. Die heute 89-Jährige wanderte 1979 aus der damaligen Sowjetunion nach Israel aus. Noch immer schaut sie meist russischsprachiges Fernsehen und spricht Jiddisch, die Sprache ihrer Kindheit. „Ich hob moire gehat. Sei geweyn alle minit: bum, bum, bum …“ („Ich hatte Angst. Jede Minute nur Bumm Bumm Bumm“), sagt sie.
Ihr Sohn erzählt, dass sie bei Alarm immer die Lichter ausmachen wolle. Sie erinnere sich an den Zweiten Weltkrieg, da habe das gegen die deutschen Bomber geholfen.
„Mit so einem Regime kann man nicht leben“
Mayaan, 27, und ihr Verlobter Yair, 28, schauen sich die Zerstörungen an. Sie sagt: „Meine Cousine wohnte hier. Elektrische Geräte wie Spülmaschinen und Kühlschränke sind durch Splitter und die Druckwelle einfach explodiert.“
Mayaan wanderte vor fünf Jahren aus Mexiko nach Israel ein, Yair vor einem Jahr aus Kanada. Er sagt: „Wir greifen im Iran militärische Ziele an. Die schießen einfach auf alles, was sie treffen können.“ Er zeigt auf die aufgerissenen Zimmer, wo noch Bilder an den Wänden hängen.
„Diese Menschen haben jetzt alles verloren. Mit so einem Regime kann man nicht leben. Daran sieht man, dass unser Krieg notwendig für einen sicheren Nahen Osten ist. Und auch Iraner weltweit feiern das. Wir wollen, dass Menschen aus einem freien Iran aus Teheran uns in Tel Aviv besuchen können. Und wir wollen Teheran besuchen. Wir wollen Frieden.“
Beide wollen am Sonntag heiraten. Ein bisschen Freude und Hoffnung in dunklen Zeiten.
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Source: welt.de