Peinliche Swarovski-Vibes: Norman Fosters Diadem-Brücke pro die verstorbene Queen
Star-Architekt Norman Foster hat eine Gedächtnisbrücke für Queen Elizabeth II. entworfen, die zu ihrem 100. Geburtstag fertig sein soll. Der Entwurf ist ästhetisch und ökologisch fragwürdig. Von Recycling verstand die Queen mehr als er
Der Siegerentwurf von Norman Foster: Glasbausteine sind besonders CO2-intensiv
Foto: picture alliance / Cover Images | Foster + Partners/Cover Images
Ist ein 53 Millionen Euro teures Glas-Diadem das Richtige, um der verstorbenen Königin von Großbritannien zu gedenken? Die von Star-Architekt Norman Foster entworfene glitzernde Glasbrücke gewann vergangenes Jahr den Wettbewerb um das Herzstück des neuen Ehrenmals für Queen Elizabeth II. im Londoner St James’s Park.
Was Architekten betrifft, ist der 90-jährige Foster vielleicht das, was am Nächsten an britisches nationales Kulturgut herankommt. So wirkt er wie eine passende Wahl: eine renommierte Persönlichkeit und zuverlässige Kraft, die die Königin persönlich kannte. Das Projekt könnte das passende Finale für die Karriere des Architekten sein, allerdings zeigt Lord Foster keine Anzeichen, langsamer zu treten.
Foster hätte gut daran getan, sich die Geschichte des Hochzeitsdiadems genauer anzugucken
Die persönliche Verbindung zur verstorbenen Königin könnte den Ausschlag gegeben haben. Lord Foster of Thames Bank, der 2010 seinen Sitz im House of Lords niederlegte, um den für ihn steuerlich vorteilhaften Non-Dom-Status zu behalten, hat die Königin sowohl bei formellen als auch bei informellen Anlässen erlebt. Das habe seinen Entwurf beeinflusst. „Sie war wunderbar förmlich, wenn die Gelegenheit es erforderte“, erinnert er sich, „und herzlich informell, wenn sie zu Leuten und einzelnen Personen direkt in Kontakt kam.“
Sein Projekt sei der Versuch, „die förmliche und die informelle Seite zu verbinden“, angelehnt auch an eine ähnliche Dualität, die sich in der Landschaftsgestaltung des St James’s Park findet, der in den 1820er Jahren von John Nash angelegt wurde.
Als Foster nach einer passenden königlichen Metapher suchte, um die verstorbene Monarchin zu verkörpern, fiel seine Wahl auf ihr Hochzeitsdiadem. Er hat daher eine ätherische Vision einer Brücke mit einer Balustrade aus Gussglas geschaffen, die über dem See schimmert. Diese durchscheinende Glasbrücke sei „symbolisch für Ihre Majestät als vereinigende Kraft, die Nationen, Länder, das Commonwealth, Wohltätigkeitsorganisationen und die Armee zusammenbringt“.
Die Brücke vermittelt den Eindruck, sie sei von Swarovski gesponsert
Bislang vermitteln die Visualisierungen des Entwurfs eher den Eindruck einer temporären, von Swarovski gesponserten Installation, und es ist schwer, sich vorzustellen, wie das Team für die Instandhaltung der Royal Parks dafür sorgen wird, dass es auf Dauer so glänzend aussieht. Die Vision erinnert an Fosters Idee der „Lichtklinge“ für die Londoner Millennium Bridge über der Themse, die die St-Paul’s-Kathedrale mit der Tate Modern verbindet. Sie war am Ende deutlich klobiger (und wackeliger) als die elegante Skizze versprochen hatte.
Jedenfalls hätte Foster gut daran getan, sich die Geschichte des betreffenden Diadems genauer anzuschauen. Es wurde ursprünglich 1919 für Elisabeths Großmutter Queen Mary entworfen. Sie war eine große Juwelenliebhaberin, die den Kopfschmuck im damals modischen russischen Kokoschnik-Stil orderte, wobei sie Diamanten aus einer alten Kette verarbeiten ließ, die ihr von ihrer angeheirateten Großmutter Queen Victoria geschenkt worden war.
Es war ein Recycling-Modell, das seither über die Generationen hinweg weitervererbt wurde. Die Queen Mother trug es, ebenso Elisabeth II., Prinzessin Anne und in jüngster Zeit Prinzessin Beatrice.
Foster entschied sich für ein besonders CO₂-intensives Material
Daran knüpft Fosters Brücke nicht an. Für sein Projekt, zu dem auch eine Reihe Gärten gehört, wird unnötigerweise eine vollkommen intakte Fußgängerbrücke zerstört. Die bestehende Blue Bridge wurde 1957 nach Entwürfen von Eric Bedford erbaut, dem jüngsten Chefarchitekten, den das Ministerium für öffentliche Arbeiten je hatte.
Er entwarf später den erstaunlich futuristischen Post Office Tower (heute BT Tower) im Londoner Stadtteil Fitzrovia. Tatsächlich spielte Bedford auch eine wichtige Rolle bei der Krönung von Königin Elizabeth II. Er entwarf anlässlich der Feierlichkeit eine Reihe ineinandergreifender Stahlbögen über der Zeremonienstraße The Mall, die mit Löwen gekrönt und mit Metallkronen und Fächermotiven verziert waren und nachts beleuchtet wurden.
In unserem Zeitalter der schnellen globalen Erwärmung, in dem die CO₂-Emissionen bis aufs Kilo genau gezählt werden und Architekten sich bemühen, so viel wie möglich von bestehender Bausubstanz wiederzuverwenden, kommt einem dieser verschwenderische Abriss wie eine merkwürdige Art und Weise vor, jemandem zu gedenken.
Foster verbaut für seine neue Brücke massive Glasblöcke. Damit hat er sich für eines der Co2-intensivsten Materialien entschieden, die es gibt, da die Öfen für die Produktion auf über 1.000 Grad Celsius erhitzt werden müssen. Diese kostspielige Tara dient nicht nur dem Gedenken der Queen; sie ist ein krönender Abschluss für ein Zeitalter des exzessiven Konsums.