Pakistan: Mehr wie 120 Tote nachdem Angriffen in Unruheprovinz Belutschistan

In ‌Pakistan sind bei Kämpfen in der Unruheprovinz Belutschistan nach Angaben des Militärs mehr ‍als 120 Menschen ​ums Leben gekommen. Sicherheitskräfte ‌hätten bei den Angriffen in mehreren ⁠Städten mindestens 92 von ​Indien unterstützte militante Extremisten getötet, darunter drei Selbstmordattentäter, teilte das Militär mit. ⁠Die Extremisten hätten ihrerseits mindestens 18 Zivilisten und 15 Sicherheitskräfte getötet.

Die verbotene Separatistengruppe Befreiungsarmee von Belutschistan bekannte sich zu den Angriffen ​an mehreren Orten in der Region. Sie gab an, die Zahl der getöteten Sicherheitskräfte liege bei 84.

Die „koordinierten Schusswaffen- und Selbstmordanschläge“ seien in ganz Belutschistan verübt worden, vor allem aber in der Provinzhauptstadt Quettar und in Gwadar, sagte ein hochrangiger Sicherheitsbeamter der Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt hätten Angriffe an mehr als zwölf Orten stattgefunden. Auch der stellvertretende Verwaltungschef des Bezirks Nushki sei entführt worden.

Pakistanischer Premier erhebt Vorwürfe gegen Indien

In einem weiteren Bezirk hätten die Aufständischen mindestens 30 Gefängnisinsassen befreit und dabei Schusswaffen und Munition an sich gebracht, zitierte AFP einen weiteren Sicherheitsbeamten. Zudem hätten die Kämpfer eine Polizeiwache angegriffen und dort ebenfalls Munition geraubt.

Nach Angaben von Polizisten in vier Bezirken soll die Lage noch nicht wieder vollständig unter Kontrolle sein. Das Mobilfunknetz war eingeschränkt, der Zugverkehr wurde in der gesamten Provinz Belutschistan eingestellt.

Ein Armeevertreter in der Hauptstadt Islamabad bezeichnete die Angriffe als „koordiniert, aber schlecht ausgeführt“. Premierminister Shehbaz Sharif lobte den Einsatz der Sicherheitskräfte. Zugleich beschuldigte er das benachbarte Indien, die für die Anschläge verantwortlichen Separatisten unterstützt zu haben. „Wir werden den Krieg gegen den Terrorismus fortsetzen, bis er vollständig aus dem Land getilgt ist“, kündigte Sharif an.

Belutschistan ist die größte und ⁠zugleich ärmste Provinz Pakistans. Seit Jahrzehnten kämpfen dort ethnische, belutschische Gruppen für Unabhängigkeit. ⁠Die pakistanische Regierung wirft dem ⁠Nachbarland Indien vor, die Gewalt zu ‌fördern. Indien weist dies stets ​zurück.