Oxford, Cambridge & Co.: Studieren in England bleibt gefragt

Oxford, Cambridge, Imperial College, UCL, LSE und andere klingende Namen: Von einem Studienaufenthalt an einer prestigeträchtigen Universität in Großbritannien träumen viele. Es ist erfreulich, dass London ins EU-Austauschprogramm Erasmus Plus zurückkehren wird. Vom akademischen Jahr 2027/2028 an nimmt das Vereinigte Königreich wieder an dem EU-Programm teil und zahlt dafür mehr als eine halbe Milliarde Pfund.
Bezeichnenderweise hagelte es in der britischen Presse kritische Kommentare. Erasmus sei eine teure Sache, hieß es. Das nach dem Brexit als Ersatz geschaffene Turing-Programm habe mehr geboten, meinten manche. Doch der Regierung Starmer geht es auch um das Signal einer Wiederannäherung an die EU.
Nach dem Brexit ist die Zahl der EU-Studenten an britischen Unis eingebrochen. Grund dafür sind die höheren Studiengebühren. Plötzlich mussten EU-Ausländer so viel wie „Übersee“-Studenten bezahlen, wie Amerikaner, Chinesen oder Inder. Für Briten kostet ein Bachelor-Studium aktuell gesetzlich gedeckelt 9535 Pfund (11.000 Euro) im Jahr. Overseas-Studenten zahlen an den meisten Unis das Doppelte oder gar Dreifache an Studiengebühr. Manche Master-Studiengänge kosten Ausländer bis zu 50.000 Pfund.
Weniger Europäer, viel mehr Chinesen und Inder
Um etwa 50 Prozent sanken die Zahlen der EU-Studenten seit dem Brexit. Vorher studierten rund 15.000 Deutsche in Großbritannien, heute sind es nur noch 8000. Ähnlich stark fiel die Zahl der Franzosen, Italiener oder Spanier. Doch der Brexit führte keineswegs zu einem allgemeinen Rückgang ausländischer Studenten. Im Gegenteil, die Zahlen stiegen kontinuierlich weiter. Das Ziel von 600.000 „internationalen Studenten“ bis 2030, das die Johnson-Regierung einst setzte, wurde schon im Jahr 2021 überschritten.
Aktuell sind mehr als 700.000 Ausländer an Hochschulen im Königreich eingeschrieben, ein Viertel der fast drei Millionen Studenten insgesamt. Londoner Hochschulen wie LSE, UCL und Imperial College sind zu mehr als der Hälfte von Overseas-Studenten bevölkert. Britannien ist ein Magnet für sie, weit mehr als Deutschland, was teils auch an der Sprache liegt. Die größten Ausländergruppen an britischen Unis sind Inder (170.000) und Chinesen (gut 150.000), gefolgt von Nigerianern (72.000).
Die Nichtbriten stellen eine unverzichtbare Einnahmequelle für die Hochschulen dar. Sie sind sozusagen „Cash Cows“, Studienplätze für Briten werden damit quersubventioniert. Die Tendenz, immer mehr Plätze an zahlungskräftige Ausländer zu vergeben, führte gelegentlich zur Kritik, Briten würden benachteiligt.
Manche Chinesen kämen mit rudimentären Englischkenntnissen, klagen Dozenten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in vielen Zugangstests mit Plagiaten und KI-Programmen geschummelt wird. Die Präsenz regimetreuer Chinesen führte an einzelnen Hochschulen – wie der Sheffield Hallam University – sogar zu Fällen von (Selbst-)Zensur von Dozenten, die China nicht mehr kritisieren sollten. Zudem kann die Abhängigkeit von ausländischen Geldquellen bei geopolitischen Konflikten zur finanziellen Falle werden. Den Unis sind diese Risiken bewusst.
Ein großer volkswirtschaftlicher Gewinn
Unbestritten bringen die vielen internationalen Studenten volkswirtschaftlich einen großen Gewinn. Auf rund vierzig Milliarden Pfund bezifferte eine Beratungsgesellschaft den ökonomischen Beitrag, anderthalb Prozent der Wirtschaftsleistung des Vereinigten Königreichs. Das Land „exportiert“ höhere Bildung in großem Stil.
Dabei strahlt der Ruf der Spitzenunis wie Oxford, Cambridge oder Imperial College, die in globalen Rankings in den Top-Ten liegen, auf die ganze Hochschullandschaft aus. Freilich gibt es große Unterschiede, jenseits der Gipfel finden sich in den Niederungen auch Orte zweifelhafter Qualität. Seinen Glanz erhält das System von den großen Namen wie den 800 Jahre alten Wissenschaftsstätten Oxford und Cambridge.
Diese sind ein unvergleichlicher Standortfaktor. Auch von gewaltiger „Soft Power“ profitiert Großbritannien dadurch. 58 Staats- und Regierungschefs aus Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika haben eine Ausbildung an einer britischen Hochschule genossen, ermittelte das Higher Education Policy Institute. Nur US-Hochschulen bilden noch mehr „World Leader“ (aktuell 70 Staats- und Regierungschef) aus, auf dem dritten Platz kommt Frankreich (28). In Deutschland haben sechs aktuelle Staats- oder Regierungschefs der Welt studiert. Britannien tut gut daran, den Schatz seiner Hochschulen zu hegen und zu pflegen.