Prominente Unterstützung: Drogerieunternehmer Roßmann steigt in Elbtower-Bau ein

Noch ist der Elbtower nicht mehr als eine prominente Bauruine am Rande der Hamburger Hafencity. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. Der Immobilienentwickler Dieter Becken hat für seine Pläne einen prominenten und zahlungskräftigen Mitstreiter gefunden: Dirk Roßmann, den 79 Jahre alten Gründer des Drogerieunternehmens Rossmann. Gerüchte dazu hatte es schon an Weihnachten gegeben.

Nun ist durch eine Veröffentlichung des Bundeskartellamts die künftige Eigentümerstruktur des Elbtowers sichtbar geworden. Von der Behörde genehmigt wurde die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, an dem neben Roßmann der Immobilienentwickler Becken, der Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne, die Signal-Iduna-Versicherung sowie das Bauunternehmen Adolf Lupp beteiligt sind. Die Freigabe sei ohne ein förmliches Hauptprüfverfahren innerhalb weniger Wochen erteilt worden, teilte das Bundeskartellamt mit. Der Elbtower war ein Vorhaben des einstigen Immobilienstars René Benko, der mittlerweile im Gefängnis sitzt. Um den Weiterbau des gut 100 Meter hohen Torsos wird gerungen, seit der Bau im Herbst 2023 gestoppt wurde, als Benkos Signa-Holding der Insolvenz entgegen taumelte.

Große Worte des späteren Bundeskanzlers

Die Hamburger nennen die Bauruine spöttisch den „Kurzen Olaf“, weil Olaf Scholz, damals Hamburgs Bürgermeister und später Bundeskanzler, sich sehr für das Projekt von René Benko eingesetzt hatte. „Ich als Bürgermeister möchte, dass die Hamburger sagen, das hat der Scholz gut gemacht… wenn das fertig ist“, soll Scholz bei Vertragsschluss im Jahr 2018 gesagt haben. Als Baukosten waren damals 700 Millionen Euro veranschlagt. Ende 2025 sollte das vom renommierten Architekturbüro David Clipperfield entworfene Gebäude fertig sein. Es sollte 245 Meter hoch werden, also doppelt so hoch wie die Elbphilharmonie am anderen Ende der Hafencity und nur wenig niedriger als der Frankfurter Messeturm oder die Commerzbank.

Die Suche nach privaten Investoren für den Fertigbau des Elbtowers nach dem Niedergang des Benko-Imperiums verlief weitgehend erfolglos. Seit Projektbeginn sind nicht nur die Baukosten erheblich gestiegen. Auch ist der Bedarf an Büroflächen, welche einen Großteil des Gebäudes ausmachen sollten, gesunken. Die Stadt Hamburg verwies vielfach darauf, dass es sich um ein privates Projekt handele. Mittlerweile aber gibt es doch sehr konkrete Pläne mit städtischer Beteiligung. Eine Eckpunktevereinbarung vom Oktober 2025 sieht vor, dass in den unteren 12 Stockwerken des Elbtowers ein Naturkundemuseum sowie zugehörige Forschungseinrichtungen untergebracht werden sollen, für die die Stadt sowieso ein Gebäude stellen muss.

Sofern eine Einigung mit dem Investorenkonsortium, dem Insolvenzverwalter sowie der Politik erzielt wird, könnte der Elbtower bald weitergebaut werden. Dabei ist aktuell geplant, den Turm nur bis auf 199 Meter Höhe zu errichten. Das wäre deutlich niedriger als im Ursprungsentwurf. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ging zuletzt von einer Fertigstellung des Elbtowers und vom Einzug des geplanten Naturkundemuseums bis Ende 2029 aus: „Die Baugenehmigungen liegen ja im Prinzip schon vor.“

War es das Naturkundemuseum, das Roßmann anzog?

Ob es das Naturkunde-Projekt war, das den Drogeriemarkt-Pionier Dirk Roßmann dazu veranlasste, sich der Investoren-Runde anzuschließen, ist nicht bekannt. Der Gedanke ist naheliegend, weil der Unternehmer auch als Autor einer Thriller-Trilogie rund um die Klimakrise bekannt geworden ist.  Auch Sachbücher zu diesem und anderen gesellschaftlichen Themen  hat er verfasst. Allerdings ist Dirk Roßmann auch schon auf ganz anderen Feldern aufgefallen, nämlich als Großinvestor des Hamburger Kupferkonzerns Aurubis – wobei er stets betont hat, das Engagement als reine Geldanlage zu betrachten. Aus der Rossmann-Zentrale hieß es auf Anfrage der F.A.Z., Dirk Roßmann wolle sich aktuell nicht zum Thema Elbtower äußern, es sei noch vieles unklar.