Panne im „heute journal“: Der KI-Fake im Zweites Deutsches Fernsehen schlägt ins Kontor
Angesichts der KI-Panne im „heute journal“ am Sonntag fragt man sich, wie viele Beispiele ZDF und ARD noch dafür liefern wollen, dass im öffentlich-rechtlichen System etwas faul und das Programm von Voreingenommenheit geprägt ist. Zögerlich reagierte das ZDF auf die Kritik, die Richtigstellung kam zwei Tage später. Ein „Doppelfehler“ sei das gewesen, sagte die stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek am Dienstag im „heute journal“. Ein Doppelfehler, „den wir nun sorgfältig aufarbeiten und der besonders schmerzt, weil wir hier bei den ZDF-Nachrichten sehr viel Kraft investieren, um Ihnen geprüfte Informationen zu liefern“. Das sei „diesmal nicht gelungen. Dafür bitte ich Sie, unsere Zuschauer, als ZDF-Nachrichtenchefin ausdrücklich um Entschuldigung. Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards.“
Dass auch bei „hohen Standards“ Fehler passieren, steht außer Frage. Wer als Journalist ohne das kleinste Versäumnis durch den hektischen, online-getriebenen Vierundzwanzigstundentag kommt, werfe den ersten Stein. Aber wie es sein kann, dass in einem Korrespondentinnenbeitrag aus den USA über die Einwanderungspolizei ICE, den Dunja Hayali mit dem Hinweis anmoderiert, im Netz gebe es ICE-Videos zuhauf, nicht alle seien echt, viele aber doch, dann ein KI-Fake und Bilder, die aus dem Zusammenhang gerissen waren, auftauchen, wüsste man schon gern.
„Bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen“
Die KI-generierten Bilder hätten „gekennzeichnet werden müssen“, teilte uns das ZDF dazu auf Anfrage mit. Die Kennzeichnung sei „bei der Überspielung des Beitrags aus technischen Gründen nicht übertragen“ worden. Die Redaktion habe „den Fehler korrigiert und das Video entsprechend angepasst“. In den KI-Grundsätzen des ZDF sei „festgelegt, dass KI-generiertes Bildmaterial immer transparent gekennzeichnet wird“. Im „Normalfall“ dürften KI-Bilder „nicht in der Nachrichten-Berichterstattung verwendet werden“. Anders sei es, „wenn KI selbst thematisiert wird. In diesem Fall müssen die KI-Inhalte klar gekennzeichnet sowie auch eingeordnet sein“.

Ein „technischer Fehler“? Der fiele vielleicht nicht derart ins Gewicht, hätten wir nicht gesehen, wie die ZDF-Nachrichten (die ARD auch) den Abriss der „Brandmauer“ gegen die AfD durch die Grünen im EU-Parlament ignorierten oder Dunja Hayali und der Korrespondent Elmar Theveßen nach dem Mord an dem MAGA-Aktivisten Charlie Kirk mit Schnellurteilen kamen, die nicht trugen. Oder denken wir an die Pirouetten, die das ZDF drehte, nachdem herausgekommen war, dass der von der israelischen Armee getötete Mitarbeiter einer palästinensischen Produktionsfirma, die der Sender seit Jahren beschäftigte, dem bewaffneten Arm der Hamas angehört. Beim NDR gab es derweil ein internes, auch über den Rundfunkrat gespieltes, von der Moderatorin Anja Reschke in ihrer Sendung auf die Spitze getriebenes Kesseltreiben gegen das Magazin „Klar“ und die Journalistin Julia Ruhs, die es gewagt hatten, das Thema Kriminalität durch Zuwanderung aufzugreifen. Mit derlei Gebaren schafft sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst ab und liefert nicht nur der AfD, die die Anstalten rasieren will, Munition.
„Der ZDF-Skandal“, sagt der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki in der „Bild“, müsse „politische Konsequenzen haben. Ein Milliarden-Beitragssystem, das zu einem Rundfunk führt, in dem manipulative beziehungsweise manipulierte Berichterstattung offenbar schon so verbreitet ist, dass es nicht einmal bei den Verantwortlichen ein Störgefühl auslöst, können wir uns im wahrsten Sinne des Wortes nicht leisten.“ „Diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler“, meint NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) im „Stern“. „Die geltenden Maßstäbe und eigenen Ansprüche an öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus hätten eine solche Täuschung des Publikums bereits in der Entstehung des Beitrags verhindern müssen.“ Anstatt „Desinformation und Deepfakes zu entlarven“, habe das ZDF „auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen. Dies ist ein Tabubruch und ein absolutes No-Go.“
Für Kubicki folgt daraus, dass die Länder die Rundfunkverträge kündigen sollten. Die Sender seien unfähig zu Reformen. Es gelte, „über die Ausgestaltung eines modernen, bürgernahen, transparenten und ausgewogenen öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ zu verhandeln. Hat der ZDF-Intendant Norbert Himmler, der im März wiedergewählt werden will, den Schuss gehört?
Source: faz.net