Pete Hegseth: Trumps Kreuzritter

Als Donald Trump den früheren Fox-News-Moderator Pete Hegseth als Verteidigungsminister nominierte, kannte er dessen Profil: politisch unerfahren, aber ideologisch nationalistisch. Ein groß gewachsener Mann mit Fernsehgesicht und markigen Sprüchen. Eine Erscheinung nach dem Geschmack des Präsidenten.
Hegseth sollte das Militär von aller „Wokeness“ befreien, es aus den Fängen des „tiefen Staates“ holen. Ein Pentagonchef, der in Friedenszeiten den Blick nach innen richtet. Schon dafür hielten viele Hegseth für ungeeignet. Drei republikanische Senatoren stimmten bei der Bestätigung gegen ihn, nur die Tiebreak-Stimme von Vizepräsident J. D. Vance konnte Hegseth über die Ziellinie schleifen.
In der Öffentlichkeit war der frühere Nationalgardist lange glücklos. Da waren Berichte über die sexuelle Nötigung einer Frau im Jahr 2017, über Alkoholmissbrauch, die Veruntreuung von Spendengeldern für Veteranen. Im vergangenen Dezember kam die Signal-Chat-Affäre hinzu, in der hohe Sicherheitsbeamte sensible militärische Informationen geteilt hatten. Es sah aus, als könnte Trump seinen Verteidigungsminister austauschen. Dann kam der Irankrieg. Und mit ihm Hegseth im Anzug am Podium im Pentagon.
„Make War Sexy Again“
Der Minister bricht in seinen Pressekonferenzen mit allen Regeln der Kriegskommunikation. Statt nüchterner Lagebeschreibungen lässt er Tod und Zerstörung vom Himmel regnen, reimt sich Parolen zusammen und verhöhnt „politisch korrekte Kriege“. In seiner Umkleidekabinenrhetorik der Sieger, der Dominanz und Stärke, gibt es keine Fehler, nur falsche Berichterstattung bösartiger Medienhäuser. Hegseths Analysen lauten etwa, es gebe nur eines, was den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus verhindere, und das seien Irans Angriffe auf Schiffe. Sonst sei die Passage offen für den Handel. So kann man es formulieren.
Für Trump dürfte all das jedoch Beweis dafür sein, den richtigen Mann für den Job ausgesucht zu haben. Make War Sexy Again. Der Präsident hat kein Interesse an lahmen Fakten. Er selbst widerspricht sich, wenn es um die Lage und die Ziele in Iran geht. Was er braucht, ist ein Vorkämpfer für die eigene Sache. Den hat er in Hegseth. Dessen patriotische Parolen versteht jeder. Gewürzt mit christlichem Nationalismus – Hegseth nennt sich einen amerikanischen Kreuzritter – deckt das einen großen Teil von Trumps Basis ab.
Als der Minister jüngst darum betete, jede Kugel möge das feindliche Ziel treffen, schaltete sich sogar der Papst ein. Er nannte Hegseth nicht beim Namen, aber wem sonst sollte die Kritik Leos XIV. an kriegstreiberischen Gebeten gegolten haben?
Loyalität gilt in dieser Administration mehr als Integrität. Hegseth ist Trumps treuer Verkäufer des Irankriegs. Kein Wunder, dass er sich enttäuscht gezeigt haben soll, dass der nun bald zu Ende gehen könnte.
Source: faz.net