Parkinson-Diagnose: Weltneuheit aus den Weinbergen

Wendelsheim liegt idyllisch in den Weinbergen zwischen Alzey und Bad Kreuznach. Das klingt verschlafen. Torsten Matthias, der Gründer und Geschäftsführer des dort beheimateten Biotechnologieunternehmens Modag, weiß zum selben Sachverhalt andere Assoziationen zu wecken. „Wir sind auf halbem Weg zwischen New York und Tokio“, sagt er. Das passt besser zum Anspruch, Weltspitze zu sein.

Denn nichts anderes traut Matthias seiner 2013 gegründeten Firma zu, an der sich vor einigen Jahren die Nachkommen des aus Alzey stammenden Gründers der ehemaligen Massa-Supermärkte beteiligt haben. Am kommenden Mittwoch will Matthias auf der internationalen Alzheimer- und Parkinson-Konferenz in Kopenhagen eine Neuent­wicklung aus Wendelsheim vorstellen, die es nach seinen Worten in sich hat: Zum ersten Mal soll es ein einzelner diagnostischer Test mit CE-Zertifizierung möglich machen, die Nervenkrankheit Parkinson direkt und mit großer Zuverlässigkeit nachzuweisen.

Dazu muss man wissen, dass diese tückische Krankheit bisher meistens nur anhand ihrer Symptome wie Zittern und Gangveränderungen diagnostiziert wird, oft in Verbindung mit einer MRT-Untersuchung zum Ausschluss anderer möglicher Ursachen dafür. Der neue Test, für den die europäische Zulassung laut Matthias kürzlich in Wendelsheim eingegangen ist, geht anders. Mit ihm lässt sich das Nervenwasser der Patienten, das zuvor im Krankenhaus per Punktion entnommen wurde, im Labor auf die für Parkinson typischen krankmachenden Eiweiße untersuchen.

Der frühere Hollywoodschauspieler Michael J. Fox unterstützt mit seiner Stiftung die Parkinson-Forschung in Wendelsheim.
Der frühere Hollywoodschauspieler Michael J. Fox unterstützt mit seiner Stiftung die Parkinson-Forschung in Wendelsheim.Apple TV+

Das soll im Vergleich zu den bisher üblichen Verfahren einfacher und zugleich sehr präzise funktionieren. Modag-Mitgründer Matthias verweist auf Studien, in denen knapp 98 Prozent aller Erkrankten erkannt wurden, während kein einziger Gesunder fälschlich als Parkinson-Patient eingestuft wurde. Für den Umgang mit der tückischen Krankheit steckt darin eine große Chance. Je früher sie erkannt wird, desto besser lassen sich Medizinern zufolge Risiken eingrenzen und einzelne Symptome richtig behandeln.

Das erklärt, warum sogar der vermutlich prominenteste Parkinson-Patient der Welt, der frühere Hollywoodschauspieler Michael J. Fox, die Firma aus der deutschen Provinz unterstützt. Seine Stiftung, deren Ziel die Heilung von Parkinson ist, hat seit 2014 mehrfach Stipendien nach Wendelsheim vergeben. Zusammen belaufen sie sich laut Torsten Matthias auf rund sieben Millionen Dollar.

Dabei ging es nicht nur um den Test, der jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wird, sondern auch um ein bildgebendes Verfahren, das bald folgen könnte. Daneben hat Modag zwei potentielle Medikamente zur Behandlung von Parkinson und einer weiteren neurodegenerativen Erkrankung in der Entwicklung. Dafür arbeitet das kleine Unternehmen aus Rheinland-Pfalz mit Teva zusammen, einem der größten Arzneimittelhersteller der Welt. Noch habe er Michael J. Fox nie persönlich getroffen, berichtet Torsten Matthias. Spätestens wenn nach dem Parkinson-Test auch eines der Medikamente zugelassen wird, dürfte es so weit sein.