Politische Filme und politische Kommentare stempeln die Oscar-Gala

Jessie Buckley

Stand: 16.03.2026 • 09:17 Uhr

Sechs Oscars – „One Battle After Another“ war der Gewinner des Abends. Für „Blood & Sinners“ gab es immerhin vier Trophäen. Die Gala konnte als Liebeserklärung an das Kino gelesen werden, das im Umbruch steckt.

Conan O’Brien eröffnete die Oscarverleihung mit einer Anspielung auf Künstliche Intelligenz, die auch das Filmgeschäft gerade verändert. Und sprach auch gleich die Epstein-Files an.

„Seit 2012 sind keine britischen Schauspieler mehr für die besten Hauptrollen nominiert worden. Ein britischer Sprecher hat aber gesagt: Zumindest verhaften wir unsere Pädophilen“, so O’Brien – ein Hinweis auf die jüngsten Festnahmen des ehemaligen Botschafters Mandelson und des früheren Prinzen Andrew.

Film: Parallelen zur Lage in den USA

Ein anderer, der für politische Kommentare bekannt ist, war nicht da: Sean Penn. Er gewann seinen dritten Oscar als bester Nebendarsteller für seine Rolle in „One Battle After Another“, war aber nicht bei der Verleihung. Nichts Neues, er ist kein Fan von Award-Shows. „One Battle After Another“ war dennoch der präsenteste Film – und gewann sechs Oscars.

Leonardo di Caprio spielt darin einen linksextremen Revolutionär, der langsam älter wird. Viele sehen in dem Film Parallelen zur aktuellen Lage in den USA. „One Battle After Another“ wurde als bester Film des Jahres ausgezeichnet und gewann auch den erstmals vergebenen Preis für das beste Casting. Paul Thomas Anderson wurde dabei gleich mehrfach ausgezeichnet. Für seine Regie, sein Drehbuch – und er ist auch Produzent des Films.

Ich bin hier, weil Menschen an mich geglaubt haben und mir Zeit gelassen haben. Das Beste am Film ist: Mit Menschen zusammen zu sein. Wir brauchen uns.

Paul Thomas Anderson

16 Nominierungen für „Blood & Sinners“

16 Oscar-Chancen hatte „Blood & Sinners“: Mehr hatte noch kein Film zuvor. Am Ende gab es vier Trophäen. „Blood & Sinners“ ist ein Mix aus Historien-Musik-und Vampir-Slasher-Film. Er feiert den Einfluss der Schwarzen Kultur auf die USA.

Autor und Regisseur Ryan Coogler gewann den Oscar für das beste Original-Drehbuch. Michael B. Jordan erhielt den für die beste Hauptrolle. In seiner Dankesrede dankte er auch schwarzen Schauspielern. „Ich bin hier, weil ihr vor mir da wart“, so Jordan.

Bester internationaler Film aus Norwegen

„Sentimental Value“ aus Norwegen gewann die Auszeichnung als bester Internationaler Film. Stellan Skarsgård spielt einen Vater, der das schwierige Verhältnis zu seinen zwei Töchtern verbessern will. Auch eine Berliner Produktionsfirma war an „Sentimental Value“ beteiligt.

Eine andere deutsche Co-Produktion gewann den Oscar für die beste Dokumentation: „Ein Nobody gegen Putin“. Es geht um einen russischen Lehrer, der sich über den staatlich vorgeschriebenen Lehrplan hinwegsetzt. Regisseur ist der Amerikaner David Borenstein. Er sagte, ein Land gehe dann verloren, wenn man sich zum Komplizen mache, „wenn die Regierung Menschen auf der Straße ermordet – und wenn wir nichts sagen, wenn Oligarchen die Medien übernehmen und kontrollieren wie wir sie machen und konsumieren.“

Liebeserklärungen an Mütter – und ans Kino

Als beste Nebendarstellerin wurde Amy Madigan geehrt. Sie ist 75 Jahre alt und gewann den Oscar für ihre Rolle in „Weapons“, wo sie eine Horror-Hexe spielt. Die irische Schauspielerin Jessie Buckly gewann den Oscar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle der Anges Shakespeare in „Hamnet“. Den Preis widmete sie ihrer Mutter.

Die ganze Show war eine Liebeserklärung ans Kino und vor allem auch an die menschliche Kreativität. Es seien Menschen gefeiert worden, nicht KI, wurde verkündet. Die Show war auch durchzogen von politischen Momenten, wie einem Statement von Javier Bardem. Er rief: „Free Palestine“

Die Oscar-Verleihung fällt in eine Zeit, in der sich Hollywood und die USA radikal verändern. Moderator O’Brien fasste es so zusammen: „Wir ehren heute die weltweite Kunst – der Zusammenarbeit, Resilienz, Geduld und der seltensten Qualität heutzutage: Optimismus.“

Source: tagesschau.de