Proteste in Iran: „Wir werden keinen mörderischen Führer loben“
Anfang des Jahres wurden die Demonstrationen in Iran gegen die Regierung brutal niedergeschlagen. Jetzt regt sich erneut Widerstand – vor allem an den Unis. Das Regime will die Proteste im Keim ersticken.
An der Universität Teheran kommt es zu einem Handgemenge zwischen Studierenden und regimetreuen Basidsch-Milizen. „Ihr sei ehrlos“, schleudern Studierende den Basidschis entgegen. Auch anderswo prallen Menschen aufeinander: Vor der Teheraner Alzahra-Universität stehen sich Hunderte Studentinnen gegenüber: für das Regime die einen, dagegen die anderen. Eine regimetreue Studentin hält eine löchrige Flagge hoch und ruft: „Sie haben die heilige Flagge des Iran verbrannt!“
Proteste an mehreren Unis
Bislang sind neue Demonstrationen zumeist auf Hochschulen begrenzt und überwiegend gegen das Regime gerichtet. Überraschend kommen sie nicht. Das neue Semester läuft erst seit ein paar Tagen. Demonstrationen gibt es etwa in Teheran, Maschhad oder Isfahan.
„Lang lebe der König“, rufen Anhänger des Schahs an einer Uni. Auch in Maschhad erinnern sie an die Proteste Anfang Januar mit Tausenden Toten. Das alles dürfe nicht umsonst gewesen sein. Sie rufen: „Wir haben unser Leben nicht gegeben, um Kompromisse einzugehen. Wir werden keinen mörderischen Führer loben.“
Demonstrationen werden massiv unterbunden
Das Regime will neue Proteste im Keim ersticken. Staatliche Bildungseinrichtungen in der Nähe des Präsidentenpalastes in Teheran sollen ohne Ankündigung geräumt worden sein. Woanders werden Studierende, die angeblich mit Protesten zu tun haben, ausgesperrt.
Die Sharif-Universität, so steht es auf der Internetseite der Zeitung Jomnouri Eslami, schickt entsprechende Nachrichten an Studierende: „Nachdem uns ein Verstoß gegen das Studentendisziplinarrecht gemeldet wurde und angesichts der Bedeutung der Aufrechterhaltung von Ordnung und Disziplin an der Sharif-Universität für Technologie, ist Ihnen bis auf Weiteres der Zutritt zur Universität untersagt.“ Für alles Weitere möge man sich an das Sicherheitsbüro der Uni wenden.
Kommt ein Angriff der USA?
Abseits der Proteste an Universitäten herrscht bei vielen Menschen eine Art Lethargie. Sie leben in der Ungewissheit: was als nächstes passieren wird – und wann. So wie Ahmad, ein arbeitsloser Ingenieur, der in einem Café jobbt: „Es passiert nichts Besonderes, aber ich gehe davon aus, dass Trump, sobald die Gespräche gescheitert sind, eine internationale Koalition bildet, um Iran anzugreifen.“
Davon gehen offenbar auch Kräfte des Regimes aus. Immer wieder warnen sie, auf einen Angriff mit voller Härte zu reagieren. Sie beschreiben Szenarien von Raketen, die US-amerikanische Flugzeugträger versenken. Und sie mahnen, jeder Angriff werde auch die Partner der USA in der Region in Mitleidenschaft ziehen.
Weiter Atomgespräche mit den USA
Ob es zu einem Angriff kommt, ist weiter ungewiss. Aus Iran heißt es, man wolle weiter verhandeln. Nur worüber gesprochen wird, dringt nicht durch. „Wir haben keine Aussetzung angeboten und die US-Seite hat keine Null-Anreicherung von Uran gefordert“, so Irans Außenminister Abbas Araghtschi.
US-Unterhändler Steve Witkoff widerspricht bei Fox News. Präsident Trump habe ihm für die Gespräche mit Iran einen klaren Auftrag mitgegeben. Der Iran dürfe nicht länger Uran anreichern: „Es gab rote Linien: Keine Anreicherung mehr!“
Angeblich könnten die Verhandlungen diese Woche in Genf weitergehen, heißt es im Iran. Außenminister Araghtschi meint, es gehe nur darum sicherzustellen, dass „Irans Atomprogramm, einschließlich der Anreicherung, friedlich ist und es für immer bleibt.“
Source: tagesschau.de
