People & Culture: Diese Jobprofile sind im Modemarkt gesucht

Wo sind die Gehälter höher, wo sind sie niedriger geworden? Der Gehaltsreport von Nigel Wright gibt Einblicke.
Ein Blick auf die Entwicklung der Gehälter in den Branchen Fashion, Beauty und Lifestyle ist nicht nur spannend, um sich selbst einzuordnen. Der Gehaltsreport von Nigel Wright, der der TW exklusiv vorliegt, offenbart auch, was die Branche umtreibt – und welche Berufe davon profitieren.
„Die Operations-Profile sind die klaren Gewinner, hier ziehen die Gehälter spürbar an“, bringt es Katrin Malzkorn, Associate Director bei der Personalberatung Nigel Wright, auf den Punkt. Am stärksten ist der Zuwachs bei den Supply Chain Managern. Ihr jährliches Fixgehalt – Boni, Sachleistungen wie Firmenwagen oder Mitarbeiterbeteiligungen sind nicht Bestandteil des Reports – lag Anfang 2026 bei 120.000 Euro. Das ist ein Viertel mehr als im Vorjahr.
Zur Person
Allgemein sei die Nachfrage nach Fach- und Führungskräften in der Modebranche derzeit gesunken, Positionen würden nach Ausscheiden eines Angestellten nicht mehr eins zu eins nachbesetzt, sondern eher zusammengelegt. „Auf der anderen Seite spüren wir schon, dass das ganze Management-Team hinterfragt und schneller ausgewechselt wird“, berichtet Malzkorn. Da die Modebranche tief in der Transformation stecke, seien Talente gesucht, die einen Wandel umsetzen können und gegebene Strukturen mit dem Digitalen verknüpfen. Erfolgreiche Unternehmen suchten in erster Linie nach Mitarbeitenden, die ihnen helfen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln.
„All das führt dazu, dass Standardpositionen wegfallen und dafür neue entstehen“, fasst die Personalberaterin zusammen. Mit Standardpositionen ist alles gemeint, das nicht direkt auf die Produktivität einzahlt, etwa klassische Verwaltungsstellen, bürokratische Themen. Der ganze Wasserkopf eben. „Gesucht sind hingegen Personen, die Silos aufbrechen und Bereiche miteinander verzahnen“, sagt Malzkorn.
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Um diese Menschen zu finden und im Idealfall mit ihrer Hilfe Kosten einzusparen, ist die unter Druck stehende Branche bereit, zunächst einmal mehr zu investieren. Wie die üppigen Gehaltssteigerungen bei den Operations-Profilen eindeutig zeigen. Nicht nur die geopolitische Lage rückt die Lieferkette in den Fokus, sondern auch der Umstand, dass in vielen Organisationen hier noch Einsparpotenzial bestehe. Unendlich sind die Investmentmöglichkeiten allerdings nicht. Fixgehälter, wie sie Operations-Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel oder der FMCG-Branche gewohnt sind, können Modeunternehmen nicht bieten. „Sie können aber damit argumentieren, dass Führungskräfte hier noch einen höheren Gestaltungsspielraum und einen unmittelbaren Einfluss auf die Wertschöpfungskette haben“, rät Malzkorn. Das liege an den kürzeren Berichtslinien und der engen Verzahnung mit den Planungsprozessen, in denen aktuell viele Transformationen stattfänden.
Flächen-Flucht
Ganz anders als bei Operations sieht es im Marketing aus. Hier ist das durchschnittliche Fixgehalt 2026 um 0,3% gesunken. Das zeigt, dass es ein Überangebot dieser Profile auf dem Markt gibt, Arbeitgeber in einer guten Verhandlungsposition sind. Allerdings betreffe das vor allem das klassische Marketing, schränkt Malzkorn ein, und erzählt: „Ich habe kürzlich einen CMO-Posten besetzt, der stark aus dem CRM kam. Alles, was datengetrieben und zusätzlich ganz eng mit dem Digitalen verzahnt ist, ist gefragt.“ Es sei ein neuer Ansatz der Vermarktung, stärker vom Kunden auszugehen und alle Kanäle zu verknüpfen, Stichwort Omnichannel. Dabei fallen viele Marketeers aus dem Raster.
Von allen gesucht würden hingegen Mitarbeitende für die Fläche. Dennoch stagnieren die Gehälter im Bereich Retail. Ihre Erklärung: „Die Bereitschaft der Mitarbeitenden, im Retail eingesetzt zu werden, sinkt. Viele gehen lieber ganz raus aus dem Einzelhandel.“ Wochen mit fünf bis sechs, meist sehr langen Arbeitstagen schreckten viele ab. Malzkorn empfiehlt, sich flexibler und individueller aufzustellen, etwa mit der Vier-Tage-Woche und Homeoffice. „Als Store-Manager erstellt man viele Reportings, dafür könnte ein Tag Homeoffice zur Verfügung gestellt werden“, findet sie. Das sei jedoch eher die Ausnahme. „Darüber sollte man aber nachdenken – zumindest, wenn man jemanden möchte, der einen wirklich voranbringt“, ist die Personalberaterin überzeugt. Am Ende vergleichen Spitzenkräfte eben mehr als nur Gehälter.