Queere Touristen zu tun sein sich 2026 hinaus raueres gesellschaftliches Klima legen
Die Akzeptanz von nicht-heterosexuellen Reisenden sinkt auch in traditionell liberalen Ländern. Deutschland steigt immerhin um zwei Plätze auf Platz vier der queer-freundlichsten Lädner. Tief gespalten zeigt sich die USA in der Frage, wie willkommen homo- oder transsexuelle Menschen sind.
Polen ist Aufsteiger des Jahres im Ranking des „Gay Travel Index“ 2026. Der Index bewertet seit 2012 die Situation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen, asexuellen sowie queeren Menschen in insgesamt 217 Ländern und Regionen. Nach insgesamt 18 Kriterien, die Plus oder Minuspunkte bringen, bewertet der Index etwa Gesetzgebung, Pressefreiheit, lokale Akzeptanz von Homosexualität bis hin zur strafrechtlichen Bedrohung durch die Todesstrafe in einem Land. Island mit einem Plus von 14 Punkten das freundlichste Land der Welt für „Gay Traveller“, Jemen wieder das unfreundlichste mit Minus 24. Im vergangenen teilten sich noch fünf Länder den Top-Rang: Malta, Spanien, Portugal, Island und Kanada. Diesmal folgen Malta und Spanien auf Rang 2 sowie Belgien, Kanada, Deutschland (gestiegen um zwei Plätze) und Portugal auf Rang 4.
Die Gewinner: Polen und Nepal
Die größten Sprünge nach oben machten Polen und Nepal. Polen kletterte von Platz 118 auf 59, Nepal von Platz 53 auf 32 – als Gründe werden bei Polen die verbesserten politischen Bedingungen für die LGBTQ+-Community (insbesondere bei Trans-Rechten), der gewachsene Schutz vor staatlicher Repression sowie das freundlichere gesellschaftliche Umfeld genannt. Auch Nepal habe durch wachsender gesellschaftlicher Toleranz deutlich an Attraktivität für queere Reisende gewonnen.
Akzeptanz nimmt insgesamt ab
Insgesamt konnten sich Länder vor allem in Europa und in Teilen Lateinamerikas zwar durch progressive Gesetzgebung (etwa Selbstbestimmungsrechte von Trans-Personen) weiter verbessern, auffällig aber ist, dass die gesellschaftliche Akzeptanz („Locals Hostile“) für queere Lebensart selbst in liberalen Vorreiterstaaten wie Kanada, Australien oder Dänemark sinkt. Ein zentrales Muster 2026 ist die Diskrepanz zwischen stabilen oder verbesserten Gesetzen und einem rauer werdenden gesellschaftlichen Klima. Auf den letzten Plätzen des Gay Travel Index liegen alte Bekannte: Afghanistan, Tschetschenien, Saudi Arabien, Iran und Jemen.
Tiefe Spaltung in den USA
Ein besonderer Fokus legt der Index 2026 auf die Entwicklung in den USA. Das Land zeigt sich weiter tief gespalten. Liberale Bundesstaaten wie Delaware, Rhode Island und Michigan haben den Antidiskriminierungsschutz und rechtliche Gleichstellung weiter ausgebaut. Gleichzeitig verschärfen konservative Staaten wie Idaho ihre Gesetzgebung erheblich. Zensurmaßnahmen, Einschränkungen medizinischer Versorgung für Trans-Personen sowie die Blockade oder Abschaffung einer dritten Geschlechtsoption prägen dort die Entwicklung.
Für Reisende bedeutet das: Zwischen einem „Safe State“ und einem feindseligen Umfeld kann nur eine Bundesstaatsgrenze liegen. Während New York State, Kalifornien und Nevada die Liste der LGBTQIA+-freundlichsten Bundesstaaten anführen, bilden Arkansas, Oklahoma und Tennessee das Schlusslicht.
Erstellt und verantwortet wird der Gay Travel Index von Spartacus, eine der ältesten Marken für die internationale LGBTQ+-Reise-Community, und präsentiert wird das Ranking 2026 zum zweiten Mal von der Buchungsplattform Booking.com. Weitere Informationen unter spartacus.travel/blog/spartacus-gay-travel-index.
vc
Source: welt.de