Politikberater Bahbah im Interview: Enttäuschte Emirate, Wut aufwärts Trump

Rauch am Himmel nach Explosionen in Doha, Katar


interview

Stand: 11.03.2026 • 17:02 Uhr

Der Politikberater Bahbah machte 2024 für Trump Wahlkampf, später vermittelte er in dessen Namen im Gaza-Krieg. Nun übt er deutliche Kritik am Präsidenten und warnt vor einem schwindenden Einfluss der USA in der Golfregion.

tagesschau.de: Wie blicken Sie auf diesen Krieg?

Bishara Bahbah: Dies ist in Wirklichkeit Israels Krieg. Israel hat den Zeitpunkt des Krieges bestimmt. Israel war es, das die Vereinigten Staaten dazu angestiftet hat, Iran anzugreifen. Kurz gesagt: Ich sehe kein klares Ziel der USA. Jüngste Meinungsumfragen zeigen, dass 56 Prozent der Amerikaner diesen Krieg ablehnen. Eine überwältigende Mehrheit der Demokraten und sogar 20 Prozent der Republikaner sind gegen den Krieg. Es gibt also keinerlei Appetit auf diesen Krieg.

Die Iraner haben mit einer Ausweitung des Krieges reagiert: Sie haben benachbarte arabische Länder angegriffen und sogar Zypern. Sie sahen sich existenziell bedroht und entschieden sich deshalb, alle US-Basen in den Golfstaaten anzugreifen.

Wir erleben eine dramatische Ausweitung des Krieges. Eine weitere wäre katastrophal, wobei – Iran würde das begrüßen, weil es jetzt nichts mehr zu verlieren hat. Trump hingegen würde einen kurzen Krieg wollen und sich gegen eine Verlängerung des Krieges sträuben.

„Keine nukleare Bedrohung“

tagesschau.de: Trump hat den Angriff unter anderem damit begründet, dass sich die USA verteidigen müssten. Iran habe kurz vor Atomwaffen gestanden. Was halten Sie von der Aussage?

Bahbah: Ich werde häufig darauf hingewiesen, dass die US-Regierung nach dem Zwölf-Tage-Krieg erklärt hat, Irans nukleare Fähigkeit sei ausgeschaltet worden. Und, was ist in der Zeit danach passiert? Ich glaube nicht, dass Iran nach einer Atomwaffe strebte. Irans ballistische Waffen sind eine ernsthafte Bedrohung. Aber es gibt keine nukleare Bedrohung durch Iran.

Wird arabisches Geld aus den USA abgezogen?

tagesschau.de: Welche Auswirkungen haben die Angriffe auf die Golfstaaten, in denen Sie viel Zeit als Vermittler verbringen?

Bahbah: Die Golfstaaten haben Hunderte Milliarden, wenn nicht Billionen Dollar ausgegeben, um sich mit US-Waffen zu bewaffnen und den Vereinigten Staaten zu erlauben, Militärbasen in diesen Ländern zu bauen. Dennoch erlebten sie iranische Angriffe, während Israel größtenteils geschützt wurde. Die Priorität lag also beim Schutz Israels.

Sie könnten jetzt denken: Warum haben wir so viel für Schutz aus den USA bezahlt, aber wenn es darauf ankommt, gibt es keinen Schutz.

Es ist klar geworden, dass der einzige Verbündete der USA Israel ist – und die anderen nicht zählen. Und genau darüber sind die arabischen Hauptstädte im Moment sehr wütend. Es gibt sogar Gespräche darüber, die Billionen an arabischem Geld aus den Vereinigten Staaten abzuziehen und stattdessen eine neutralere Rolle zu spielen.

tagesschau.de: Aber das liegt doch nicht im Interesse von Trump?

Bahbah: Natürlich nicht. Deshalb wird er versuchen, so schnell wie möglich aus dieser Situation herauszukommen. Das Klügste wäre, diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden – allein schon wegen des Sicherheitsgefühls der wohlhabenden arabischen Nachbarn Irans. Am Ende sehe ich einen schwindenden Einfluss der Vereinigten Staaten im Golf.

tagesschau.de: Welche Rolle spielen die Kurden?

Bahbah: Die Kurden bekommen ihre Waffen von Israel. Sie befinden sich in einem Dreieck zwischen Iran, Irak, Türkei und Syrien. Es gibt kurdische Bestrebungen, einen eigenen Staat zu gründen. Sollte so etwas jemals passieren, würde das diese vier Länder destabilisieren.

Wenn es irgendeine Art von Bodeneinsatz geben sollte, werden es wahrscheinlich weder US- noch israelische Truppen sein. Höchstwahrscheinlich wären es kurdische Kräfte. Die USA und Israel würden die Kurden bewaffnen, aber keine eigenen Soldaten am Boden einsetzen.

Pahlavi – „das ist eine romantische Vorstellung“

tagesschau.de: Bei einem Teil der Iraner, sowohl im Inland wie in der Diaspora, gibt es große Hoffnung, dass das Regime kippt. Der Name dieser Hoffnung ist Reza Pahlavi. Ist das eine romantische Vorstellung oder gibt es eine realistische Chance für seine Rückkehr?

Bahbah: Das ist eine romantische Vorstellung. Als Trump sich mit Reza Pahlavi traf, war er nicht beeindruckt und glaubte nicht, dass er ein starker Führer für die nächste Phase wäre.

Ich glaube daher nicht, dass die USA denken, sie könnten einen Regimewechsel herbeiführen oder durchsetzen. Das wird aus Sicht der USA nicht passieren. Die Israelis hingegen sind natürlich an einem Regimewechsel interessiert. Deshalb halte ich die Vorstellung von der Rückkehr des Schahs nach Iran für fehl am Platz und für sehr optimistisch und romantisch.

„Iran ist anders als Venezuela“

tagesschau.de: Vielleicht brauchten die USA und Israel Reza Pahlavi, damit die Menschen in Iran die Angriffe begrüßen.

Bahbah: Aber ich glaube trotzdem nicht, dass ein Regimewechsel wahrscheinlich gewesen wäre. Die USA und Israel gehen bei ihren Angriffen strategisch vor. Natürlich wäre es aus US-israelischer Perspektive schön gewesen, wenn Angriffe auf die Ajatollahs zu einem Regimewechsel geführt hätten – aber das ist nicht passiert und war auch nicht wahrscheinlich. Iran ist sehr anders als Venezuela.

In Venezuela hat man Maduro und seine Frau entfernt und plötzlich war der Rest der Regierung akzeptabel. Ein solches Szenario ist im Iran sehr unwahrscheinlich.

tagesschau.de: Zugleich ist der Konflikt um Gaza nach wie vor ungelöst – trotz Waffenruhe. Vermitteln Sie noch zwischen der Hamas und dem Weißen Haus?

Bahbah: Ja. Die Menschen sagen mir: Wir leben immer noch in Zelten. Wir haben immer noch kein Essen. Wir haben keine Jobs. Es gibt keine angemessene medizinische Versorgung. Es ist wie im Krieg. Also können wir genauso gut im Krieg sein.

Die amerikanische Seite sagt: Wir kümmern uns um alles. Auf palästinensischer Seite habe ich nachgefragt, und dort heißt es: Niemand kümmert sich um irgendetwas. Ich war als Vermittler in die Verhandlungen eingebunden. Wir haben einen Waffenstillstand erreicht, den Israel täglich verletzt.

Das Interview führte Isabel Schayani, WDR.

Source: tagesschau.de