Parfümmarke Creed: L’Oréal gibt vier Milliarden zum Besten von Kosmetik von Kering aus

Während der Dax wieder die Marke von 24.000 Punkten überschritten hat und die Thyssenkrupp-Tochtergesellschaft TKMS fulminant an der Börse gestartet ist, sorgt zum Wochenbeginn ein Milliardengeschäft im Schönheitsmarkt ebenfalls für gute Laune. Der Kosmetikkonzern L’Oréal will für vier Milliarden Euro die Kosmetiksparte des Luxusgüterkonzerns Kering übernehmen. Das teilten die beiden französischen Unternehmen mit.

L’Oréal bekomme die Parfümmarke Creed sowie die Schönheits- und Duftlizenzen weiterer Marken des Gucci-Mutterkonzerns Kering. Zudem soll L’Oréal für 50 Jahre die Rechte zur Entwicklung von Kosmetikprodukten für Kering-Modemarken wie Bottega Veneta und Balenciaga erhalten. Darüber hinaus wollten beide Unternehmen zusammenarbeiten, um Geschäftsmöglichkeiten im Bereich Wellness und Langlebigkeit zu erschließen, hieß es. Der Verkauf soll in der ersten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden.

Anleger erfreut

Anleger reagierten erfreut auf die Neuigkeiten. Der Kurs der im Euro Stoxx 50 notierten L’Oréal-Aktie stieg um gut ein Prozent auf mehr als 392 Euro. Der Kurs der im französischen Leitindex CAC 40 gelisteten Kering-Aktie legte um mehr als 3,5 Prozent auf mehr als 320 Euro zu.

Analysten werteten den Zukauf für L’Oréal überwiegend positiv. Die US-Bank J.P. Morgan traut dem Konzern zwar nach wie vor ein Kursziel von 350 Euro zu und beließ die Titel auf der Einstufung „neutral“. Analystin Celine Pannuti sprach in ihrem Aktienkommentar insgesamt aber von einer entscheidenden Transaktion für L’Oréal, um die führende Position im globalen Parfüm- und Nischensegment zu stärken. Diese sei mit insgesamt vier Milliarden Euro auch die bisher größte in der Unternehmensgeschichte des Kosmetikkonzerns. Auch das Analysehaus Jefferies beließ L’Oréal auf „unterdurchschnittlich“ mit einem Kursziel von 340 Euro. Die Übernahme sei aber positiv für den Kosmetikwert zu bewerten, schrieb Analyst David Hayes.

Nicolas Hieronimus, CEO der L’Oréal- Gruppe, hofft vor allem auf Creed – die Marke, die Kering erst im Jahr 2023 kurz nach der Gründung der Kosmetiksparte für 3,5 Milliarden Euro gekauft hatte. Er will damit L’Oréal als einer der führenden Akteure im schnell wachsenden Nischen-Duftmarkt etablieren. „Gucci, Bottega Veneta und Balenciaga sind allesamt außergewöhnliche Couture-Marken mit enormem Wachstumspotenzial“, glaubt Hieronimus.

Kering-Chef de Meo kann Schulden eindämmen

„Diese strategische Allianz ist ein entscheidender Schritt für Kering“, sagte Luca de Meo, der neue CEO von Kering. Durch die Zusammenarbeit mit dem Weltmarktführer im Beauty-Bereich werde Kering die Entwicklung von Düften und Kosmetik für seine großen Marken beschleunigen, ihnen Skaleneffekte in dieser Kategorie ermöglichen und ihr enormes langfristiges Potential freisetzen – wie es Yves Saint Laurent Beauté unter der Führung von L’Oréal schon gelungen sei.

Kering steckt mitten im Umbau. Mit dem Verkauf der Kosmetiksparte könnte de Meo die hohe Verschuldung des Unternehmens deutlich reduzieren. Die Nettoverschuldung belief sich Ende Juni auf 9,5 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr machte der Konzern, den die französische Familie Pinault kontrolliert, mit 7,6 Milliarden Euro 16 Prozent weniger Umsatz als noch im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn fiel um 46 Prozent auf 474 Millionen Euro.

De Meo war zuvor Chef des Autokonzerns Renault und hat die Leitung von Kering erst im September dieses Jahres übernommen. Neben einer hohen Verschuldung kämpft der französische Luxusgüterkonzern seit geraumer Zeit mit einer Umsatzschwäche seiner größten Marke Gucci. Vor allem die Nachfrage im wichtigen Markt China schwächelt – das asiatische Land hatte mehr als ein Jahrzehnt lang das Wachstum der gesamten Luxusgüterbranche angetrieben. Auch die US-Zölle bergen Risiken für das Luxusgeschäft.

Source: faz.net