Plan von Verlagen: Ein neuer Pressevertrieb pro Deutschland

Im deutschen Pressevertrieb vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Das Bundeskartellamt teilte am Mittwoch mit, es billige die Pläne der Arbeitsgruppe „Fit for Future“ (FFF) für eine neue Struktur des Pressevertriebs. An die Stelle der bisherigen 13 Regionalgrossisten, die in ihren Verteilgebieten zum Teil Monopole besaßen, tritt die „Presse-Grosso-Allianz“ (PGA) als zentraler Pressegroßhändler für ganz Deutschland. Gesellschafter der Allianz wird eine Holding, der Verlage und Grossisten angehören.

Bundeskartellamt: „vorerst keine weiteren Maßnahmen“

Die PGA regelt den Ein- und Verlauf von Pressetiteln und vergibt Vertriebsverträge an Partnerunternehmen, die als technische Dienstleister fungieren. Die maßgeblich von Verlagen erdachte und gesteuerte „Allianz“ löst das jahrzehntealte System der eigenständig agierenden Grossisten – also der Zwischenhändler und Lieferanten, die Einzelhändler mit einem Presseangebot ausstatten – ab und ist entsprechend umstritten. Die Grossisten verlieren ihr Geschäft und sehen den diskriminierungsfreien Zugang zum deutschen Pressemarkt, für den sie bürgten, bedroht. Die Mitglieder der Allianz wiederum legen dar, das sie genau dafür sorgen werden und effizienter seien. Ob die Pläne der Arbeitsgruppe FFF dafür bürgen, hat das Bundeskartellamt geprüft und – keine Einwände mehr. Nach bestimmten Änderungen am Konzept werde man „vorerst keine weiteren Maßnahmen ergreifen“.

„Zwei Punkte standen im Mittelpunkt unserer Prüfung“, sagte der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt: „Der Pressevertrieb muss diskriminierungsfrei für alle Verlage erfolgen, und Presseprodukte müssen bundesweit – auch in weniger dicht besiedelten Regionen – weiterhin verfügbar sein. Nach mehrfacher Marktkonsultation liegt nun ein Konzept vor, das diesen Anforderungen gerecht wird. Außerdem ist sichergestellt, dass die Konditionen für den Vertrieb der Presseerzeugnisse bis Ende 2030 stabil bleiben.“

Alle Verlage sollen sich beteiligen können

Man gewährleiste, sagte das Bundeskartellamt, dass „sich alle Presseverlage – je nach Größe direkt oder indirekt – an der PGA beteiligen können“. Vorgesehen sei zudem „eine unabhängige Clearingstelle, an die sich Einzelhändler und Verlage bei Beschwerden wenden können“. Zudem erfolge „die Zusammenstellung der auszuliefernden Pressesortimente durch eine gesonderte, verlagsunabhängige Gesellschaft“, um die „Neutralität der Sortimentsauswahl sicherzustellen“.

Die „Allianz aus elf kleinen, mittleren und großen Zeitungs- wie Zeitschriftenverlagen und der vier Systempartner aus dem Presse-Grosso“ werde nun die Arbeit an der im November 2024 angekündigten Reform des Pressevertriebs fortsetzen, teilte die Arbeitsgruppe FFF mit, kaum dass die Entscheidung des Bundeskartellamts verkündet worden war. Bis spätestens Ende dieses Jahres werde die vom Kartellamt gebilligte PGA gegründet, an deren System sich jeder Presseverlag in Deutschland gesellschaftsrechtlich beteiligen könne. Von 2027 an solle die Allianz operativ tätig werden. Man werde die „Systemkosten senken, Handelsspannen stabil halten, Abläufe vereinfachen und so dazu beitragen, die einzigartige Pressevielfalt in Deutschland zu erhalten“, der „diskriminierungsfreie Marktzugang und die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit gedruckten Presseprodukten ist im neuen System sichergestellt“, verspricht „Fit for Future“.

Zur Verlagsallianz FFF gehören Axel Springer, Bauer Media Group, Burda Verlag, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Funke Mediengruppe, Gruner + Jahr, Spiegel-Verlag, Süddeutsche Zeitung, Martin Kelter Verlag, Mediengruppe Klambt, VF Verlagsgesellschaft – sowie als Systempartner die Grossisten 4Press, Qtrado, PVG und Trunk und der Presseservice Nord.

Presse-Grossisten: „Ende der Presse-Vielfalt“

Auf die Idee, den Pressevertrieb umzugestalten, waren die Verlage gekommen, weil ihnen die Zusammenarbeit mit den 13 regionalen Grossisten als zunehmend ineffizient und zu teuer erschien. Die Grossisten entgegneten, sie arbeiteten an einer strafferen Struktur und boten den Verlagen an, sich mit 25 Prozent an einer Servicegesellschaft zu beteiligen. Ende 2024 formulierten die Grossisten in ihrer sogenannten „Kölner Erklärung“, die Pläne von „Fit for Future“ bedeuteten das Ende der Pressevielfalt am Kiosk. Der „Pressevertrieb der Zukunft“ müsse „frei von einem beherrschenden Einfluss von Verlagen“ bleiben, die von der Verlagsallianz erdachte Struktur sei „aus der Verantwortung für den im allgemeinen Interesse liegenden Sortimentsvertrieb nicht akzeptabel“, sie gefährde „den diskriminierungsfreien Zugang für alle Titel und damit die Pressevielfalt in der Fläche“. Die Zahl der „belieferten Einzelhändler und damit die Sichtbarkeit für Titel von kleinen und mittleren Verlagen sowie von regionalen Tageszeitungen“ werde „spürbar zurückgefahren“ (F.A.Z. vom 7. und 13. November 2024).

Diese Vorwürfe wiesen die Verlage zurück: Ihr System werde effizienter sein und die Vielfalt der ausgelieferten Pressetitel garantieren. Durch das Plazet des Bundeskartellamts zu ihren Plänen dürfen sich die Verlage bestätigt sehen. Für die Leserinnen und Leser von Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen und die Einzelhändler wird entscheidend sein, ob das neue System so gut funktioniert wie das alte (oder womöglich besser) und – wie sich der Übergang gestaltet, schließlich verlieren die bisherigen Presselieferanten ihre bisherige Position.

Source: faz.net