Ostsee: Greenpeace warnt vor Umweltschäden durch Russlands Schattenflotte

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor den Folgen einer möglichen Havarie von Tankern der sogenannten russischen Schattenflotte in der Ostsee. Sollte es dazu kommen, drohe eine Ölpest, von der von Finnland über Schweden und Deutschland bis nach Dänemark Meeres- und Küstenschutzgebiete in großen Teilen der Ostsee betroffen wären, teilte Greenpeace mit

Die potenziell gefährdeten Gebiete seien wichtig für das Überleben von Seevögeln, Meeressäugern und zahlreicher Fischbestände. Zudem wären durch einen Unfall die beliebtesten Urlaubsgebiete an der Ostseeküste auf Jahre hinaus belastet, berichtet Greenpeace unter Berufung auf eine Simulationsstudie des Helmholtz-Zentrums Hereon in Geesthacht.

Dessen Experten berechneten demnach, wie sich 48.000 Tonnen Öl an acht verschiedenen Unfallorten entlang der Route vom russischen Ölhafen Primorsk bis zum dänischen Skagen am Ausgang der Ostsee über einen Zeitraum von 30 Tagen ausbreiten würden. Dazu wurden Strömungs- und Winddaten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie genutzt.

Mehr als 1.000 Schiffe in teils schlechtem Zustand

Um nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine verhängte Ölsanktionen zu umgehen, nutzt
Russland eine stetig wachsende Flotte von größtenteils
veralteten, unversicherten Tankern
, die unter Flaggen fremder Länder
fahren und russisches Öl an den westlichen Sanktionen vorbei
transportieren. Die russischen Häfen in der Ostsee werden dafür intensiv genutzt. Die Schattenflotte soll inzwischen laut internationalen Schätzungen fast 1.000 Schiffe umfassen. Mehr als 600 von ihnen stehen auf Sanktionslisten der EU, Großbritanniens und der USA.

Die Praxis wird
international nicht nur wegen der Umgehung von Sanktionen kritisiert,
sondern auch, weil durch die Verschleierung des Öltransports Risiken für
die Seefahrt drohen. So schalten die Schiffe regelmäßig ihre
Transponder ab und können dadurch nicht geortet werden. Immer wieder
wechseln die Schiffe zudem ihren Namen und Flagge, sodass im Fall
möglicher Unfälle die Verantwortlichkeit nur schwer nachvollzogen werden
kann. 

Dutzende veraltete Tanker fahren jährlich an deutscher Ostseeküste vorbei

Schließlich stellen die Schiffe, da sie im Durchschnitt deutlich
älter als die meisten Öltanker im internationalen Einsatz sind, aufgrund ihres technischen Zustandes eine
Umweltgefahr dar. Nach Greenpeace-Angaben sollen 70 Tanker, die seit Juni 2025 die deutsche Ostseeküste passiert haben, 20 Jahre alt oder noch älter „und damit für den sicheren Transport von Rohöl nicht mehr geeignet.“ 

„Die Faktenlage ist erdrückend, die Bundesregierung muss endlich gegen die Schattenflotte und ihre Geistertanker handeln“, forderte der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack. „Die fehlende Flaggenzugehörigkeit macht die maroden Geistertanker staatenlos und entkoppelt sie vom geltenden internationalen Seerecht.“ Es sei dennoch möglich, sie „mit ausreichendem politischen Willen“ zu beschlagnahmen. 

Auch die Ukraine fordert regelmäßig zu einem härteren Umgang mit den russischen Tankern auf, über die nach Schätzungen bis zu 80 Prozent des russischen Ölexports im Wert von Dutzenden Milliarden Euro pro Jahr abgewickelt wird. Ende 2025 hat das Land mehrere nicht beladene Tanker der Schattenflotte im Schwarzen Meer und im Mittelmeer mit Drohnen angegriffen. Schiffe der Schattenflotte werden auch verdächtigt, als Ausgangsbasis für russische Angriffe auf Infrastruktur im Ostseeraum zu dienen.