Papst weist Kritik von US-Präsident Trump zurück
Erstmals in der Geschichte hat ein US-Präsident einen Papst angegriffen: Er sei „kein Fan“ von Papst Leo XIV., sagte Trump. Der Papst reagierte prompt: Er sei kein Politiker, sondern verkünde die Botschaft des Evangeliums.
Es ist ein Vorfall, wie es ihn in der Geschichte noch nie gegeben hat: Ein US-Präsident greift den Papst frontal an. Am späten Sonntagabend sagte Donald Trump, kurz nachdem er mit dem Hubschrauber nach Washington zurückgekehrt war: „Ich bin kein großer Fan von Papst Leo. Er ist eine sehr liberale Person und er ist ein Mann, der nicht daran glaubt, Verbrechen zu stoppen“.
Der Papst sei ein Mann, „der denkt, dass wir mit einem Land spielen sollten, das eine Atomwaffe will, damit sie die Welt in die Luft jagen können“, so Trump. Und er wiederholte: „Nein, ich bin kein Fan von Papst Leo.“
Zuvor hatte sich der US-Präsident ähnlich in den Sozialen Medien geäußert und unter anderem geschrieben, Papst Leo sei schrecklich im Bezug auf seine Außenpolitik.
Reaktion auf Papst-Äußerungen
Trump reagierte damit offenbar auf eine ganze Reihe von Äußerungen und Mahnungen des Papstes in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten. Papst Leo XIV. hatte von Beginn seines Pontifikats an, meist indirekt, die Politik des US-Präsidenten kritisiert.
Er hatte die Unmenschlichkeit der US-Migrationspolitik angesprochen, hatte die gewaltsame Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro durch die US-Regierung gerügt, hatte in dem Zusammenhang die Einhaltung des Völkerrechts gefordert.
Und zuletzt verurteilte der Papst auch mit deutlichen Worten den Iran-Krieg: „Ich möchte wirklich alle aufrufen, an die vielen Unschuldigen zu denken. Viele Kinder, viele ältere Menschen, die alle Opfer sind dieser Eskalation, dieses Krieges – bei dem wir von Anfang an gesagt haben, kehren wir zum Dialog zurück, zu Verhandlungen. Versuchen wir die Probleme zu lösen, ohne dass es so weit kommt. Aber nun ist es soweit gekommen.“
Papst nennt Trump-Äußerung moralisch verwerflich
Die Äußerung Trumps vor etwa einer Woche, das gesamte iranische Volk auslöschen zu wollen, hatte Papst Leo in einer Reaktion am selben Tag als „inakzeptabel“ und moralisch verwerflich bezeichnet. Am Wochenende hatte er bei einem Friedensgebet auf dem Petersplatz, ohne Namen und Orte zu nennen, betont, das Gleichgewicht der Menschheitsfamilie sei schwer erschüttert:
Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg! Wahre Stärke zeigt sich im Dienst am Leben.
Die Spannungen zwischen dem Vatikan und dem Weißen Haus haben in den vergangenen Wochen zu Gerüchten geführt. So meldete die US-Zeitung Free Press, der päpstliche Botschafter in den USA, Kardinal Pierre, habe im Januar im Pentagon eine Art Standpauke erhalten, sei für die Äußerungen des Papstes zur Rechenschaft gezogen worden. Der Bericht wurde aber später sowohl vom Pentagon als auch vom Vatikan dementiert.
Auch die Nachricht, der Papst habe eine geplante Reise in die USA zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli abgesagt, stellte sich später als Falschmeldung heraus – die Reise sei nie geplant gewesen. Der Vatikan hat kein Interesse, in einen offenen Konflikt mit Washington zu treten.
„Selig sind die Friedensstifter“
Auf seiner heutigen Reise nach Algerien bezog Leo XIV. auf Nachfrage eines Journalisten Stellung zur Kritik Donald Trumps gegen ihn: „Was ich sage, ist keinesfalls als Angriff auf irgendjemanden gemeint. Und die Botschaft des Evangeliums ist eindeutig: Selig sind die Friedensstifter. Ich werde mich nicht scheuen, die Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Ich lade alle Menschen ein, nach Wegen zu suchen, Brücken des Friedens und der Versöhnung zu bauen und Kriege zu vermeiden, wann immer es möglich ist.“
Er sehe sich selbst nicht als Politiker, so Leo XIV. Politische Aussagen haben andere für ihn übernommen. So äußerte sich etwa Italiens Vize-Premier Matteo Salvini und sagte, den Papst anzugreifen, sei weder nützlich noch intelligent. Außenminister Antonio Tajani betonte, er teile mit dem Papst den Glauben, dass jeder sich für den Frieden einsetzen müsse.
Italiens Ministerpräsidentin Meloni wünschte dem Papst eine gute Reise, nahm aber zu den Aussagen Trumps direkt keine Stellung. Oppositionspolitiker kritisierten das und sagten, nun sei endgültig der Moment gekommen, in dem sich Meloni von Trump distanzieren müsse.
Source: tagesschau.de