Porsche meldet drastischen Gewinneinbruch – Vorstände umziehen beim Jahresbonus leer aus

Verkaufsminus in China, hohe Kosten für ein Verbrenner-Comeback, US-Zölle: Die Bilanz von Autohersteller Porsche für 2025 fällt miserabel aus. Das hat auch Konsequenzen für die Vorstandsvorsitzenden: Ihre Boni fallen auf null Euro.

Die schlechten Jahreszahlen von Porsche haben auch für das Management Folgen: Die Vorstände des Sport- und Geländewagenherstellers erhalten für 2025 keinen Jahresbonus. Für alle Manager, die im vergangenen Jahr dem Gremium angehörten, wies der Vergütungsbericht des Stuttgarter Unternehmens in dieser Zeile null Euro aus.

Die Vergütung von Porsche-Vorständen setzt sich aus Grundgehalt und einem variablen Teil zusammen. Der Jahresbonus soll Anreize schaffen, „ambitionierte Ziele zu verfolgen“ und so die Ertragskraft des Unternehmens zu stärken. Die Höhe des Bonus ist unter anderem an bestimmte Finanzkennzahlen gekoppelt und hängt davon ab, inwieweit die für das jeweilige Geschäftsjahr gesetzten Ziele erreicht wurden. Die Ziele legt der Aufsichtsrat fest.

Für seine zwei Jobs an der Spitze von Volkswagen und Porsche erhielt Oliver Blume im vergangenen Jahr gut 7,4 Millionen Euro. Davon kamen etwa 1,9 Millionen Euro von Porsche. Die Summe umfasst neben dem Grundgehalt auch die Altersvorsorge und langfristige Zahlungen, unter anderem für den Porsche-Börsengang. 2024 hatte er noch rund drei Millionen Euro mehr verdient. Seit Jahresbeginn konzentriert sich Blume auf den Chefposten bei Volkswagen, in Stuttgart-Zuffenhausen hat Michael Leiters übernommen.

„Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen“

Zuvor war bekannt geworden, dass der Gewinn des Sportwagenbauers Porsche 2025 fast vollständig von hohen Kosten aufgezehrt wurde. Das Ergebnis nach Steuern brach demnach im Jahresvergleich um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen mitteilte. 2024 hatten die Stuttgarter unter dem Strich noch fast 3,6 Milliarden verdient. Der Umsatz sank im vergangenen Jahr um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro.

Das Debakel im China-Geschäft, ⁠Belastungen durch US-Importzölle ​und den ‌Strategieschwenk bei der Elektromobilität ließen den operativen Gewinn stark schrumpfen. Der im Januar angetretene neue Vorstandschef Michael Leiters muss das Steuer herumreißen mit weiteren Einsparungen und der Neuausrichtung des Modellangebots. „Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen, das Unternehmen schlanker, ‌schneller und die Produkte noch begehrlicher machen“, erklärte ⁠er. ​Das Produktportfolio solle in margenstärkeren Segmenten ausgeweitet werden.

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Porsche schlägt für das abgelaufene Geschäftsjahr eine deutlich geringere Dividende von 1,01 Euro je Vorzugsaktie (Vorjahr: 2,31 Euro) und von 1,00 je Stammaktie vor.

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Ex-Porsche-Chef Oliver Blume hat daher vor seinem Abgang noch die Strategie umgekrempelt – mehr Verbrenner im Angebot sollen wieder Schub geben. Doch die Kehrtwende nach der Verbrenner-Verlängerung kostet erst einmal richtig Geld.

Allein dafür fielen rund 2,4 Milliarden Euro an. Zusätzlich belasteten die Abwicklung der Batterie-Tochter mit rund 700 Millionen Euro – und die US-Zölle mit etwa demselben Betrag. Insgesamt macht das demnach Sonderkosten von rund 3,9 Milliarden Euro.

Der operative Gewinn sackte um 92,7 Prozent auf 413 Millionen Euro ab. Im Autogeschäft – also ohne Finanzdienstleistungen – lag der operative Gewinn sogar lediglich bei 90 Millionen Euro. 2024 waren es noch rund 5,3 Milliarden Euro, wie aus der Bilanz der Konzernmutter Volkswagen hervorgeht.

Porsche erwartet für das laufende Jahr zwar wieder bessere Geschäfte. Das Management um den neuen Unternehmenschef Leiters rechnet aber weiterhin mit „sehr herausfordernden Marktbedingungen“ und geopolitischen Unsicherheiten. Potenzielle Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten seien nicht berücksichtigt. Leiters hat zu Jahresbeginn die Nachfolge von Blume angetreten, der sich seitdem auf die Führung der Konzernmutter Volkswagen konzentriert.

dpa/Reuters/ll/krott

Source: welt.de