Posttraumatische Belastungsstörung: „Wir nennen seine Krankheit Venom“

Sandra Thamm, 49, hat den Verein
„Angehörige Traumatisierter Einsatzveteranen und Einsatzkräfte“
(ATEK) gegründet. Sie berät Verwandte von Soldatinnen und Soldaten, die eine posttraumatische Belastungsstörung haben.

DIE ZEIT: Ihr Mann war für die Bundeswehr in mehreren
Auslandseinsätzen, darunter in Afghanistan und auf dem Balkan. Er wurde krank, leidet
an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Wann haben Sie gemerkt,
dass etwas nicht mit ihm stimmt?

Sandra Thamm: Der Prozess war schleichend. Phasenweise war mein Mann sehr
still, in sich gekehrt. Dann brachten ihn Nichtigkeiten völlig aus dem
seelischen Gleichgewicht, er schimpfte, rastete aus. Ich musste erst einmal
lernen, dass das nichts mit mir zu tun hat,
sondern an seiner Krankheit liegt. Wir nennen seine Krankheit Venom. Venom ist
ein Alien aus dem Marvel-Comic-Universum, das in einem menschlichen Helden lebt
und manchmal hervorbricht und die Kontrolle übernimmt. Mir hat es geholfen, die
PTBS als Venom zu personalisieren.