Philipp Rösler: „Empathie ist eine absolute Stärke“

DIE ZEIT: Herr Rösler, Sie waren von 2011 bis 2013 Bundesvorsitzender der FDP, sind dann zurückgetreten und haben sich aus der Politik verabschiedet. Heute haben Sie ein Beratungsunternehmen und leben in der Schweiz. Wie schauen Sie auf Deutschland?

Philipp Rösler: Ich sehe ein Land, das viel pessimistischer ist, als die Situation es rechtfertigt. Es stimmt, manches funktioniert nicht mehr so gut wie früher, vor allem, was die Infrastruktur angeht, Schulen, Straßen, die Bahn. Also da, wo der Staat eine Kernaufgabe hat. Aber wenn man viel durch die Welt reist, stellt man fest: Deutschland wird immer noch bewundert. Zu meiner Zeit als aktiver Politiker stand Deutschland weltweit als Volkswirtschaft auf Platz vier. Jetzt sind wir auf Platz drei. In einer wachsenden Weltwirtschaft hat sich Deutschland also sogar noch um einen Platz verbessert. Darauf weist hier allerdings kaum jemand hin oder ist gar stolz. Ich bin oft in Vietnam. Dort leben 100 Millionen Menschen, das Durchschnittsalter ist 33, die Leute sind dort neugierig, unternehmerisch und vor allem optimistisch, das ist eine Aufbruchsgesellschaft.