Pannenserie im ÖRR: Das Erste-Chef Hager: „Fehler sind keine Manipulation!“

In der Diskussion über gefälschte TV-Bilder hat der ARD-Vorsitzende Florian Hager den Senderverbund gegen Vorwürfe der Manipulation verteidigt. „Wir machen auch in der ARD Fehler“, schreibt der Intendant des Hessischen Rundfunks (HR) auf Linkedin. Schwierig werde es, „wenn solche Fehler bewusst missgedeutet werden, als Manipulation“ und jeder Anlass dazu diene, Erregungsspiralen zu bedienen und Misstrauen zu schüren. „Nein, Fehler sind keine Manipulation!“, schreibt Hager.

Die ARD hatte in der Sendung „Bericht aus Berlin“ vom 20. Februar eine Video­sequenz mit Altkanzlerin Angela Merkel derart in einen Beitrag über den Bundesparteitag der CDU in Stuttgart hineingeschnitten, dass es so aussah, als applaudiere sie nach der Wahl von Friedrich Merz zum Parteivorsitzenden. Die Zustimmung für ihn lag bei fast 91 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Merkel freilich gar nicht mehr im Saal, das Bild war zu einem früheren Zeitpunkt aufgenommen worden. Nach der Ausstrahlung schnitt die Redaktion den Beitrag neu, in der ARD-Mediathek findet sich ein Begleittext mit einer Entschuldigung.

Generalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

„Wir wollen das nicht wegwischen oder kleinreden und müssen uns auch an diesem Anspruch messen lassen. Und leider sind wir auch beim Umgang mit Fehlern nicht immer gut“, schreibt Hager, ohne direkt auf den Fehler im „Bericht aus Berlin“ Bezug zu nehmen. „Gerade in Zeiten, in denen wir alle immer mehr und immer stärker mit Inhalten geradezu überschwemmt werden, von denen wir nicht immer wissen, wo sie herkommen, müssen wir noch sorgfältiger sein.“

Das ZDF steht zurzeit wegen des KI-Fakes im „heute journal“ in der Kritik. In einem Beitrag über die US-Einwanderungspolizei ICE hatte die Korrespondentin Nicola Albrecht eine KI-Sequenz und Bilder verwendet, die mit dem Thema nichts zu tun hatten. Das ZDF hatte zuerst von einem technischen Fehler gesprochen, sich dann entschuldigt, schließlich wurde Albrecht von ihrem Posten abberufen. Bei einer internen Schalte mit mehr als 1000 Mitarbeitern wurde deutlich, dass die Chefredakteurin Bettina Schausten das Problem und die Kritik ernst nimmt, der Washington-Korrespondent Elmar Theveßen hingegen spielte die Sache herunter.

In einer von ihr beantragten Aktuellen Stunde im Bundestag am Mittwoch nutzte die AfD die beiden Vorfälle für einen Generalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der KI-Fake im ZDF sei „keine Panne“ gewesen, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Götz Frömming, sondern „vorsätzlicher Betrug“. Hier habe man „das Relotius-System bei der Arbeit gesehen, und dieses System gehört abgeschafft“.

Abgeordnete aller anderen Fraktionen rügten zwar die Fehler der Sender, wiesen die Angriffe der AfD aber zurück. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, so der SPD-Abgeordnete Martin Rabanus, zähle zur „demokratischen Infrastruktur“. Was KI angehe, so der Grüne Sven Lehmann, müsse sich die AfD mit ihren Manipulationen an die eigene Nase fassen. Der CDU-Abgeordnete Pascal Reddig sagte, die Öffentlich-Rechtlichen müssten Zweifel an ihrer politischen Unabhängigkeit ausräumen, die Fehlerkultur verbessern und sich reformieren, denn viele Menschen wendeten sich von ihnen ab. /

Source: faz.net