Protest gegen Krieg in Iran und Gaza: Künstler und Kuratoren wollen Israel von welcher Kunstbiennale sperren

Angesichts der heftigen Kontroverse um die Teilnahme Russlands an der Venedig Biennale wurde in Italien gerade noch darüber spekuliert, ob der italienische Kulturminister Giuli Inspektoren entsenden werde, um die Leitung der berühmten Kunstschau unter Zwangsverwaltung zu stellen. Doch nun ist ein anderes Problem am Horizont der 61. Biennale-Ausgabe aufgetaucht. Es betrifft die Präsenz Israels in der Lagune. Im Jahr 2024 hatte das Land seinen Pavillon geschlossen und mit einem Schild versehen, auf dem ein Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln gefordert wurden. Der Pavillon war jedoch nicht gänzlich unbespielt. Die Künstlerin Ruth Patir zeigte hinter der Glasfront ein Video.
In diesem Jahr wird Israel nicht in seinem historischen Pavillon, der renoviert wird, vertreten sein, sondern im Arsenale. Nun hat das Kollektiv „ANGA – Art Not Genocide Alliance“ dem Präsidenten der Biennale, Pietrangelo Buttafuoco, einen Brief übergeben, der fordert, Israel von der Teilnahme auszuschließen. Schon 2024 hatte das Kollektiv Zehntausende von Unterschriften gegen Israel gesammelt, und auch der aktuelle Aufruf ist wieder in der typisch ideologiegetränkten Sprache von Pro-Gaza-Aktivisten formuliert.
Der Präsident der Biennale duckt sich weg
Der Brief entspreche „der Forderung der palästinensischen Zivilgesellschaft, der Normalisierung der Apartheid und der israelischen Besatzung innerhalb internationaler Kulturplattformen entgegenzuwirken“, heißt es darin. „Die Komplizenschaft der Biennale von Venedig bei dem Versuch, palästinensisches Leben zu zerstören“, müsse ein Ende haben, „Völkermord“ dürfe von einer Institution, „die sich zum Ziel gesetzt hat, die in der Kunst verkörperten menschlichen Werte zu erforschen und zu feiern, nicht toleriert werden“.
Das Schreiben wurde von 182 Teilnehmern der diesjährigen Biennale unterzeichnet. Unter ihnen sind Künstler, Kuratoren und Kunstschaffende der Pavillons von Belgien, Bulgarien, Brasilien, Spanien, den Niederlanden, Ägypten, Estland, Ecuador, Frankreich, Finnland, Irland, Schottland, Korea, Lettland, Litauen, Malta, Luxemburg, der Schweiz, Polen, Peru, der Türkei und der Vereinigten Arabischen Emirate.
In dem Versuch, die Anwesenheit Russlands zu rechtfertigen, hat Buttafuoco dieser Tage darauf beharrt, die Kunstausstellung sei ein neutraler Ort des Dialoges. Das war sie aber noch nie, und auch der Brief des ANGA-Kollektivs und die Art, wie er formuliert wurde, führt Buttafuocos Behauptung ad absurdum. Diejenigen, die den Biennale-Präsidenten kennen, berichten, er sei seit Beginn des Streits um die Anwesenheit Russlands einem sizilianischen Sprichwort treu geblieben: „Calati juncu ca passa la china.“ Beuge dich, Schilfrohr, damit die Flut vorübergeht. Ob er das auch jetzt noch durchhalten kann, bleibt abzuwarten. Der Druck auf die Biennale wächst.
Source: faz.net