Pakistan spricht von „offenem Krieg“ mit Afghanistan

Afghanische Sicherheitskräfte in der Nähe zur Grenze mit Pakistan.

Stand: 27.02.2026 • 09:21 Uhr

Nach schweren Gefechten mit Toten auf beiden Seiten hat die Regierung in Islamabad den Taliban den „offenen Krieg“ erklärt. In der Nacht bombardierte Pakistan mehrere Ziele in Afghanistans großen Städten.

Augenzeugen berichteten von lauten Explosionen und Schussgeräuschen in der Hauptstadt Kabul, die sich über mehr als zwei Stunden hinzogen. Die pakistanischen Sicherheitskräfte veröffentlichten entsprechende Luftaufnahmen, die die Angriffe zeigen sollen.

Auf den Schwarz-Weiß-Bildern aus der Vogelperspektive sind Zielmarkierungen zu erkennen, kurz darauf folgen Explosionen. Mehrere Rauchwolken steigen auf – zwischen dicht bebauten Wohn- und Gewerbegebieten. Auch andere Orte des Landes wurden angegriffen, etwa in der Provinz Paktia sowie die Stadt Kandahar im Süden des Landes.

Afghanistan und Pakistan sind über eine 2.611 Kilometer lange Grenze voneinander getrennt, die Afghanistan nicht offiziell anerkennt.

Zahlreiche Tote und Verletzte

Bei den Angriffen im Land soll es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben haben, die Angaben beider Seiten weichen jedoch stark voneinander ab. Die Taliban-Regierung bestätigte die pakistanischen Luftangriffe.

Sicherheitsquellen in Pakistan berichten, dass die Operationen Luft- und Bodeneinsätze gegen Taliban-Posten, Hauptquartiere und Munitionsdepots entlang mehrerer Grenzabschnitte umfasst hätten.

In einem Krankenhaus in der Provinz Nangarhar, nahe der pakistanischen Grenze, behandeln Ärzte mehrere Verletzte nach einem Beschuss eines Flüchtlingslagers. Ein Mann namens Samiullah berichtet einem Reporter der Nachrichtenagentur AFP, dass ein Familienmitglied bei dem Angriff verwundet worden sei: „Dieser Mann ist erst kürzlich ins Land zurückgekehrt und lebte im Omari-Lager. Pakistanische Streitkräfte feuerten Mörsergranaten ab, und er sowie eine seiner Töchter wurden verwundet.“

„Jetzt herrscht offener Krieg“

„Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, schrieb Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif am Morgen auf der Plattform X.

Er warf den in Afghanistan herrschenden Taliban vor, Verbündete von Pakistans Erzfeind Indien zu sein. Die Radikalislamisten versammelten Kämpfer aus aller Welt in ihrem Land und hätten begonnen, Terrorismus zu exportieren, so Asif.

Es ist die jüngste Gewalteskalation zwischen den Nachbarländern. Gestern erst hatten Taliban-Kämpfer eine „breit angelegte“ Offensive gegen pakistanische Armeeposten entlang der gemeinsamen Grenze gestartet. Es sei eine Reaktion auf wiederholte Grenzverletzungen und Angriffe durch pakistanische Streitkräfte gewesen, wie ein Militärsprecher der Taliban erklärte.

Seit Langem angespannte Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan sind seit Langem angespannt. Die pakistanische Regierung wirft den afghanischen Taliban vor, Extremisten Unterschlupf zu gewähren, die dann Anschläge in Pakistan verübten.

Die Taliban-Führung in Kabul weist dies zurück. Pakistans Sicherheitsprobleme seien eine interne Angelegenheit, heißt es.

Im vergangenen Oktober wurde unter Vermittlung der Türkei und des Golfstaats Katar eine Waffenruhe vereinbart. Diese erwies sich seither jedoch immer wieder als brüchig und bislang konnte keine dauerhafte Einigung erzielt werden.

Source: tagesschau.de