Quartalssaison gestartet: Warum es an dieser Handelszentrum nun spannend wird

Von seinem Rekord ist der Dax noch entfernt, der Kurs dümpelt zum Start der Berichtssaison der größten Unternehmen in Deutschland auf einem Niveau von 24.200 Punkten. Die Anleger in Europa sind skeptisch, während der Dow Jones Industrial in den USA am Dienstag an seinen Höhenflug vom Vortag angeknüpft und im Handelsverlauf abermals ein Rekordhoch erreicht hatte.
„Aus meiner Sicht stehen wir vor den spannendsten Börsenwochen des Jahres“, sagt Robert Greil. Der Chefstratege von Merck Finck verweist dabei unter anderem auf die Inflationsdaten, die für die Entscheidung der US-Notenbank Fed wichtig sind und aufgrund des Shutdowns schon an diesem Freitag statt nächster Woche präsentiert werden. Sollte die amerikanische Inflation spürbar auf mehr als drei Prozent springen, könnte die Fed auf ihrem Zinssenkungspfad doch noch einmal pausieren. Neben der weiteren Shutdown-Entwicklung böten der schärfere Ton in den Zollverhandlungen zwischen den USA und China mit dem Ende des Monats angedachten Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping sowie die US-Zolldeal-Deadline am 10. November Zündstoff für volatilere Märkte.
Greil verweist aber auch auf einen wahrscheinlichen Stabilitätsanker in dieser kritischen Marktphase: „Auf Basis des wohl starken US-Wirtschaftswachstums im dritten Quartal dürften auch die Unternehmensgewinne spürbar schneller als vom Konsens erwartet gestiegen sein, was die Wall Street stabilisieren sollte.“
Nach Handelsschluss in New York haben der Streaminganbieter Netflix und der Chiphersteller Texas Instruments über ihre Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal. Enttäuschende Zahlen von Texas Instruments setzten die europäische Halbleiterbranche unter Druck. Die Kurse von Siltronic, Aixtron, Infineon und ams-Osram gaben zum Teil deutlich nach. Die schwächer als erwartet ausgefallenen Ergebnisse und Prognosen seien ein negatives Signal für die europäischen Wettbewerber, kommentierten Analysten von Citigroup. In Frankfurt sackte der Kurs um acht Prozent ab. Netflix verfehlte wegen unerwarteter Kosten aus einem Steuerstreit mit seinem Gewinn die Erwartungen. Die Erlöse stiegen allerdings dagegen weiter rasant. Der Kurs ging um sieben Prozent zurück.
Kurs von Teamviewer bricht ein
Besonders schlecht erging es den Titeln von Teamviewer. Der Kurs des im M-Dax notierten Softwareunternehmens brach um ein Fünftel auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang ein, nachdem es Umsatzziele kassiert hatte. Der Grund für die Korrektur liege vor allem in der enttäuschenden Entwicklung der jüngst übernommenen britischen IT-Firma 1E, die auf Software zur Erkennung und Behebung von Systemproblemen spezialisiert ist, hieß es.
Richtungsweisend in Deutschland könnten für die Berichtssaison der Dax-Konzerne die Zahlen des Schwergewichts SAP sein. Das Softwareunternehmen veröffentlichte diese nach erst nach dem Redaktionsschluss dieser Zeitung. Dax-Mitglied Adidas hat den Auftakt schon gemacht und die Gewinnprognose für dieses Jahr erhöht. Der Kurs ging dennoch zurück. Nach einer starken Kurserholung seit Anfang September nahmen Anleger offenbar Gewinne mit.
Gut entwickelten sich hingegen Rüstungstitel. Nach dem Börsengang der Thyssenkrupp-Tochter TKMS am Montag stieg der Kurs der Aktie um knapp zwei Prozent. Die Kurse von Renk stiegen um gut fünf Prozent, die von Hensoldt um mehr als vier Prozent.
Gut sah es auch für den Goldpreis aus, der sich nach dem jüngsten Rückgang stabilisierte. Die Feinunze (31,1 Gramm) notiert leicht fester bei 4135 Dollar. Einen konkreten Auslöser für den vorherigen Kursrutsch von mehr als sechs Prozent gab es Händlern zufolge nicht. Das Edelmetall hat sich seit Jahresanfang um mehr als 50 Prozent verteuert.
Source: faz.net