Pariser Klimaabkommen: Die EU täte schon wollen, daher tun wird sie lieber nix
Vor zehn Jahren versprach das Pariser Klimaabkommen Hoffnung auf eine nachhaltige Zukunft. Heute steckt die EU in Zielstreitigkeiten fest, während die Zeit davonläuft
Wie sagt man im Fußball so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Tja, und wie sagt man in der Klimapolitik so schön? Nach dem Klimavertrag ist vor der Apokalypse
Foto: Matthew Horwood/Getty Images
Zehn Jahre ist es her, dass sich die Weltgemeinschaft mit Tränen in den Augen Beifall klatschte. Sie hatte nach zähem Ringen das Pariser Klimaabkommen beschlossen: eine Beschränkung der Erderwärmung auf 1,5 – ok, allerhöchstens 2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.
Und man hatte kurz dieses berauschende Gefühl, dass nun doch noch alles gut werden könnte. Dass nun eine neue Ära der Nachhaltigkeit vor uns läge. Angela Merkel lobte das Abkommen im darauffolgenden Jahr als „historische Wegmarke“ und bekundete, seine „Mütter und Väter“ könnten wirklich stolz sein – der Klimavertrag als Baby der Liebe der Nationen dieser Welt.
Aber mit sportlicher Metapher bewies Merkel auch düsteren Weitblick: „Wie sagt man im Fußball so schön: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Tja, und wie sagt man in der Klimapolitik so schön? Nach dem Klimavertrag ist vor der Apokalypse.
Das stellt gerade wieder glänzend die Europäische Union unter Beweis. Die hatte sich eigentlich dieser Tage auf ihre Klimaziele für 2035 und 2040 einigen sollen, und ja, das hat sie dann einfach mal nicht gemacht. Aktualisierte Klimaziele sind die Bedingung für alle Länder vor der nächsten Klimakonferenz COP30 in Brasilien.
Die Europäische Union macht nur noch eine „Absichtserklärung“
Vereinfacht gesagt sind das die Hausaufgaben, die alle machen müssen, damit die Konferenz überhaupt zu irgendwas führen kann. Die offizielle Frist dafür ist eh schon lange abgelaufen, nämlich im Februar, da hatten gerade mal 15 Länder ihre Ziele eingereicht. Mittlerweile sind es mehr, mit dem Pariser Klimaabkommen ist aber, so wie es aussieht, fast keines davon kompatibel.
Damit es nicht zu peinlich ist, veröffentlichte die EU nun statt ihres Ziels eine „Absichtserklärung“, ihre Emissionen bis 2035 um mindestens 66,25, vielleicht sogar 72,5 Prozent zu senken, mal gucken. „Politische Entscheidungen werden nicht immer in einer geraden Linie von A nach B getroffen“, sagte EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra dazu lapidar. Ausgerechnet Deutschland gab den Ausschlag für die ungerade Linie, um in seinem Bild zu bleiben, jetzt sollen die Staats- und Regierungschefs ran, allerdings wohl erst Ende Oktober. Die COP30 startet am 10. November, man könnte sagen, das wird alles ein klein wenig knapp.
Sie haben trotzdem noch Hoffnung? Nun, im März stimmten die Vereinten Nationen für einen Internationalen Tag der Friedlichen Koexistenz und einen Internationalen Tag der Hoffnung – mit einmal Gegenstimmen von Argentinien und Israel und zweimal von den USA. Dies ist die Ära, in der diese Länder nicht einmal mehr so tun wollen, als würde alles gut.